Wie konnte aus der Polizistin eine Messerstecherin werden?

Carola M. (48) stach ihren bekannten nieder und ist seitdem auf der Flucht.
Carola M. (48) stach ihren bekannten nieder und ist seitdem auf der Flucht.

Von Bernd Rippert

Zwickau – Die Polizei jagt eine Kollegin! Die untergetauchte Messerstecherin Carola M. (48) war eine Bundespolizistin in Zwickau. Am vergangenen Freitag hatte sie ihren Bekannten Christian H. (47) in dessen Wohnung in der Zwickauer Goethestraße niedergestochen und war geflüchtet. Seitdem fahndet die Polizei nach ihr wegen versuchten Totschlags.

Bei der Bundespolizei Klingenthal (400 Beamte), zu der auch das Revier Zwickau gehört, sind die Kollegen geschockt. Pressesprecher Eckhard Fiedler (47) kennt die Polizeiobermeisterin Carola M.:

„Wir waren ab 1992 zusammen bei der Grenzschutzstelle in Johanngeorgenstadt. Später wurde die Kollegin zum Revier Zwickau versetzt, wo sie normalen Streifendienst am Bahnhof und in den Zügen versah.“

Die drahtige Polizistin war mit Leib und Seele Leichtathletin, trat zuletzt vor drei Jahren für den FCE Aue bei den Landesseniorenspielen in Leipzig an und holte vier Mal Gold im Hochsprung, Weitsprung, Kugelstoßen sowie über 100 Meter.

Doch 2014 kam der totale Bruch im Leben der Polizistin Carola Marquardt. Sie ließ sich neun Monate krankschreiben. In der Zeit trennte sich die dreifache Mutter offenbar auch von ihrem Mann, wollte die Scheidung einreichen. Die Familie wohnte damals im Einfamilienhaus in Werdau.

Eckhard Fiedler: „Vor einem Jahr setzte sie sich nach Panama ab. Warum, weiß ich nicht. Ich kann mir das Ganze auch nicht erklären, denn Carola war mir mit psychischen Problemen nie aufgefallen.“

Im Juni 2015 tauchte Carola Marquardt wieder in Zwickau auf, bat ihren Bekannten Christian H., ein Mitarbeiter eines Rechtsanwalts, um Hilfe. Gleichzeitig habe sie wirre Morddrohungen ausgestoßen – offenbar setzte ihr das Scheidungsverfahren zu.

Am Freitag kam die Polizistin erneut zu Christian H. Aber anstatt zu reden, stach sie mit einem Messer auf ihren Bekannten ein. Staatsanwalt Jürgen Pfeiffer (46): „Sie stach ihrem Opfer mehrmals in Hals und Schulter.“ Eine versuchte Tötung! Laut Jürgen Pfeiffer gebe es keine Anhaltspunkte, dass Drogen oder Alkohol bei dem Messerangriff im Spiel waren.

Nach der Bluttat sei Carola Marquardt vermutlich mit einem schwarz-weißen Fahrrad geflüchtet. Ein Spürhund der Polizei verfolgte ihre Spur noch bis zum Zwickauer Bahnhof – wo sich Carola M. aus alten Dienstzeiten bestens auskennt. Seitdem ist die Polizistin verschwunden.

Immerhin: Ihre Dienstwaffe besitzt sie nicht mehr, erklärte Polizeisprecher Eckhard Fiedler.

Fotos: Polizei


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