Milliardenpleite P&R: Geht es den Wirtschaftsprüfern jetzt an den Kragen?

München - Nach der Milliardenpleite der Containerinvestment-Gruppe P&R hat die Rechtsanwältin Daniela Bergdolt den Bilanzprüfer verklagt.

Bilanzprüfer nehmen auch die Anlagen, Maschinen und Vorräte von Unternehmen unter die Lupe. Manchmal gibt's Probleme.
Bilanzprüfer nehmen auch die Anlagen, Maschinen und Vorräte von Unternehmen unter die Lupe. Manchmal gibt's Probleme.  © DPA

"Er hat nicht genau genug gearbeitet", sagt Bergdolt in München. "Ich denke, dass Geld zu holen ist." Doch Wirtschaftsprüfer Werner Wagner-Gruber wehrt sich: Er habe die Richtigkeit aller Bilanzen nur eingeschränkt bescheinigt und pflichtgemäß gehandelt. "Wir sind nicht die Kriminalpolizei."

Kritik an den "Hakelmachern" kommt bei spektakulären Firmenkrisen immer auf. Aber nur selten kommt es dazu, dass sie Schadenersatz zahlen müssen.

Das Gebiet eignet sich nicht für schnelle Urteile. Die Karstadt- und Quelle-Konzernmutter Arcandor ging vor neun Jahren schon Pleite. Der Insolvenzverwalter fordert von den Prüfern des Branchenriesen KPMG Schadenersatz, weil sie Arcandor für sanierungsfähig erklärt hätten - bislang erfolglos. Inzwischen brütet der Bundesgerichtshof über dem Fall. Nach der Pleite der Drogeriekette Schlecker 2012 wurden zwei Prüfer von EY angeklagt. Aber sie handelten laut Gericht in einem Graubereich - der Prozess wurde eingestellt, kein Schadenersatz bezahlt.

Hoffnung macht den 54.000 Anlegern von P&R der größte Betrugsskandal der Nachkriegsgeschichte: Flowtex. Die Firma hatte Geschäfte mit nicht existierenden Bohrsystemen vorgetäuscht, Gläubiger verloren zwei Milliarden Euro. KPMG zahlte ihnen 2001 per Vergleich 100 Millionen Mark Schadenersatz - freiwillig. Dass Banken darunter waren, die für KPMG als Prüfer, Steuer- und Unternehmensberater Kunden waren, mag dabei eine Rolle gespielt haben.

Bei P&R gab es keine institutionellen Investoren. Allerdings betrieb die Firma möglicherweise ebenfalls ein Schneeballsystem, wie Flowtex. Insolvenzverwalter Michael Jaffé stellte fest, P&R habe von Anlegern 3,5 Milliarden Euro kassiert und dafür angeblich 1,6 Millionen Container gekauft. Aber er fand nur 618.000 Container. Wurde das Geld neuer Kunden gar nicht investiert, sondern für Ausschüttungen an andere Kunden verwendet? Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Betrugsverdacht.

Im Insolvenzverfahren könnten die Anleger nach früheren Erfahrungen vielleicht ein Drittel, ein Viertel ihres Geldes zurückzubekommen, in ein paar Jahren. Bergdolt will neben den Firmenchefs auch den Wirtschaftsprüfer zur Haftung ziehen. "Wenn Mietverträge nicht vorgelegt werden, wenn relevante Fakten fehlen, wenn man nicht prüfen kann, dann darf man auch nicht testieren", sagt sie. Mit seinem Prüfsiegel habe P&R neue Kunden geworben. Er könne nicht alle Schäden ersetzen. "Aber er haftet persönlich, ist nicht insolvent und hat eine Berufs-Haftpflichtversicherung."

Dass Anwälte geschädigte Anleger als Mandaten werben und klagen, sehe er gelassen, sagt Wagner-Gruber. Seine Einwände habe er zu jeder Bilanz dazugeschrieben. "Eine Jahresabschlussprüfung ist nicht darauf ausgerichtet, strafrechtlich relevante Tatbestände aufzudecken."

So ähnlich hat das auch das Landgericht Berlin im Prozess gegen den Flowtex-Prüfer festgehalten: Eine Bilanzprüfung sei keine kriminalistische Prüfung. Das Gericht ist für alle berufrechtlichen Verfahren gegen Wirtschaftsprüfer in Deutschland zuständig. Das Flowtex-Verfahren wurde eingestellt.

Titelfoto: DPA


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