Warum dieser Metzger kein Fleisch mehr isst

Passend zum Konzept fahren Anna-Sophie und André ihre Gerichte mit einem aufgemöbelten holländischen Lastenrad aus.
Passend zum Konzept fahren Anna-Sophie und André ihre Gerichte mit einem aufgemöbelten holländischen Lastenrad aus.

Leipzig - André Täumer (42) machte einen echten Sinneswandel durch. Denn er besaß nach 20 Jahren Akkordarbeit als Metzger (!) die Kraft, sich vom Fleisch zu trennen. Heute kreiert er raffinierte Rohkost und fährt sie mit dem Veggi-Rad aus. Auch zum Welt-Vegetariertag am 1. Oktober.

Früher brutzelte Hobbykoch André Täumer leidenschaftlich gerne Braten. Es war quasi seine zweite Schicht. In der ersten zerlegte der gelernte Metzger Schweine und Rinder.

Daheim aß er dann Fleisch. Das übliche Fast-Food war nicht sein Ding. Seine Gerichte richtete er durchdacht und kreativ meist mehrere Stunden an und ließ sie sich in geselligen Runden schmecken.

Doch die Lebensmittelskandale in den letzten Jahren ließen ihn sensibler werden. Er hinterfragte, was er da eigentlich täglich macht und vor allem, was er da isst.

Und da es leichter ist, seinen Speiseplan zu ändern, als den Job zu wechseln, stellte André als erstes auf vegetarische Ernährung um. „Das war schon ein gutes Gefühl“, erinnert er sich. Mit einem schlechten ging er dagegen weiter täglich zur Arbeit.

Im Leipziger Westen haben die Veganer das „Vegele“ eröffnet. Hier stehen auch Salate, Smoothies und Suppen auf der Karte.
Im Leipziger Westen haben die Veganer das „Vegele“ eröffnet. Hier stehen auch Salate, Smoothies und Suppen auf der Karte.

„Über 20 Jahre wurde ich immer abgestumpfter. Dass ich hier einst lebende Tiere vor mir hatte und sie zerlegte, nahm ich gar nicht mehr bewusst wahr“, beschreibt er seinen damaligen Gemütszustand.

Der Zwiespalt vergrößerte sich. André wurde Veganer. Er hielt seinen unappetitlichen Job in einer eiskalten Fabrikhalle nicht mehr aus und gab ihn schließlich auf.

Heute versucht er, Pflanzenkost populärer zu machen. Eine Verbündete fand er dabei in Anna-Sophie Göhlsch (26). Sie mag Tiere, vor allem ihren Hund Turbo, den sie von einem spanischen Tierschutzverein übernahm.

„Tiere zu essen, käme für mich niemals infrage“, betont die ehemalige Grafikdesignerin.

André Täumer (42) hat inzwischen seinen inneren Frieden gefunden. Statt blutiger Schweinehälften zerteilt er jetzt knackiges Gemüse.
André Täumer (42) hat inzwischen seinen inneren Frieden gefunden. Statt blutiger Schweinehälften zerteilt er jetzt knackiges Gemüse.

Anna-Sophie und André entwickelten die Idee von einer veganen Rohkostbar, die sie im Frühjahr im Leipziger Westen eröffneten.

Hier kreieren sie nun gemeinsam saisonale Smoothies, Hauptgerichte, Suppen, Salate und Desserts. André hat seinen inneren Frieden wiedergefunden. „Wenn ich heute frisches, meist kontrolliert biologisches Gemüse schnipple, hat das schon etwas Meditatives“, erzählt er.

Die Atmosphäre im „Vegele“ ist entspannt, die Einrichtung geschmackvoll, warm und modern. Natürlich schauen auch mal neugierige Fleischesser vorbei und kosten.

„Manche weisen uns diskret darauf hin, dass die Suppe ja kalt ist“, machte André die Erfahrung. Aber er möchte nicht nur zum Nachdenken anregen, sondern auch versuchen, die Geschmackssinne für die kalte Küche zu sensibilisieren.

Was bedeutet "vegan"?

Tierische Produkte sucht man im "Vegele" vergebens. Veganer verzichten nicht nur auf Fleisch, sondern auch auf Eier oder Milchprodukte.
Tierische Produkte sucht man im "Vegele" vergebens. Veganer verzichten nicht nur auf Fleisch, sondern auch auf Eier oder Milchprodukte.

Veganer verbannen konsequent tierische Produkte aus ihrem Speiseplan.

Fleisch, Fisch, Eier, Milchprodukte und Honig - das kommt ihnen alles nicht mehr auf den Teller und aufs Brot. Auch in anderen Lebensbereichen machen sie einen Bogen um tierische Produkte. Für Taschen aus Leder, Mäntel aus Pelz oder Pullover aus Wolle können sich Veganer in der Regel kaum begeistern.

Veganer konsumieren ebenso bewusst Kosmetik und Körperpflegemittel. Sie lehnen Cremes auf Basis tierischer Fette oder Tierversuche zur Erprobung von Kosmetika strikt ab. Veganer üben Verzicht aus Überzeugung.

Sie wollen damit einen persönlichen Beitrag zum Umwelt-, Natur- und Tierschutz leisten. Immer mehr Menschen auf der ganzen Erde entscheiden sich für den veganen Lebensstil.

Hollywood-Stars wie Natalie Portman, Anne Hathaway oder Mike Tyson dienen vielen dabei als Vorbilder. Deutsche TV-Stars wie Christoph Maria Herbst machen da keine Ausnahme.

Gefüllte Paprika mit Blumenkohl

1/4 Blumenkohl
1 Paprika
2-3 Tomaten
60 g Sonnenblumenkerne
4 Champignons (alternativ auch Zucchini)
frischer Basilikum
Himalayasalz und Pfeffer

Blumenkohl als Reisalternative feinraspeln und mit Salz und Pfeffer abschmecken. Die Paprika in zwei Hälften teilen. Für die Füllung kommen Tomaten, frischer Basilikum, Sonnenblumenkerne, zwei Champis, Salz und Pfeffer in den Mixer.

Die restlichen zwei Champis kleinwürfeln und in die vorbereitete Tomaten-Marinara geben. Nun können die Paprikas gefüllt werden.

Zur Deko passen Blüten, getrocknete Tomaten oder ein Pesto aus Petersilie, Knoblauch, Öl und Gewürzen hervorragend.

Schmecken lassen!

Fotos: Picture Point/Kerstin Kummer


WhatsApp Wir bei WhatsApp: 0160 - 24 24 24 0