Mord an Sektenführer aus Oerlinghausen weiter ungeklärt

Die Zeitung El País berichtete im August über den Mord an Arno Wollensak.
Die Zeitung El País berichtete im August über den Mord an Arno Wollensak.

Montevideo/Lippe - Im August wurde der deutsche Sektenführer Arno Wollensak (61) aus Oerlinghausen tot mit einer Plastiktüte über dem Kopf und gefesselt an einem Strand in Uruguay aufgefunden.

Die Gerichtsmedizin bestätigt: Der Mann wurde erstickt. Aber wer ist der Täter?

Wie die Neue Westfälische berichtet, wurden kurzzeitig mehrere Männer und Frauen festgenommen. Allerdings fehlen die Beweise. Deshalb sind alle wieder auf freiem Fuß.

Die Polizei des südamerikanischen Landes sucht nun vor allem nach Wollensaks Ehefrau, Julie R.. 

DER FALL WOLLENSAK

In diesem Kotten lebte Wollensak jahrelang mit seiner damaligen Freundin.
In diesem Kotten lebte Wollensak jahrelang mit seiner damaligen Freundin.

Nachdem dem Führer der Sekte "Lichtoase" im April 2007 vorm Landgericht Detmold der Prozess wegen Kindesmissbrauchs gemacht werden sollte, verschwand der Angeklagte mit seiner Frau. 

Ihm wurde vorgeworfen, unter anderem die Schweizerin Lea Saskia Laasner (damals 12) sexuell missbraucht zu haben. 2001 floh Laasers Familie aus der Sekte.

2014 übernahm das Bundeskriminalamt den Fall und fand Wollensak in Uruguay (Südamerika). Das Exil-Anwesen des Paares wurde von Sektenmitgliedern finanziert.

In Montevideo kamen beide vor den Haftrichter. Ihre Pässe hatten sie gefälscht. 

Nach Wollensaks Tod will die Staatsanwaltschaft Detmold den Fall nun nicht weiter verfolgen. "Mit dem Tod ist der Fall erledigt", sagt Oberstaatsanwalt Ralf Vetter gegenüber der Zeitung.

Psychiaterin Adriana Savio, die den Kriminalfall Wollensak analysiert hatte, kam zu dem Schluss, dass der Sektenführer kein Soziopath war: "Wir sprechen hier von einer Persönlichkeitsstörung mit dem starken Hang, Beziehungen zu anderen herzustellen!"

Dazu gehörte auch, dass Mütter ihre Töchter als Sexsklavinnen auslieferten. Savio meint, der Mord an dem 61-Jährigen hätte Symbolcharakter: "Der Körper gefesselt, der Mund mit Klebeband gestopft, all das ist eine Botschaft an Dritte, die Angst verbreiten soll."

WOLLENSAKS VERGANGENHEIT

Bis er Sektenführer wurde, führte Wollensak ein eher unauffälliges Leben. Er wuchs in Oerlinghausen auf, zog später nach Hiddenhausen.

"Mit unterschiedlichen Geschäftsideen und Engagements" hielt er sich laut seinem ehemaligen Vermieter über Wasser. Anfang der 80er Jahre produzierte er beispielsweise Bio-Brötchen, die er an Bäckereien verkaufte.

1983 verließen er und seine damalige Freundin Hiddenhausen. "Ich war erleichtert, weil es immer wieder Ärger mit ihm gab. Ich habe Arno Wollensak als einen Mann erlebt, der viel verspricht, aber nichts hält", erzählt der Vermieter weiter.

Erst später erfuhr er von den Sekten-Machenschaften. Durch das Buch "Allein gegen die Seelenfänger", das Wollensaks Opfer Saskia Laasner 2005 veröffentlichte.

Titelfoto: Screenshot/el pais