Eiskalter Genickschuss statt tragischem Unfall: Wird der Fall so endlich gelöst?

Gießen/Ober-Mörlen - Fernsehzuschauer sollen der Polizei dabei helfen, einen mehr als 20 Jahre zurückliegenden und als Unfall getarnten Mord an einem 45-Jährigen aufzuklären.

Mittlerweile wurde bekannt, dass Adem Bozkurt kaltblütig ermordet wurde (Archivbild).
Mittlerweile wurde bekannt, dass Adem Bozkurt kaltblütig ermordet wurde (Archivbild).  © DPA/Polizeipräsidium Mittelhessen

Von dem Auftritt in der ZDF-Sendung "Aktenzeichen XY.. ungelöst" am Mittwoch (25. Juli) erhoffen sich die Ermittler wichtige Hinweise von Zeugen, wie der Sprecher der Gießener Staatsanwaltschaft, Thomas Hauburger, sagte. Die Ermittler gehen davon aus, dass es Mitwisser der Tat gibt. Polizei und Staatsanwaltschaft hatten die überraschende Wende in dem Fall vergangene Woche öffentlich gemacht (TAG24 berichtete).

Zunächst war angenommen worden, dass der 45-jährige Türke Adem Bozkurt im April 1997 bei einem Autounfall in Ober-Mörlen (Wetteraukreis) gestorben war. Erst Ende 2014, Anfang 2015 habe ein Zeuge den Hinweis gegeben, dass der Mann ermordet worden sei.

Danach wurden nach Angaben der Staatsanwaltschaft umfangreiche Ermittlungen gestartet und zwischenzeitlich drei Verdächtige vorläufig festgenommen. Da sich kein dringender Tatverdacht erhärten ließ, kamen sie jedoch wieder frei. Motiv für das Verbrechen könnten Streitigkeiten um das Geschäft mit Toilettenanlagen an Autobahnraststätten gewesen sein.

"Wir setzen alles daran, den Fall aufzuklären", sagte Hauburger. Der Staatsanwalt sprach von "guten Chancen", dies auch zu schaffen. Eine Belohnung von 10.000 Euro für Hinweise, die zu dem oder den Tätern führen, soll Zeugen motivieren, sich zu melden.

Der Fall wird nun auch bei Aktenzeichen XY...ungelöst behandelt (Archivbild).
Der Fall wird nun auch bei Aktenzeichen XY...ungelöst behandelt (Archivbild).  © ZDF/Jens Hartmann

Das Opfer war Anfang April 1997 in Ober-Mörlen in seinem Auto gefunden worden. Die Umstände und die Verletzungen des 45-Jährigen hätten auf einen tödlichen Unfall hingedeutet, teilten die Ermittler mit. Deshalb sei auf eine rechtsmedizinische Untersuchung verzichtet worden.

Nach dem Zeugenhinweis und neuen Analysen gehen die Ermittler heute davon aus, dass der Mann durch einen Schuss ins Genick getötet wurde. Das Einschussloch sei nur wenige Millimeter groß gewesen und habe sich unter Haaren befunden. Es sei unklar, warum das damals von den Beteiligten übersehen worden sei, sagte Hauburger.

Der 45-Jährige hinterließ eine Ehefrau sowie zwei Töchter. Es sei sehr schlimm gewesen zu erfahren, dass ihr Vater offenbar durch ein Verbrechen ums Leben gekommen sei, sagte Tochter Tugba Bozkurt. Die Polizei hätte 1997 vor Ort besser arbeiten können, fügte sie hinzu.

Die 36-Jährige begrüßte den Schritt der Ermittler, den Fall bei "Aktenzeichen XY" vorzustellen. Sie hofft, dass sich dadurch Zeugen melden und die Tat aufgeklärt werden kann. "Damit mein Vater Gerechtigkeit bekommt."

Hinweise zu dem Fall nimmt die Polizei in Friedberg unter der Telefonnummer 06031/601234 und jede andere Polizeidienstelle entgegen.

Titelfoto: DPA/Polizeipräsidium Mittelhessen


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