Mit 92! Sachsens älteste Ladenchefin macht Schluss

Verdienter Ruhestand: Annelies Hoppe (92) schloss ihren Laden nun für immer ab.
Verdienter Ruhestand: Annelies Hoppe (92) schloss ihren Laden nun für immer ab.  © Thomas Türpe

Meißen - Sie stand schon als Kind in der Backstube, versorgte später Kriegsgefangene mit Brötchen. Jetzt hängt Sachsens älteste Ladenbetreiberin ihre Schürze an den Nagel, schließt ihren Mini-Markt. Mit 92 Jahren geht Annelies Hoppe aus Koselitz in Rente.

Das Geschäft war ihr Leben! Seit 1928 versorgte ihre Familie die Anwohner von Koselitz (500 Bewohner, bei Riesa). Ihr Vater eröffnete damals eine Bäckerei, wo Annelies schon mithalf. 

Aus dieser Zeit stammen die historische Küchenwaage und Möbel, die noch heute im Laden stehen. "Während des Zweiten Weltkriegs backte ich Brötchen für Kriegsgefangene", erinnert sich Annelies. 1945 floh sie vor den Russen. "Als wir zurückkehrten, war das Geschäft geplündert. Also haben wir wieder klein angefangen."

Das Geschäft war ihr Leben: Seit 1928 blieb Annelies aus Koselitz 
ihrem Laden treu.
Das Geschäft war ihr Leben: Seit 1928 blieb Annelies aus Koselitz ihrem Laden treu.  © Thomas Türpe

1970 starb ihr Vater, sie machte ihren Bäckermeister, übernahm den Laden. Dennoch musste sie ihn zwischenzeitlich schließen.

Nach der Wende eröffnete sie den Familienbetrieb neu - als Tante-Emma-Laden mit Butter, Schuhcreme und Feueranzünder.

Unermüdlich stand sie auch täglich um vier Uhr in aller Früh auf, öffnete 90 Minuten später. Und das, obwohl sie letztlich sogar drauf zahlte: Supermärkte waren billiger, nur noch wenige Kunden aus ihrem Dorf kamen.

Nach einem Sturz im Flur zog sie sich einen Oberschenkelhalsbruch zu, das Laufen fällt ihr schwer. "Ich habe es immer gerne gemacht. Aber jetzt ist Schluss, der Laden bleibt zu", sagt sie. "Und es ist gut so." Klar: Wenn sich jemand den Ruhestand verdient hat, dann Oma Annelies ...

Die Bäckermeisterin versüßte ihren Kunden auch die Weihnachtszeit.
Die Bäckermeisterin versüßte ihren Kunden auch die Weihnachtszeit.  © Thomas Türpe