Platzsturm beim WM-Finale: Hartes Urteil gegen Flitzer

Moskau - So hat sich WM-Gastgeber Wladimir Putin die finale Krönung seiner Fußball-Weltmeisterschaft wohl kaum gewünscht: mit einem Protest vor laufenden Kameras für politische Freiheit.

Vier Flitzer haben beim Finale der FIFA Fußball-Weltmeisterschaft für eine Unterbrechung gesorgt.
Vier Flitzer haben beim Finale der FIFA Fußball-Weltmeisterschaft für eine Unterbrechung gesorgt.  © Martin Meissner/AP/dpa

Die vier Aktivisten, die am Sonntag beim Endspiel zwischen Frankreich und Kroatien (4:2) in Polizeiuniformen auf den Platz flitzten, gehörten zur kremlkritischen Punk-Gruppe Pussy Riot.

Sie wollten aufmerksam machen auf Missstände, die der Straßenkarneval der Fans bei der WM nach Einschätzung vieler überstrahlt hat.

Der Auftritt war eine bezeichnende Randnotiz, während die FIFA die "beste WM aller Zeiten" feiert und Russland um den Umgang mit dem Erbe des Turniers ringt.

2012 war die Gruppe mit den schrillen Masken bekannt geworden, weil sie in Moskaus wichtigster Kirche ein kritisches "Punk-Gebet" aufgeführt hatte.

Der Fall sorgte international für Wirbel. Drei Frauen mussten in Lagerhaft, wurden aber später begnadigt.

In ihrer Mitteilung erklärten die Aktivisten, mit dem Auftritt wollten sie den "himmlischen (guten) Polizisten" die "irdischen (bösen) Polizisten" gegenüberstellen. Der "himmlische Polizist" freue sich über die Siege der Sbornaja und sei ein Vorbild für die Nation; der "irdische" gehe gegen Proteste vor und schere sich nicht um Regeln.

Pussy Riot beanspruchte die Flitzer-Aktion bei Facebook für sich.
Pussy Riot beanspruchte die Flitzer-Aktion bei Facebook für sich.  © Cezaro De Luca/dpa

Damit prangerte Pussy Riot an, was die russischen Behörden und WM-Organisatoren als großen Erfolg feierten.

Sie spielten an auf den lockeren Umgang der Polizei mit feiernden Fans, während bei politischen Protesten in Russland immer wieder Menschen festgenommen werden.

So nutze Pussy Riot Putins Jubel-WM für konkrete Forderungen: Freilassung politischer Gefangener, ein Ende von Festnahmen bei Demonstrationen, mehr politischer Wettbewerb.

Die Staatsmedien hielten sich mit der Berichterstattung über den Fall zurück. Kaum ein Politiker kommentierte ihn. Ein Moskauer Gericht verurteilte die vier Flitzer - drei Frauen und einen Mann - am späten Montagabend schließlich zu je 15 Tagen Arrest.

Zudem dürfen sie in den nächsten drei Jahren keine Sportevents in Russland besuchen.

Beim WM-Finale im Juli flitzte Wersilow übers Feld.
Beim WM-Finale im Juli flitzte Wersilow übers Feld.  © Petter Arvidson/Bildbyran via ZUMA Press/dpa

Titelfoto: Martin Meissner/AP/dpa


WhatsApp Wir bei WhatsApp: 0160 - 24 24 24 0