Mutmaßlicher Bankräuber (70) sagt vor Gericht aus

Hamburg - Der mutmaßliche Serienbankräuber Michael Jauernik, der bei einem Überfall einen Angestellten angeschossen haben soll, will am Montag vor dem Hamburger Landgericht aussagen.

Polizisten sichern den Eingang einem Banküberfall im Januar 2017 in Altona.
Polizisten sichern den Eingang einem Banküberfall im Januar 2017 in Altona.  © dpa/Daniel Bockwoldt

Das hatte der 70-Jährige am Freitag beim Prozessauftakt angekündigt.

Angeklagt sind drei Überfälle auf Hamburger Filialen seit 2011.

Die Polizei nahm den in Kiel wohnenden Mann im Januar dieses Jahres nach einem erneuten Überfall noch am Tatort fest. Er versuchte per Fahrrad zu flüchten.

2017 habe der Angeklagte bei einem Überfall auf einen Bankangestellten geschossen, der sich völlig passiv verhalten habe, hatte Oberstaatsanwalt Lars Mahnke bei Verlesung der Anklage gesagt.

Der 45 Jahre alte Mitarbeiter wurde am Bauch getroffen und notoperiert.

Der Angeklagte muss sich wegen schwerer räuberischer Erpressung und versuchten Mordes aus Habgier verantworten.

Angeklagter zog vor Gericht Show ab

Eine Überwachungskamera nahm den Bankräuber auf. Ist es Michael Jauernik?
Eine Überwachungskamera nahm den Bankräuber auf. Ist es Michael Jauernik?  © Polizei Hamburg

Bei Prozessbeginn erregte Michael Jauernik mit seinem Auftritt Aufsehen: Er trug einen dunklen Anzug, eine schwarze Sonnenbrille und eine goldfarbene Uhr, ließ sich bereitwillig fotografieren und zeigte den Journalisten alte Fotos.

Außerdem stimmte er zu, dass sein voller Name in Berichten genannt wird.

Im Prozess redete er viel und schnell - und unterbrach die anderen Prozessbeteiligten ständig.

In den 1980er Jahren wurde Jauernik schon einmal wegen sieben Banküberfällen verurteilt. 1990 zettelte er eine Häftlingsrevolte im berüchtigten Hamburger Gefängnis "Santa Fu" an.

Gemeinsam mit Mitgefangenen stieg er aufs Dach der Gefängniskirche und forderte bessere Haftbedingungen.

Der Angeklagte, der nach seiner Haftentlassung 1996 als Nachtportier arbeitete, will sich selbst verteidigen. Seine Anwälte sollen ihn lediglich unterstützen.

Update, 15.24 Uhr

Der Angeklagte hat sich am Montag geständig gezeigt. "Mir geht es darum, dass hier die reine Wahrheit auf den Tisch kommt", beteuerte der 70-Jährige zu Beginn seiner Erklärungen.

Sein Verteidiger Gerhard Strate kündigte an, sein Mandant werde den Vorwürfen der Anklage grundsätzlich nicht widersprechen.

Der 70-Jährige schilderte seine Geldnot vor dem Überfall auf eine Filiale im Stadtteil St. Georg am 10. Januar 2019. Trotz seiner bescheidenen Lebensweise habe seine Grundsicherung nicht gereicht, um Steuern und Versicherung für seinen BMW zu bezahlen.

Er bestätigte ausdrücklich, dass er die Angestellten mit einer scharfen Pistole bedrohte. Direkt nach dem Überfall hatten ihn Polizisten festnehmen können.

Der 70-jährige mutmaßliche Serienbankräuber (rechts), wartet neben seinen Anwälten auf den Beginn der Verhandlung.
Der 70-jährige mutmaßliche Serienbankräuber (rechts), wartet neben seinen Anwälten auf den Beginn der Verhandlung.  © DPA

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