Größte Verbrechensserie der Geschichte? Prozess um 98 Morde geht weiter!

Delmenhorst - Wegen des Mordes an 98 Patienten an den Kliniken Oldenburg und Delmenhorst soll sich der verurteilte Ex-Krankenpfleger Niels H. ab Ende Oktober erneut vor Gericht verantworten.

Die Anwältin der Nebenklage, Gaby Lübben (rechts), und die Nebenklägerin Kathrin Lohmann nehmen am Mordprozess gegen den ehemaligen Krankenpfleger Niels H. teil.
Die Anwältin der Nebenklage, Gaby Lübben (rechts), und die Nebenklägerin Kathrin Lohmann nehmen am Mordprozess gegen den ehemaligen Krankenpfleger Niels H. teil.  © DPA

Wegen sechs Taten sitzt er bereits lebenslang in Haft. Auf das Landgericht Oldenburg kommt jetzt ein der aufwendige Prozess um die möglicherweise größte Mordserie der deutschen Kriminalgeschichte zu (TAG24 berichtete).

Hunderte Patientenakten hatten die Fahnder ausgewertet und mehr als 100 Leichen ausgraben lassen, um sie auf Rückstände von Medikamenten zu untersuchen.

Nur in drei Fällen können die Experten nicht mit Sicherheit sagen, ob die gefundenen Medikamente nicht von Ärzten verordnet waren, deshalb fehlen sie in der Anklage.

Der frühere Pfleger soll schwer kranken Patienten eigenmächtig verschiedene Medikamente gespritzt haben, die unter anderem lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen auslösten.

"Dies tat er, um seine Fähigkeiten im Bereich der Reanimation gegenüber Kollegen und Vorgesetzten präsentieren zu können und um seine Langeweile zu bekämpfen", sagte Koziolek. Dabei habe er den Tod der Patienten billigend in Kauf genommen.

Landgericht muss ausweichen

Der Angeklagte Niels H. verbirgt sein Gesicht hinter einer Aktenmappe.
Der Angeklagte Niels H. verbirgt sein Gesicht hinter einer Aktenmappe.  © DPA

Das Ausmaß der Mordserie war erst nach und nach ans Licht gekommen. Eine Krankenschwester hatte Niels H. im Sommer 2005 auf der Delmenhorster Intensivstation auf frischer Tat ertappt.

Dafür stand er in einem ersten Prozess vor Gericht. Schon damals gab es Hinweise, dass er möglicherweise noch mehr Patienten tötete.

Die meisten Familien der Opfer blicken ihrer Anwältin zufolge angespannt, aber auch erleichtert auf den neuen Prozess. "Sie sind froh, dass es vorangeht", sagte die Delmenhorster Nebenklage-Anwältin Gaby Lübben.

Sie wird fast 100 und damit einen Großteil der 120 Nebenkläger vor dem Landgericht Oldenburg vertreten.

Der Prozess werde für die Angehörigen nicht einfach, sagte Lübben. Neben den sechs Nebenklage-Anwälten werden sich um sie auch Mitarbeiter des Opferhilfevereins Weißer Ring kümmern. Aus Platzgründen hat die Kammer die Verhandlung in die Weser-Ems-Hallen verlegt.

Dort soll es für die Nebenkläger auch einen Raum geben, wo sie sich abgeschirmt von der Öffentlichkeit aufhalten können.


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