Kuriose Reisewarnung: Wenn du schwanger bist, dann fahr nicht hier hin

Neben Berlin mangelt es auch in Mecklenburg-Vorpommern, Hessen, Schleswig-Holstein, Hamburg und Bayern an entsprechender Geburtshilfe.
Neben Berlin mangelt es auch in Mecklenburg-Vorpommern, Hessen, Schleswig-Holstein, Hamburg und Bayern an entsprechender Geburtshilfe.  © DPA

Bonn - Die Sommerferien bedeuten Reisezeit, doch wer in Deutschland seinen Urlaub verbringen möchte und auch noch ein Kind erwartet, könnte in die Bredouille geraten. Die Elterninitiative "Mother Hood e.V." warnt vor Reisen unter anderem nach Berlin oder München. Aber warum?

"Schwangere Frauen sollten sich gut überlegen, welche Gebiete innerhalb Deutschlands sie für ihren Urlaub wählen", warnt Katharina Desery von Mother Hood. In einer Mitteilung auf der Homepage spricht die Elterninitiative eine Reisewarnung für Schwangere aus.

Die Reisewarnung ist kein Spaß, sondern ernst gemeint. So seien die Kreißsäle in Krankenhäusern überlastet, Kliniken nehmen keine Geburten ohne vorheriger Anmeldung an und Frauen würden vor dem Kreißsaal abgewiesen werden.

Und von so weit hergeholt ist diese Warnung nicht, denn einer Frau ist eben dies in Berlin-Neukölln widerfahren, wie Susanna Rinne-Wolf vom Berliner Hebammenverband der Berliner Zeitung berichtete. Mit geplatzter Fruchtblase machte sich die Frau auf den Weg zur Klinik,, doch statt einen Platz im Kreißsaal zu erhalten, wurde sie abgewiesen. Man schickte sie zu einer anderen Klinik. Noch im Rettungswagen kam das Kind dann zur Welt.

Schafft es eine Frau dann doch in einen Kreißsaal, muss sie sich oftmals eine Hebamme mit anderen werdenden Müttern teilen, so Katharina Desery. "In den Sommerferien kommt hinzu, dass viele Hebammen selbst im Urlaub sind."

2010 kamen 35.859 Kinder in Berlin zur Welt. 2016 waren es schon etwa 42.000. Zu viele Geburten, zu wenig Hebammen.
2010 kamen 35.859 Kinder in Berlin zur Welt. 2016 waren es schon etwa 42.000. Zu viele Geburten, zu wenig Hebammen.  © DPA

Für reine Panikmache hält Christoph Lang, Sprecher von Gesundheitssenatorin Dilek Kolat (50, SPD) die ungewöhnliche Reisewarnung. "Es gibt keinen Grund, dass Schwangere nicht nach Berlin reisen könnten, außer es gibt ärztliche Bedenken", sagte der der Zeitung.

"In der Tat werden die Kapazitäten in der Geburtshilfe knapper. Berlin wächst, erlebt einen Babyboom." Von einem Engpass spricht man im Gesundheitsministerium nicht, was der Berliner Hebammenverband ganz anders sieht.

"Mit dem Zuzug vieler junger Familien nach Berlin wächst auch die Geburtenrate", sagte Rinne-Wolf. "Nur die Zahl der Hebammen wurde nicht mehr." In Berlin gibt es gerade einmal 698 Hebammen. "Zu wenig, um den Babyboom zu stemmen", so Rinne-Wolf.

Doch für diejenigen die ein Kind erwarten, ist es nicht nur schwer eine Hebamme zu finden. Auch in den Kreißsälen ist die Lage ernst.

Wer es in den Kreißsaal schafft, muss lange warten oder sich eine Hebamme mit anderen Gebärenden teilen.
Wer es in den Kreißsaal schafft, muss lange warten oder sich eine Hebamme mit anderen Gebärenden teilen.  © DPA

"In vielen Kliniken sind bis zu sieben Hebammenstellen unbesetzt. Hebammen müssen dort bis zu drei Frauen gleichzeitig betreuen", berichtete Rinne-Wolf.

Es ist aber nicht so, dass die Krankenhäuser keine neuen Hebammen ausbilden, "doch viele geben wegen Überstunden und Schichtarbeit auf". In Berlin gibt es 18 Geburtsstationen, die jedoch regelmäßig überlastet sind. Somit ist es laut Rinne-Wolf legitim, wenn eine Frau an eine andere Klinik verwiesen wird. Schließlich soll die Frau mit den Wehen nicht stehengelassen werden und schnell Unterstützung erhalten.

Da jeder Schwangeren ein Klinikplatz zusteht, müssen sich die Kliniken nach ärztlicher Untersuchung, um einen Transport in ein alternatives und freies Krankenhaus kümmern, so Sprecher Lang. "Kein Notfall wird abgewiesen."


WhatsApp Wir bei WhatsApp: 0160 - 24 24 24 0