Mordfall Walter Lübcke: Wollte Stephan E. auch einen Lehrer erschießen?

Kassel/Hamburg - Der Mord an dem Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke (†65, CDU) im Juni 2019 beschäftigt nach wie vor die Ermittler. Der tatverdächtige Rechtsextremist Stephan E. wird zudem offenbar auch noch eines weiteren Mordversuchs verdächtigt.

Das Foto zeigt den Tatverdächtigen Stephan E. im Juli 2019 nach einem Haftprüfungstermin beim Bundesgerichtshof in Karlsruhe.
Das Foto zeigt den Tatverdächtigen Stephan E. im Juli 2019 nach einem Haftprüfungstermin beim Bundesgerichtshof in Karlsruhe.  © Uli Deck/dpa

Der Rechtsextremist Stephan E. wurde kurz nach dem Mord an Walter Lübcke verhaftet.

Er gestand zunächst, den CDU-Politiker auf der Terrasse dessen Hauses per Kopfschuss getötet zu habe. Später widerrief er dieses Geständnis jedoch (TAG24 berichtete).

Dennoch gilt Stephan E. für die Ermittler weiter als dringend tatverdächtig.

Wie nun bekannt wurde, wird der mutmaßliche Lübcke-Mörder zudem auch noch eines weitereren Mordversuchs verdächtigt.

Laut dem Norddeutschen Rundfunk (NDR) in Hamburg, haben Recherchen von NDR und dem Nachrichtenmagazin "Spiegel" ergeben, dass Stephan E. Verdächtigt wird, im Jahr 2003 einen Anschlag auf einen Lehrer in Kassel verübt zu haben.

Demnach wurde auf den damals 48 Jahre alten Pädagogen am 20. Februar 2003 gegen 6 Uhr am Morgen geschossen, als dieser in seiner Küche stand.

"Das Geschoss flog nur wenige Zentimeter am Kopf des Mannes vorbei und schlug in eine Regalwand ein", heißt es wörtlich in der NDR-Mitteilung.

Attentat auf Lehrer in Kassel: Ist Stephan E. der Schütze?

Walter Lübcke wurde auf der Terrasse seines Hauses in Wolfhagen bei Kassel erschossen.
Walter Lübcke wurde auf der Terrasse seines Hauses in Wolfhagen bei Kassel erschossen.  © Swen Pförtner/dpa

Der Lehrer blieb demnach unverletzt. Er soll damals im Vorstand eines antifaschistischen Vereins tätig gewesen sein.

Nach den Recherchen von NDR und "Spiegel" fanden Ermittler auf einem Laptop von Stephan E. einen verschlüsselten Dateien-Ordner.

Darin befand sich demnach ein im Jahr 2002 angelegtes Dossier mit dem Namen und der damaligen Adresse des Lehrers sowie mit mit weiteren Hinweisen zu dem Mann.

Ein Foto des Lehrers soll in dem verschlüsselten Ordner ebenfalls abgelegt gewesen sein.

"Der Generalbundesanwalt nahm daher im November 2019 Ermittlungen gegen Stephan E. wegen Mordversuches auf", heißt es weiter.

Diese Ermittlungen dauern offenbar noch an.

Der Mordfall Walter Lübcke ist insbesondere aufgrund des mutmaßlich rechtsterroristischen Hintergrunds von besonderer Bedeutung.

Erst vor wenigen Tagen kam es in der hessischen Stadt Hanau zu einem Anschlag mit insgesamt elf Toten. Die sogenannte "Blutnacht von Hanau" hatte einen rassistischen und damit ebenfalls rechtsradikalen Hintergrund.

Titelfoto: Uli Deck/dpa

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