"Irgendwie giftig": Michael "Bully" Herbig hat ein DDR-Trauma

Berlin - Michael "Bully" Herbig (50) ist ein "Wessi" durch und durch. Geboren in München, hatte der heutige Filmemacher so gut wie keinen Kontakt zur DDR. In der Schule nie ein Thema und auch daheim, mit seiner alleinerziehenden Mutter, sprach er kein Wörtchen über den sozialistischen Staat. Umso heftiger sollte daher eine Klassenfahrt nach Ost-Berlin für ihn werden.

Fühlte sich in der DDR nicht sonderlich wohl: Michael "Bully" Herbig. (Bildmontage)
Fühlte sich in der DDR nicht sonderlich wohl: Michael "Bully" Herbig. (Bildmontage)  © DPA (Bildmontage)

Mit dem Bus ging es auf eine mehrstündige Fahrt Richtung Ost-Berlin. Für Bully begann bereits dort die Tortur.

"Als wir von der bayrischen Autobahn auf die DDR - naja, nennen wir es auch Autobahn - kamen, wurde es holprig und nach einer Weile roch es auch ganz furchtbar. Irgendwie giftig", erzählt der Regisseur im Interview mit der Berliner Zeitung.

Aber wäre es nur die Autobahn gewesen, hätte es Bully noch aushalten können. Doch die DDR hielt noch mehr Überraschungen für den 50-Jährigen bereit.

"Ich fand die Autos auch nicht so schick. Und als wir dann diesen Ausflug nach Ost-Berlin machten, mussten wir am Übergang in solche Kabinen und dort unsere Ausweise vorzeigen". Ein unbehagliches Gefühl für den Münchner, der sich als Teenager unter den starrenden Grenzbeamten nicht sonderlich gut fühlte.

"Ich dachte sofort: Was habe ich falsch gemacht? [...] Ich konnte da im wahrsten Sinne des Wortes nicht atmen."

An dieses beklemmende Gefühl versuchte Bully auch während der Dreharbeiten zu "Ballon" zu denken. "Denn dieses Gefühl, vermutlich noch viel schlimmer, hatten auch die beiden Familien".

Herbig erzählt in seinem neuen Kinofilm "Ballon" (Kinostart am 27. September) die Geschichte zweier Familien, die mit einem Heißluftballon aus der DDR geflüchtet sind.

Titelfoto: DPA (Bildmontage)

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