Zwei Gemeinden zeigen, wie Integration klappen kann!

Eine Familie in Deutschland auf der Suche nach Frieden: Täglich kommen rund 150 Asylsuchende nach Sachsen.
Eine Familie in Deutschland auf der Suche nach Frieden: Täglich kommen rund 150 Asylsuchende nach Sachsen.

Von Daniela Möckel

Mittweida/Annaberg-Buchholz - Rund 45000 Asylsuchende leben laut Sächsischer Staatskanzlei aktuell im Freistaat. Monatlich kommen rund 3000 weitere hinzu.

Durch die Unterbringung in Turnhallen, leeren Wohnkomplexen oder in der direkten Nachbarschaft ist jeder Sachse von den Veränderungen betroffen.

Integration heißt das - wenn auch mancherorts umstrittene - Zauberwort. MOPO24 erklärt zwei Projekte, die zeigen, wie sie funktionieren kann.

Hochschule belohnt studentische Helfer von Asyl-Turnhalle

Studentenrats-Chef Gordon Oswald (20) hat gut zu tun, koordiniert die Verteilung von Kleiderspenden an Flüchtlinge.
Studentenrats-Chef Gordon Oswald (20) hat gut zu tun, koordiniert die Verteilung von Kleiderspenden an Flüchtlinge.

Mittweida - Sachsen kann auch anders! Die Hochschule Mittweida zeigt, wie ausgezeichnete Flüchtlingsarbeit funktionieren kann und belohnt die Helfer zukünftig auf besondere Weise.

Rund 120 Flüchtlinge leben in der ehemaligen Hochschulturnhalle Mittweida. Seit dem Einzug vor einem halben Jahr kommt vor allem von studentischer Seite große Unterstützung. „Im Modul ,Studium Generale‘ kann das Engagement unserer Studis auf die Hochschulausbildung angerechnet werden“, erklärt Gordon Oswald (20), Geschäftsführer des Studentenrats.

„Zunächst wird es Vorträge zu den Themen Asylrecht, Sozialkompetenz und Traumapsychologie geben, bevor dann praktisch gearbeitet wird.“ Auf Empfehlung des Freistaats seien im vergangenen Jahr je 40 Euro an die Helfer gezahlt worden. Mit der neuen Lösung wolle man den Studenten noch weiter entgegen kommen.

„Die Idee wurde vom Rektorat sofort befürwortet. Nach drei Tagen war das Modul bereits voll belegt.“ 80 Prozent der Studiengänge können teilnehmen, darunter Maschinenbau und Medienmanagement.

Urban Gardening: Lehrer plant Multikulti-Beete

Der Annaberger Stefan Bolanz (37) will ein „Urban Gardening“- Projekt in der Bergstadt umsetzen
Der Annaberger Stefan Bolanz (37) will ein „Urban Gardening“- Projekt in der Bergstadt umsetzen

Annaberg-Buchholz - Gute Idee mit positiven Nebeneffekten: Der Annaberger Stefan Bolanz (37) will die Bergstadt begrünen - und dabei Flüchtlinge integrieren. Die Stadt prüft das Vorhaben in einem Arbeitskreis.

In Großstädten ist „Urban Gardening“ an der Tagesordnung. Mit Bolanz’ Idee soll die gärtnerische Nutzung städtischer Flächen nun auch ins Erzgebirge einziehen. Vom eigenen Garten inspiriert, stellte der Familienvater seine Idee ins Internet, fand sofort Anhänger.

„Ich habe eine Permakultur, einen ökologischen Kreislauf, der sich selbst reguliert. Das Konzept hat das Potenzial, den Welthunger zu beenden. Warum also nicht auch hier?“ Und damit nicht genug: Auch die Integration von Flüchtlingen kann sich der ehrenamtliche Deutschlehrer vorstellen. Die Stadt müsse die Idee jedoch erst diskutieren, erklärt Sprecher Matthias Förster (59). „Ende März wird es den Arbeitskreis ,Ökologie‘ geben. Wir müssen prüfen, wie sich die Idee umsetzten lässt.“

Die Zeichen stünden aber auf Grün: „Oberbürgermeister Schmidt denkt sehr ökologisch.“ Ob Annaberg bald mit Unterstützung der Flüchtlinge in grünem Glanz erstrahlen wird, bleibt nun abzuwarten.

Fotos: Sven Gleisberg; Uwe Meinhold; dpa


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