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Mesut Özil bricht Schweigen! Ex-Nationalspieler über Arsenal, Erdogan und Rassismus in Deutschland

Mesut Özil offen wie nie

Mesut Özil spricht über seinen Abschied aus der Nationalmannschaft, Rassismus in Deutschland sowie das Erdogan-Foto und auch seine Situation beim FC Arsenal.

London - Nach seinem Rücktritt aus der Nationalmannschaft im letzten Jahr rankten sich insbesondere im Sommer viele Gerüchte um seine Zukunft auf Vereinsebene. Doch allen Spekulationen zum Trotz blieb Mesut Özil beim FC Arsenal. Dort ist er mittlerweile jedoch nicht mal mehr Teilzeitkraft - und holt jetzt zum Rundumschlag aus!

Ein Bild, welches mittlerweile zur Gewohnheit gehört: Mesut Özil auf der Ersatzbank bei den Gunners.
Ein Bild, welches mittlerweile zur Gewohnheit gehört: Mesut Özil auf der Ersatzbank bei den Gunners.

"Wenn wir in großen Spielen nicht gut spielen, ist es immer meine Schuld", bilanziert der inzwischen 31-Jährige in einem Interview mit "the Athletic". Doch diesen Vorwurf will er sich nicht gefallen lassen: "Wenn das stimmen würde, wie erklären Sie sich dann unsere Resultate in großen Spielen, an denen ich nicht beteiligt war? Es gibt keinen Unterschied."

Özil verlängerte erst 2018 seinen Verrag bis zum 30. Juni 2021. Sein Gehalt soll bei bis zu 400.000 Euro in der Woche liegen.

Der ehemalige Trainer Arsene Wenger (69) war einer der größten Fans und Förderer des Weltmeisters von 2014, machte ihn zu einem der absoluten Top-Verdiener auf der Insel. Doch Wenger ist seit Juni 2018 weg aus London - und mit ihm ging somit folglich auch Özils größter Fürsprecher.

Der Spanier Unai Emery (47) hat im Anschluss das Traineramt über- und Özils Einsatzzeiten seither stetig abgenommen. Während man Wenger eine "Özil-spielt-immer"-Attitüde nachsagen konnte, begann dieses Gesetz unter seinem Nachfolger immer mehr zu bröckeln.

Auch wenn er in der vergangenen Saison ähnlich viele Einsätze hatte, wie noch unter Wenger in der Spielzeit zuvor, war er längst nicht mehr unumstritten. Im Sommer rankten sich gar Gerüchte, dass Emery Özil nahegelegt haben soll, sich nach einem neuen Verein umzuschauen.

Ein Wechsel kam bekanntermaßen nicht zustande und die "Quittung" folgte auf den Fuße: Je ein Einsatz in der Liga (von acht Spielen) und im EFL-Cup über jeweils 71 Minuten stehen in dieser Saison zu Buche, ohne Torbeteiligung. Er hat es größtenteils noch nicht einmal in den Kader der "Gunners" geschafft - ein mehr als deutlicher Fingerzeig seines 47-jährigen Coaches.

Özil, der nicht unbedingt für seine Gefühlsausbrüche oder Emotionen bekannt ist, kann diese Situation jedoch unmöglich kalt lassen - und so räumt er nun mit allem auf, was sich wohl in letzter Zeit angestaut hat.

Mesut Özil "enttäuscht" von Trainer Emery. Bei Erdogan ging es um "Respekt"

Ein Foto, das für mächtig Wirbel sorgte: Am 14. Mai 2018 lädt Türkei-Präsident Recep Tayyip Erdogan Özil, Ilkay Gündogan und Emre Can zu sich ein.
Ein Foto, das für mächtig Wirbel sorgte: Am 14. Mai 2018 lädt Türkei-Präsident Recep Tayyip Erdogan Özil, Ilkay Gündogan und Emre Can zu sich ein.

Auch wenn er Emery "weiterhin respektieren" werde, zeigt er sich von dessen (fehlender) Wertschätzung nach eigener Aussage "enttäuscht". Doch er gibt sich kämpferisch: "Ich schiebe zum ersten Mal in meiner Karriere nach jedem Training Extra-Schichten, um bereit zu sein. Ich weiß, was es braucht, und glaube an mich. Ich werde spielen."

Auch denkt er nicht daran, dem FC Arsenal vor Ende seiner Vertragslaufzeit den Rücken zu kehren: "Ich habe einen Vertrag bis zum Sommer 2021 und so lange bleibe ich auch. Jeder macht mal schwierige Zeiten durch, so wie ich gerade, aber das ist kein Grund, wegzurennen - und das mache ich auch nicht. Ich bleibe hier."

Auch die Debatte um das gemeinsame Foto mit dem Präsidenten der Türkei, Recep Tayyip Erdogan, ließ ihn nicht kalt. "Erdogan ist der aktuelle Präsident der Türkei und ich zolle dieser Person Respekt, wer auch immer es ist. Wenn die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel in London wäre und mich um ein Treffen bitten würde, würde ich das natürlich auch machen."

Es ginge Özil "nur darum, der Person im höchsten Amt eines Landes Respekt zu zeigen", so sein klares Statement in der Erdogan-Causa.

Rassismus in Deutschland "in der Mitte der Gesellschaft angekommen"

Die WM 2018 war ein desaströser Schlussakkord einer eigentlich glanzvollen und ruhmreichen Özil-Ära beim DFB.
Die WM 2018 war ein desaströser Schlussakkord einer eigentlich glanzvollen und ruhmreichen Özil-Ära beim DFB.

Insbesondere das Verhalten seiner Nationalmannschafts-Kollegen nach dem Treffen habe ihn gekränkt: "Nach dem Foto mit Erdogan habe ich mich nicht respektiert und schutzlos gefühlt. Ich wurde rassistisch beleidigt, sogar von Politikern und anderen Personen aus der Öffentlichkeit. Niemand aus dem Nationalteam hat sich hingestellt und gesagt 'Stopp. Das ist unser Spieler, ihr könnt ihn nicht so behandeln'", so Özil.

Doch damit nicht genug, er wirft den ehemaligen Kollegen vor, dass diese "nichts gesagt" und "es geschehen lassen" haben.

Und auch zum Thema Rassismus hat er eine ganz klare Meinung, bekräftigt seine Vorwürfe von damals sogar: "Rassismus war immer da, aber Leute nutzten diese Situation, um diesem freien Lauf zu lassen", und weiter: "Es gibt große Probleme in Deutschland. Man muss sich nur anschauen, was letzte Woche in Halle passiert ist. Ein weiterer antisemitischer Anschlag. Leider ist Rassismus nicht nur ein Problem des rechten Flügels im Land. Er ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen."

Scheint, als ob sich bei dem 92-maligen deutschen Nationalspieler einiges angestaut hat. Auf jeden Fall sorgt er mit seinen Aussagen ein weiteres Mal für Schlagzeilen. Ob und inwieweit er diese auch bald wieder sportlich wieder schreiben kann, wird sich zeigen und hängt vor allem an seinem Trainer Emery.

Unai Emery und Mesut Özil. Das passt irgendwie nicht.
Unai Emery und Mesut Özil. Das passt irgendwie nicht.

Fotos: Pool Presdential Press Service/AP/dpa, Nick Potts/PA Wire/dpa, Andreas Gebert/dpa

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