"Dass ich das machen muss, hat mich fertig gemacht": Melina Sophie spricht Klartext

In Tränen aufgelöst fuhr Melina Sophie manchmal mehrmals am Tag durch die Gegend.
In Tränen aufgelöst fuhr Melina Sophie manchmal mehrmals am Tag durch die Gegend.

Minden/Island - Melina Sophie leidet wie fast fünf Millionen andere Menschen in Deutschland an Depressionen (TAG24 berichtete). Vor über zwei Monaten ging sie den mutigen Schritt, ihre Erkrankung öffentlich zu machen.

Genau wie mit ihrem Coming Out oder ihrer Magersucht-Beichte geht sie auch mit ihrer psychischen Krankheit mittlerweile offen um, wie sie erst jetzt wieder bewies. "Ich möchte mit diesem Video keine Aufmerksamkeit haben", sagt sie. "Es dient zur reinen Information. Weil ich hätte mir gewünscht, dass ich so etwas gehabt hätte vor ein paar Monaten."

Damals fing es an, dass sich die 22-Jährige "durchgehend traurig" fühlte. Glücksgefühle seien einfach weg gewesen. "Ich hatte keine Lust auf gar nichts." Sie wurde leicht reizbar. Weder traf sie sich in dieser Zeit mit Freunden noch suchte sie den Kontakt zur Außenwelt. Stattdessen vergrub sie sich zu Hause und verbrachte die Tage auf der Couch.

Irgendwann wirkte sich das auch auf YouTube, ihr Privatleben, ihren Haushalt, ihren Körper und sogar ihre Tiere aus. "Ich habe dann keine Hoffnung mehr gesehen. Ich dachte, alles was ich mache, ist einfach sinnlos."

Selbst das Duschen, Kämmen, Fönen oder Glätten der Haare wurden für sie zur Tortur. "Das waren Aufgaben, die ich nicht bewältigen konnte. Dieser Gedanke daran, dass ich das machen muss, hat mich fertig gemacht."

Die Furcht davor steigerte sich so sehr, dass die YouTuberin plötzliche Gefühlsausbrüche bekam. Um Tränen herauszubekommen, setzte sie sich am Ende mehrmals am Tag ins Auto, fuhr durch die Gegend und hörte dabei traurige Musik. "Ich musste es rauslassen, sonst wäre ich explodiert."

Heute kann Melina Sophie endlich wieder lachen. Sie hat den Depressionen den Kampf angesagt.
Heute kann Melina Sophie endlich wieder lachen. Sie hat den Depressionen den Kampf angesagt.

Zu diesem Zeitpunkt merkte sie, dass mit ihr irgendwas nicht stimmen konnte. Trotzdem redete sie mit niemandem darüber, um niemandem zur Last zu fallen. Erst eine Freundin bemerkte, dass die 22-Jährige an Depressionen leiden könnte. Deshalb ging sie tatsächlich zu einem Therapeuten.

Doch die Sachen, die sie dort lernte, konnte sie nicht umsetzen. "Ich hatte die Kraft einfach nicht, irgendetwas zu ändern." Bei der dritten Sitzung wurde ein Depressions-Test gemacht. Dabei wurde sie mit der Erkrankung diagnostiziert. Weil ihr alles immer schwerer fiel, bekam sie Medikamente verschrieben.

Trotzdem: Irgendwann entschied sie sich dazu, den Kampf gegen die Depressionen ohne Medikamente anzutreten. Vor allem die Nebenwirkungen, die auf der Packung standen, schreckten sie ab. Deshalb entschloss sie sich Anfang Oktober dazu, sich gesund zu ernähren, Sport zu treiben, die Therapie durchzuziehen und sich wieder mehr mit Freunden zu beschäftigen.

"Ich werde mir meine Scheiß-Happiness zurückholen", sagt sie mit Tränen in den Augen. Mit einem neuen Ernährungs- und Fitness-Plan gelang es ihr schließlich tatsächlich, wieder mehr Spaß am Leben zu haben. "Da hat es klick gemacht und ich habe die Kurve gekriegt."

Gefühlsausbrüche waren damit nicht vergessen. "Ich habe viel geweint, aber auch viel gelacht. Es gab alles. Es war nicht einfach - aber was ist schon einfach?" Insgesamt sei der Kampf gegen die Krankheit eines der schwersten Dinge, die sie je durchgemacht habe, "aber auch eines der Dinge, die sich am meisten gelohnt haben", sagt sie mittlerweile mit mehr Selbstbewusstsein.

"Ich fühle mich so viel besser." In Tränen aufgelöst mit dem Auto durch die Gegend fahren, macht sie seit anderthalb Monaten nicht mehr. Natürlich sei sie sich darüber bewusst, dass es wieder schlechtere Phasen geben wird. "Aber die Diagnose Depressionen hat mir den Arsch gerettet."

Übrigens leidet die 22-Jährige nicht erst seit ein paar Monaten an Depressionen. Wie bei der Therapie herauskam, hatte sie bereits zweimal in ihrem Leben ähnliche Probleme: Das erste Mal nach ihrem Schulabschluss und das zweite Mal, als sie in Köln lebte.


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