Getötete Frau an der Autobahn: Verteidiger will Anklage zum Einsturz bringen

Kiel - Am Landgericht Kiel beginnt am Freitag ein spannender Indizienprozess um den Mord an einer 34-jährigen Mutter aus Schackendorf.

Vor dem Landgericht in Kiel wird ab Freitag ein mutmaßlicher Mord verhandelt (Archivbild).
Vor dem Landgericht in Kiel wird ab Freitag ein mutmaßlicher Mord verhandelt (Archivbild).  © dpa/Carsten Rehder

Die Mutter eines Kleinkindes ist halbnackt und grausam zugerichtet, als sie tot auf einem Wirtschaftsweg gefunden wird.

Knapp ein Jahr später sitzt ihr 48 Jahre alter Ehemann von Freitag an auf der Anklagebank des Landgerichts Kiel: Er soll die Krankenschwester und Mutter eines inzwischen vierjährigen Sohnes Anfang November 2017 in Schackendorf bei Bad Segeberg ermordet haben.

Der Mann geriet bereits kurz nach der Tat in Verdacht und sitzt seither in Untersuchungshaft. Doch er bestreitet den Tatvorwurf vehement.

Verteidiger Jonas Hennig kündigt ein "Opening Statement", eine "Gegenrede zur Anklage" an. Er will das Indiziengebäude der Staatsanwaltschaft zum Einsturz bringen und Freispruch erreichen.

Es gebe "etliche Fakten, die dafür sprechen, dass mein Mandant unschuldig ist und mindestens ein anderer Täter in Betracht kommt", sagt der Strafverteidiger der Deutschen Presse-Agentur.

Die Staatsanwaltschaft geht von Mord aus niedrigen Beweggründen aus. Sie stützt sich auf Indizien, direkte Tatnachweise und auch eine der Tatwaffen sollen fehlen.

Kaltblütige Tat?

Die Frau wurde an der Autobahn 21 tot aufgefunden (Symbolbild).
Die Frau wurde an der Autobahn 21 tot aufgefunden (Symbolbild).

Den Ermittlungen zufolge kam es bei einem abendlichen Spaziergang der Familie in Schackendorf zu einem heftigen Streit zwischen dem Ehepaar.

Der 48-Jährige sei dabei derart in Rage geraten, dass er seiner Frau mit einem Pfahl immer wieder heftig ins Gesicht schlug und ihr dann quer in den Hals schnitt.

Die Details ihres Todes sind grausig: Das Opfer starb demnach an einem schweren, offenen Schädel-Hirn-Trauma und erstickte an eingeatmetem Blut.

Stimmen die Annahmen der Staatsanwaltschaft, ging der Angeklagte kaltblütig vor: Er soll das Opfer nach der Tat im Bereich des Unterkörpers entkleidet haben, um ein Sexualdelikt vorzutäuschen, und mit dem Sohn nach Hause gegangen sein.

Anschließend soll er seine Frau bei der Polizei als vermisst gemeldet haben. Sie wurde einen Tag später an einem Wirtschaftsweg in der Nähe der Autobahn 21 gefunden. Das Kind lebt inzwischen in einer Pflegefamilie.

Für den Prozess hat die 8. Große Strafkammer zunächst acht Verhandlungstage anberaumt. 37 Zeugen und zwei Sachverständige sind geladen.

Die Mutter des Opfers ist Nebenklägerin. Bleibt es bei der Planung des Gerichts, könnte das Urteil am 14. Dezember fallen.

Titelfoto: dpa/Carsten Rehder


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