Drogenboss El Chapo sitzt lebenslang im Knast: Droht nun ein brutaler Bürgerkrieg?

Mexiko - Seine Zeit als Drogenboss ist vorüber, nun könnte auch der Rest von El Chapos kriminellem Imperium bald Geschichte sein. In Mexiko bahnt sich die Entstehung eines neuen hyper-gewalttätigen Konkurrenz-Kartells an.

El Chapo sitzt im Knast, doch der Drogenhandel in Mexiko geht weiter.
El Chapo sitzt im Knast, doch der Drogenhandel in Mexiko geht weiter.  © Eduardo Verdugo/AP/dpa

Der mexikanische Drogenboss Joaquín Guzmán (62), bekannt unter dem Pseudonym "El Chapo", galt als einer der brutalsten und gefürchtetsten des Landes.

Im Juli 2019 wurde der ehemalige Chef des Sinaloa-Kartells in einem vielbeachteten Prozess zu einer lebenslangen Gefängnisstrafe in einem Hochsicherheits-Knast verurteilt (TAG24 berichtete).

Spätestens damit ist es noch wahrscheinlicher geworden, dass sein Drogen-Imperium nun in einem brutalen Bürgerkrieg gegen ein noch blutrünstigeres Kartell aufgerieben wird, wie Mexiko-Beobachter attestieren.

Die neue Gruppe wird von Nemesio "El Mencho" Oseguera Cervantes, einem ehemaligen Verbündeten von El Chapo, geführt und ist in mindestens 22 Bundesstaaten in ganz Mexiko aktiv.

Das Kartell hat im Wesentlichen bereits die Kontrolle über den Bundesstaat Jalisco übernommen, wie "Daily Star" unter Bezugnahme auf verschiedene Experten berichtet.

Aber auch andere rivalisierende Banden könnten sich innerhalb des Sinaloa-Kartells einen grausamen internen Machtkampf liefern und somit versuchen, mehr Kontrolle über das Territorium im Nordwesten Mexikos zu erlangen.

Zersplittert Sinaloa durch einen Bürgerkrieg? Feindliche Banden und Kartelle kämpfen um die Macht

Mit dem Handel von Kokain, Heroin und Marihuana verdiente sich Drogenboss El Chapo ein Milliarden-Vermögen.
Mit dem Handel von Kokain, Heroin und Marihuana verdiente sich Drogenboss El Chapo ein Milliarden-Vermögen.  © Anton Ostapenko/123RF

Gladys McCormick, Professor an der Syracuse University und Experte für politische Gewalt in Mexiko, berichtet von mindestens einem weiteren internen Konkurrenz-Kartell: "In Sinaloa gibt es heute eine weitere aufstrebende Bande. Sie heißen "La Gente Nueva" ("Die neuen Leute") und sind eine der Zellen, die in Bezug auf ihre Führungsstrukturen wirklich Fortschritte machen."

Probleme könnte auch El Chapos Ex-Partner Ismael El Mayo Zambada bereiten. Der 71-jährige Drogenhändler gilt zwar als angeschlagen, ist aber eines der letzten verbliebenen Mitglieder des ursprünglichen Sinaloa-Clans, das sich jahrelang den Behörden und konkurrierenden Banden erfolgreich entziehen konnte.

Doch während die kleineren Strukturen erst einmal nur beobachtet werden, reagieren die USA bereits auf das mächtiger werdende Jalisco-Kartell. 10 Millionen Dollar wollen die US-Behörden für Informationen zahlen, die zur Festnahme von El Mencho führen.

Dass der neue Boss am Drogenhimmel durchaus eine ernstzunehmende Gefahr darstellt, erklärt McCormick wie folgt: "Seine Kumpels haben sich in brutalen Gewaltdemonstrationen gegen Mitglieder der mexikanischen Öffentlichkeit, Soldaten und Polizisten gerichtet."

Gerät das vom Drogenkrieg gebeutelte mittelamerikanische Land damit vom Regen in die Traufe? Vieles deutet auf blutige Machtkämpfe und einen aggressiven Bürgerkrieg hin, ist sich McCormick sicher.

In dieser Skizze des Gerichtssaals erfährt El Chapo sein Urteil über eine Dolmetscherin während der Verkündung seines Strafmaßes.
In dieser Skizze des Gerichtssaals erfährt El Chapo sein Urteil über eine Dolmetscherin während der Verkündung seines Strafmaßes.  © Elizabeth Williams/FR142054 AP/dpa

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