Mord im Ferienhaus: Musste die Frau sterben, weil sie ihrem Sohn das Erbe strich?

Lübeck/Bad Malente - Vor dem Lübecker Landgericht muss sich von Dienstag an ein 37-jähriger Mann wegen Mordes an seiner Mutter verantworten (TAG24 berichtete).

Ein Polizeiabsperrband ist vor einem Polizeiwagen zu sehen. (Symbolbild)
Ein Polizeiabsperrband ist vor einem Polizeiwagen zu sehen. (Symbolbild)  © DPA

Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, die 63-Jährige im Oktober 2018 in einem Ferienhaus in Bad Malente im Kreis Ostholstein erstickt zu haben.

Als Motiv vermutet sie, dass sich der Sohn von seiner Mutter unterdrückt fühlte und befürchtete, sie könne ihn enterben. Laut Staatsanwaltschaft sitzt der 37-Jährige seit Oktober 2018 in Untersuchungshaft. Er hat bereits gestanden, gegen seine Mutter gewalttätig geworden zu sein.

Der Mann war im Herbst bei der Polizei des Kurorts erschienen und hatte zunächst berichtet, dass er seine in Berlin lebende Mutter leblos in dem Ferienhaus gefunden habe.

Bei den Ermittlungen kamen den Beamten jedoch Zweifel an den Schilderungen, so dass sie den mutmaßlichen Tatort beschlagnahmten und eine Obduktion der Toten anregten. Dabei wurde festgestellt, dass die 63-Jährige eines gewaltsamen Todes gestorben war.

Für den Prozess hat das Landgericht Lübeck bislang sieben Verhandlungstage angesetzt und 18 Zeugen sowie zwei Sachverständige geladen. Das Urteil wird Ende Juni erwartet.

Der Mann muss sich von Dienstag an vor dem Lübecker Landgericht verantworten. (Symbolbild)
Der Mann muss sich von Dienstag an vor dem Lübecker Landgericht verantworten. (Symbolbild)  © DPA

Update, 17.38 Uhr

Der Angeklagte, der seine 63-Jährige Mutter umgebracht haben soll, beschrieb die Frau zum Prozessauftakt als dominant und streitsüchtig. Am Dienstag sagte er vor Gericht: "Sie hat mich immer spüren lassen, dass sie mich für einen Versager hielt."

Egal, wie sehr er sich auch angestrengt habe, er hätte ihren Ansprüchen nie genügen können, sagte der 37-Jährige. Das habe ihn in den Cannabiskonsum und zum Alkohol getrieben.

Im Oktober 2018 hatten Mutter und Sohn, die eigentlich in Berlin lebten, mehrere Wochen im Ferienhaus der 63-Jährigen in Bad Malente verbracht. "Das war die Idee meiner Mutter. Sie wollte, dass ich vom Kiffen loskomme", sagte der Angeklagte vor Gericht.

Am Tag der geplanten Heimreise habe sich der Sohn wie so oft von seiner Mutter genervt gefühlt, heißt es in der Anklage. Als seine Mutter ihn per Textnachricht aufgefordert habe, hinunter ins Wohnzimmer zu kommen, habe er zurückgeschrieben: "Ich werde dir mal eine Massage geben, die dich so richtig entspannt."

Als ihm seine Mutter wenig später im Wohnzimmer den Rücken zuwandte, nahm er sie den Ermittlungen zufolge in den Schwitzkasten, brachte sie zu Boden und warf sich mit seinem Körper auf sie, um sie zu ersticken.

Erst vier Tage habe er einen Bestatter angerufen und ihn gebeten die Leiche seiner Mutter nach Einbruch der Dunkelheit abzuholen. "Das machte den Bestatter misstrauisch und er verständigte die Polizei", sagte Staatsanwältin Ann-Sophie Portius.

Der Angeklagte äußerte sich am ersten Prozesstag nur zu seinem Lebenslauf. Er sei schon in der Schule ständig gemobbt worden, habe auf dem Gymnasium drei Klassen wiederholen müssen und habe keinen Beruf erlernt, sagte er.

Zum Tatvorwurf selbst wollte er sich zunächst nicht äußern. Seine ehemalige Lebensgefährtin sagte als Zeugin, seine Mutter habe sich ständig in die Beziehung eingemischt.

"Ich hatte den Eindruck, ihr Sohn machte alles, was seine Mutter ihm sagte", erklärte die 37-Jährige. Der Prozess wird am 14. Mai fortgesetzt.

Titelfoto: DPA

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