Mit den richtigen Büchern können Eltern die Liebe zum Lesen wecken

Deutschland – Lesen vermittelt wertvolle Kernkompetenzen. Vor allem für Kinder und Jugendliche bleiben Bücher deshalb ein kostbares Gut. Mit der richtigen Auswahl der Lektüre und gemeinsamen Mußestunden können Eltern die Liebe zum Lesen wecken und ein Leben lang wachhalten. 

Im Zeitalter der digitalen Medien haben Bücher einen schweren Stand. Zu weit verbreitet ist die eher leichte Kost, die im Internet in überschaubaren Häppchen vorportioniert serviert wird. Wir lesen auf dem Smartphone, auf dem Laptop und auf E-Book-Readern. Das Rascheln einer Buchseite gehört nicht mehr unbedingt zu den typischen Hintergrundgeräuschen im Alltag. 

Dabei bleibt Lesen so wertvoll wie eh und je. Wer liest, öffnet seinen Horizont, erweitert seinen Wortschatz und seine Grammatikkenntnisse, und nicht zuletzt fördert Lesen die Fähigkeit, äußere Reize auszublenden und sich auf eine Sache zu konzentrieren. 

Die Freude am Lesen können Eltern ihren Kindern schon früh vermitteln.
Die Freude am Lesen können Eltern ihren Kindern schon früh vermitteln.  © @ BrickRedBard/pixabay

Für Kinder sind diese Kompetenzen besonders wertvoll. Schon lange, bevor sie selbst lesen lernen, können sie eine tiefe Liebe zu Geschichten und zur Sprache entwickeln und damit wichtige Weichen für ihre Zukunft stellen. 

Die Auswahl an Büchern, die schon für die Allerkleinsten in den Buchhandlungen zu finden sind, ist überwältigend. Das erste Fühl- und Tastbuch mit Knistereffekt und einer riesigen Portion Entdeckerfreude können wir Kindern schon in den ersten Lebensmonaten schenken.

Damit wird die Liebe zum Lesen im wahrsten Sinne des Wortes in die Wiege gelegt.

Bücher für Kinder sind meist mit einer Altersempfehlung versehen, die von Verlagen und Buchhändlern eigenverantwortlich vergeben werden kann. 

Pädagogen und Literaturexperten raten allerdings davon ab, sich nur auf den Aufdruck auf dem Buch verlassen und stattdessen die Entwicklung und das Interesse des Kindes in den Fokus zu rücken: „Hauptsächlich ist es wichtig, sich zu fragen, wie weit Ihr Kind für das Alter ist“, erklärt Nadine Scheiner von moms.de. „Denn oftmals kommt es nicht auf das Alter an, sondern auf die Reife und die Interessen. 

Somit kann ein Achtjähriger immer noch lieber Bilderbücher durchstöbern, während eine Sechsjährige am liebsten den ganzen Tag lesen würde. Auch auf das Können sollte man achten, da es wichtig ist, einen passenden Text auszusuchen und nicht eine Lektüre zu nehmen, die viel zu schwer für das Kind ist.“

Gut beraten sind Eltern auf der Suche nach der passenden Lektüre für den Nachwuchs in renommierten Buchhandlungen. Dort gibt es häufig Mitarbeiter, die sich auf Kinder- und Jugendliteratur spezialisiert haben und den Anspruch besitzen, selbst einmal die Nase in jedes Buch zu stecken, bevor sie es weiterempfehlen. Der Schlüssel liegt darin, Themen auszuwählen, die das Kind interessieren und faszinieren. 

Ältere Kinder können sich beim Bummel durch die Buchhandlung oder bei einem Besuch in der Leihbücherei schon selbst den einen oder andere Titel aussuchen, der ihnen interessant erscheint. So wird jedes Buch zu einer spannenden Reise, auf der kleine Leseratten es kaum erwarten können, dass die Seite umgeblättert wird. 

Ein gutes Kinderbuch regt die Fantasie an, erschafft eine wunderschöne Welt, in die das Kind gerne eintauchen möchte und wird zu einem guten Freund, den man immer wieder und wieder besuchen möchte. Und genau das sollten Eltern mit viel Geduld und Freude tun. 

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Lesen zum festen Bestandteil des Alltags machen

Sobald der Mensch lesen kann, nimmt er bewusst oder unbewusst eine Fülle von Texten wahr, die ihn durch den Alltag begleiten. Die Schrift auf der Milchtüte, Werbeplakate, die Programmhinweise in der Fernsehzeitung, die tägliche Post, all diese ganz alltäglichen Dinge sind mit Schrift versehen, die Informationen transportiert. 

Für Kinder, die das Lesen gerade lernen, tut sich damit eine neue Welt auf, zu der sie durch ihre neue Kompetenz auf einmal Zugang haben. Ein riesiger Schritt hin zur Teilhabe an der Welt der Erwachsenen und zu einem selbstbestimmten Leben.

Lesen ist der Schlüssel zu Bildung und Entwicklung und nicht zuletzt zu vielen spannenden Themen und Geschichten, die nicht nur Wissen vermitteln, sondern auch persönlich bereichern und viel Spaß machen können.

Kinder finden die neue Fähigkeit Lesen zunächst einmal ebenso faszinierend und erstrebenswert wie alles Neue, zu dem ihnen Zugang gewährt wird. Und doch gibt es schon früh gravierende Unterschiede im Zugang zum Lesen.

Es fängt schon im frühesten Kleinkindalter an. Manche Kinder hängen gebannt an den Lippen ihrer Eltern, wenn diese ihnen eine Geschichte vorlesen, während Andere schon nach wenigen Worten vom Schoß hüpfen und sich anderen Dingen zuwenden. Auch später, wenn mit dem Schuleintritt das eigenständige Lesen erlernt wird, gibt es Bücherratten ebenso wie Lesemuffel, und natürlich eine große Bandbreite an Lesefreude dazwischen. 

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Das Maß an Interesse, das dem Lesen entgegengebracht wird, bestimmt zu großen Teilen das direkte Umfeld, insbesondere die Eltern. Was sie ihren Kindern vorleben, legt den Grundstein dafür, wie stark die Liebe zum Lesen sich entwickeln darf. 

Bücher und ihr Inhalt werden für Kinder nämlich nicht erst mit dem Schulstart und dem Lesenlernen interessant. Eltern können schon viel früher dafür sorgen, dass die Kleinen gerne zum Buch greifen und es als spannendes Unterhaltungsmedium, später sogar als Informationsmedium erleben, und zwar durch Vorlesen und durch gemeinsames Entdecken.

Doch gerade in diesem Bereich stellen Experten gravierende Defizite fest: „Es ist ein Teufelskreis“, erklärt die Stiftung Lesen im Rahmen ihrer Kampagne ES FÄNGT MIT LESEN AN. „Ein Drittel der Eltern liest ihren Kindern zu selten vor. Jeder fünfte Junge und jedes siebte Mädchen hat mit 15 Jahren Probleme beim Lesen und Schreiben. Und mehr als sieben Millionen Erwachsene sind funktionale Analphabeten, viele von ihnen auch Eltern.“

Um diesen Kreis zu durchbrechen und den Kindern eine große Portion Lesefreude mit auf den Weg zu geben, hilft nur eines: Ran ans Buch, und das von Anfang an. 

Gemeinsame Lesestunden sind wichtig

Wer sein Kind von Büchern begeistern möchte, muss ihm vorleben, dass Lesen etwas Schönes ist. Das geht am besten schon früh über gemeinsame Lesestunden. In gemütlicher Atmosphäre können Eltern und Kinder ein paar ruhige gemeinsame Minuten genießen und sich dabei von beliebten Figuren und ihren Geschichten begleiten lassen.

Kleine Leserituale integrieren Bücher fest im Alltag. Die abendliche Gute-Nacht-Geschichte gehört zu diesen Ritualen. Eltern sollten sich die Zeit dafür auch an stressigen Tagen nehmen und so eine kostbare Oase schaffen, in der alle zur Ruhe kommen können. Besonders schön wird es für die Kleinen, wenn Mama und Papa mit Hingabe lesen, vielleicht mit verstellter Stimme, mit ein paar wohl gewählten Pausen und natürlich mit dem perfekten Cliffhanger.

Wenn die Geschichte an einer besonders spannenden Stelle abbricht, können kleine Zuhörer es meist gar nicht erwarten, bis es am nächsten Tag weitergeht.

Auch zwischendurch sollte im Alltag immer wieder etwas Raum zum Vorlesen geschaffen werden. Schon kurze Auszeiten mit einem Buch können für die ganze Familie wertvoll sein. Schon kleine Kinder erweitern so ihren Horizont, tun sich meist leichter mit dem Spracherwerb und werden nicht zuletzt durch die gemeinsame Vorlesezeit auch emotional und sozial gestärkt. 

Viele gute Gründe also, um wieder öfter zu einem Buch zu greifen. Übrigens nicht nur den Kindern zuliebe. 

Titelfoto: @ BrickRedBard (CCO-Lizenz) / pixabay.com


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