Ungestraft seine Kinder schlagen? Russland plant neues Gesetz

Sie steckt hinter dem Gesetztesentwurf: Die Ultrakonservative Yelena Mizulina.
Sie steckt hinter dem Gesetztesentwurf: Die Ultrakonservative Yelena Mizulina.

Moskau - Schläge als traditioneller Wert? In Russland sieht man das wahrscheinlich so. Denn im Parlament bekam ein neuer Gesetzesentwurf, der Straffreiheit für "moderate" häusliche Gewalt vorsieht, nur wenig Gegenwind.

Für die Ultrakonservativen, die den Vorschlag einbrachten, sind Schläge wohl ein ganz normales und wirksames Erziehungsmittel.

"In traditionellen russischen Familien beruht die Beziehung zwischen Kinder und Eltern auf Autorität und Macht ", so Yelena Mizulina, die das Gesetz entworfen hat und die auch hinter dem Verbot von "homosexueller Propaganda" steht.

Was heißt denn "moderate" häusliche Gewalt? Auf jeden Fall mehr als ein Klaps auf den Hinterkopf. Wie der Stern berichtet, würden sich prügelnde Familienoberhäupter mit verursachten Schrammen oder Blutergüßen höchstens eine Geldstrafe einfangen.

Häusliche Gewalt könnte in Russland - bis zu einem bestimmen Grad - ungestraft bleiben.
Häusliche Gewalt könnte in Russland - bis zu einem bestimmen Grad - ungestraft bleiben.

Erst ab Knochenbrüchen wird es ernst.

Während Frauenrechtlerinnen schockiert von der Fast-Legalisierung von Gewalt sind, findet der Plan in der Mehrheit der Bevölkerung und in der russischen Volkskammer (Duma) großen Anklang. In letzterer gab es bei der ersten Lesung nur eine Gegenstimme - bei 368 Politikern.

Putin selbst wägt ab. "Es wäre besser keine Gewalt anzuwenden und sich von solchen Traditionen zu lösen - es gibt aber einen Unterschied zwischen einem Klaps und echter Gewalt. Wir sollten es mit der Strafe nicht übertreiben. Das schadet den Familien".

Eine Bestrafung von Gewalttaten im Wohnzimmer schadet also dem Zusammenleben? Paradox.

Bis das Gesetz in Kraft treten kann, muss Putin jedoch seine Signatur setzen und das Parlament zustimmen.

Ganz unwahrscheinlich ist dies jedoch nach ersten Prognosen nicht.


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