34-Jähriger gesteht, Nachbarin mit seinem Fuß getötet zu haben

Hamburg - Er fiel über eine junge Frau her, wollte sie in seiner Wohnung in Hamburg-Eimsbüttel vergewaltigen. So sieht es die Anklage.

Der Angeklagte verbirgt sein Gesicht zu Prozessbeginn hinter einem Aktenordner. Daneben steht sein Verteidiger Haydar Güler.
Der Angeklagte verbirgt sein Gesicht zu Prozessbeginn hinter einem Aktenordner. Daneben steht sein Verteidiger Haydar Güler.  © dpa/Daniel Reinhardt

Zum Auftakt eines Prozesses um den Mord an einer 22-Jährigen hat der Angeklagte die Tötung gestanden.

"Ich weiß, dass ich diese Tragödie nicht wollte, die Tragödie, die ich verursacht habe", sagte der 34-Jährige am Freitag vor der Großen Strafkammer am Landgericht. Er bereue die Tat sehr.

Auf Nachfrage des Vorsitzenden Richters Joachim Bülter bestätigte der Pole über eine Dolmetscherin, dass er mit Tragödie die Tötung der jungen Frau meine.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Mann versuchte Vergewaltigung und Mord vor. Er soll die Nachbarin in der Nacht zum 23. April in einem Mehrfamilienhaus angegriffen haben.

Der Angeklagte habe an ihrer Tür geklingelt und sie entweder unter einem Vorwand in seine Wohnung gelockt oder sie mit Gewalt gezwungen, ihm zu folgen. Dort sei er sofort über sie hergefallen, um sie zu vergewaltigen, sagte Staatsanwältin Maria Hutka.

Als die auf dem Teppichboden liegende 22-Jährige sich wehrte und um Hilfe schrie, habe der Angeklagte seinen Aggressionen freien Lauf gelassen.

Nachbarn hörten die Frau schreien

Ermittler untersuchen nach der Tat die Wohnung. (Archivbild)
Ermittler untersuchen nach der Tat die Wohnung. (Archivbild)

Er habe der hilf- und wehrlosen Frau mehrfach mit seinem beschuhten Fuß und ganzem Gewicht auf den Hals getreten, bis sie verstummte und erstickte.

Ihren leblosen Körper habe der 34-Jährige aus dem zweiten Obergeschoss durch das Treppenhaus nach draußen und weiter über einen Innenhof auf die Straße geschleift.

Wegen der Schreie und des Gepolters alarmierten Nachbarn die Rettungskräfte.

Diese fanden die Frau hinter einer Hecke an einem Nachbarhaus liegen. Reanimierungsversuche blieben erfolglos. Der Mann wurde noch am 23. April festgenommen.

Der Angeklagte bestritt den Vorwurf der versuchten Vergewaltigung. "Es gab keinen Vergewaltigungsversuch", sagte er.

Als er die Frau tötete, stand er nach eigenen Angaben offenbar unter Drogen. "Ich fing an zu begreifen, was die Drogen (...) mit mir und meinem Leben gemacht haben", sagte er nach den Worten der Dolmetscherin. Er fügte hinzu: "Es tut mit wirklich sehr leid."

Dem Angeklagten wird noch eine weitere Tat vorgeworfen, bei der es um Körperverletzung geht.

Angeklagter hat bereits zuvor Frauen geschlagen

Vor dem Landgericht Hamburg beginnt am Freitag der Prozess gegen einen mutmaßlichen Mörder. (Archivbild)
Vor dem Landgericht Hamburg beginnt am Freitag der Prozess gegen einen mutmaßlichen Mörder. (Archivbild)  © dpa/Daniel Bockwoldt

Am 6. August 2018 soll er seine langjährige Freundin und Verlobte nach einem Streit krankenhausreif geschlagen haben.

Der Grund: Er sei verärgert gewesen, weil sie ihn nach seinen Affären fragte und ihm kaltes Essen hinstellte, sagte die Staatsanwältin.

Er schlug und trat die Frau so heftig, dass sie mit dem Rettungswagen in eine Klinik gebracht werden musste. Nach sechs Tagen im Krankenhaus suchte sie Schutz in einem Frauenhaus.

Richter Bülter deutete an, dass der 34-Jährige schon früher in seiner Heimat gegen Frauen gewalttätig wurde. Es seien zwei Zeuginnen aus Polen geladen, darunter eine frühere Lebensgefährtin, die Angaben zu den Taten machen sollen.

Der mittelgroße Angeklagte mit kurzem, schütteren blonden Haar, gekleidet mit kariertem Hemd und Jeans, folgte der Verhandlung mit gesenktem Kopf.

In dem Prozess treten der Ehemann des Opfers sowie die Eltern, eine Schwester und ein Bruder der getöteten Frau als Nebenkläger auf. Das Gericht hat 19 weitere Verhandlungstermine bis zum 28. Januar angesetzt.

Für den nächsten Verhandlungstag am 28. Oktober kündigte der Verteidiger eine ausführliche Erklärung im Namen seines Mandanten an.

Titelfoto: dpa/Daniel Reinhardt

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