Mottowagen im Karneval: Kölner Dom weint um Hanau-Opfer

Köln - Im Kölner Karneval weint der Dom nach dem mutmaßlich rechtsextremistischen Anschlag von Hanau: Mit hängenden Turmspitzen und Tränen im Auge schicken die Kölner Jecken ihren Dom als Motivwagen in den Rosenmontagszug.

Ein Motivwagen beim Kölner Rosenmontagszug trauert um die Opfer des Terroranschlags von Hanau. Der Wagen zeigt einen weinenden Kölner Dom.
Ein Motivwagen beim Kölner Rosenmontagszug trauert um die Opfer des Terroranschlags von Hanau. Der Wagen zeigt einen weinenden Kölner Dom.  © Oliver Berg/dpa

Auf einem großen roten Herz, das der Dom in der Hand hält, steht: "uns Hätz schleiht för Hanau" - unser Herz schlägt für Hanau.

"Mit dem zusätzlichen Wagen gleich zu Beginn des Rosenmontagszuges wollen wir an die Opfer der schrecklichen Tat von Hanau erinnern und zugleich ein Zeichen für Toleranz und Weltoffenheit setzen", sagte Zugleiter Holger Kirsch am Montag der Deutschen Presse-Agentur.

"Karneval ist bunt, nicht braun!" Bewusst sei das Motiv sehr zurückhaltend gestaltet worden.

Die Kölner Motivwagen zeigen die Abgeordneten im britischen Unterhaus als Skelette in einer Brexit-Debatte oder US-Präsident Donald Trump als Filmfigur Joker.

Jecken sollten am Rosenmontag in Köln, Düsseldorf und ganz Nordrhein-Westfalen ihren Regenschirm nicht vergessen: Zum Höhepunkt der Karnevalszeit rechnet der Deutsche Wetterdienst (DWD) landesweit mit vielen Wolken und Regen.

Update, 15.36 Uhr: Zwischenbilanz der Feuerwehr

"Feuerwehr und Rettungsdienst waren bisher 165 Mal im Einsatz. An den Unfallhilfsstellen wurde 36 Mal medizinische Hilfe geleistet, davon vier Transporte ins Krankenhaus", teilte die Feuerwehr Köln am Nachmittag mit.

Update, 14.33 Uhr: NRW-Innenminister Herbert Reul gedenkt und feiert

Köln: Dreigestirn, Zugleiter Holger Kirsch (3.v.r) und die Bläck Fööss eröffnen den Rosenmontagszug. Mit den Rosenmontagszügen erreicht der rheinische Straßenkarneval seinen Höhepunkt.
Köln: Dreigestirn, Zugleiter Holger Kirsch (3.v.r) und die Bläck Fööss eröffnen den Rosenmontagszug. Mit den Rosenmontagszügen erreicht der rheinische Straßenkarneval seinen Höhepunkt.  © Oliver Berg/dpa

NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) hat sich am Rande des Kölner Rosenmontagszuges dafür ausgesprochen, Karneval zu feiern und gleichzeitig auch an die Opfer und Hinterbliebenen des Anschlags von Hanau zu denken.

Beides sei wichtig und durchaus miteinander vereinbar, sagte der Politiker der Deutschen Presse-Agentur in Köln, bevor er auf dem Wagen der Ehrengarde beim Rosenmontagszug mitfuhr.

Es sei gut gewesen, dass die Kölner einen Hanau-Wagen ganz an den Anfang ihres Zuges gestellt hätten, sagte Reul: "Wir dürfen auf keinen Fall vor den Typen in die Knie gehen. Und deswegen wird Karneval gefeiert, auch wenn's die gibt. Und trotzdem sind wir in unserem Herzen bei den Familien und denen, denen das Leid zugefügt wurde. Das ist doch vollkommen klar."

Update, 12.50 Uhr: Zug zieht jeck durch Köln

Nach eigenen Angaben entspannte Gesichter herrschen im Koordinierungsstab im Rathaus, wo die Informationen und Fäden am heutigen Rosenmontag zusammenlaufen.

Wie die Stadt Köln am Mittag mitteilte, arbeiten seit 7 Uhr unter der Leitung des Ordnungsamtes alle Beteiligten in der Zentrale.

"Bislang keine besonderen Vorkommnisse, der Zug rollt entspannt durch Köln", melden die Einsatzkräfte um 12.15 Uhr.

Update, 11.57 Uhr: Pferde im Karneval genau kontrolliert

Die Schauspielerin Nastassja Kinski (r) fährt auf dem Wagen des Festkomitee-Präsidenten im diesjährigen Rosenmontagszug mit.
Die Schauspielerin Nastassja Kinski (r) fährt auf dem Wagen des Festkomitee-Präsidenten im diesjährigen Rosenmontagszug mit.  © dpa/Roberto Pfeil

Die Überprüfung der Pferde und Reiter im Kölner Rosenmontagszug hat bisher keine Auffälligkeiten zutage gefördert. Das sagte der Sprecher des Festkomitees Kölner Karneval, Michael Kramp, unter Berufung auf das zuständige Umweltamt.

Auch im Düsseldorfer Zug wurden die Pferde von Fachleuten begutachtet und es wurden Blutproben abgenommen - allerdings sind dort viel weniger Pferde unterwegs als in der Domstadt.

Konrad Peschen, Leiter des Kölner Umweltamtes, sagte der Deutschen Presse-Agentur, jedem Pferd sei vor dem Start des Zuges eine Blutprobe abgenommen worden. Damit solle festgestellt werden, ob die Tiere unter dem Einfluss von Betäubungsmitteln stünden. Das Ergebnis werde allerdings erst in zwei Wochen feststehen.

Update, 10.53 Uhr: Bernd Stelter macht keine Corona-Witze im Karneval

Komiker Bernd Stelter (58) greift im Karneval zwar politische Themen wie die Ministerpräsidentenwahl in Thüringen auf, aber nicht das Coronavirus. "Ich finde, eine Krankheit, eine Seuche, ist kein Thema", sagte Stelter am Montag in Köln der Deutschen Presse-Agentur.

Im Übrigen gelte: "Normalerweise kann man Karneval feiern, im Moment muss man. Das ist wichtig. Man muss auch mal an was anderes denken."

Er freue sich sehr auf den Kölner Rosenmontagszug, sagte Stelter, der als einer der profiliertesten Kölner Karnevalsredner gilt. "Dass da eine Million Jecke am Straßenrand stehen und feiern, haben sie sich verdient."

Update, 10.44 Uhr: Kölns OB Henriette Reker bei den Roten Funken

Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker (l), fährt auf dem Wagen der Roten Funken im diesjährigen Rosenmontagszug mit.
Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker (l), fährt auf dem Wagen der Roten Funken im diesjährigen Rosenmontagszug mit.  © dpa/Roberto Pfeil

Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker (parteilos) zieht am Rosenmontag bei den Roten Funken mit - als erste Frau in dem Männer-Traditionskorps. Sie selbst zeigte sich stolz und teilte eine wichtige Botschaft mit.

"Ich hätte mir nie träumen lassen, dass ich mal die erste Frau in der Uniform der Roten Funken sein würde. Was für eine ungeheure Ehre! Ich wünsche mir, dass noch mehr solcher gläsernen Decken von Mädchen und Frauen durchbrochen werden, vielleicht auch im Karneval", so die Kölner Oberbürgermeisterin.

Update, 10.15 Uhr: Rosenmontagszug in Köln gestartet

Der Kölner Rosenmontagszug ist pünktlich um 10 Uhr am Chlodwigplatz gestartet.

Laut Festkomitee ziehen 12.000 Teilnehmer unter dem Motto "Et Hätz schleiht em Veedel" gut fünf Stunden lang auf einem rund sieben Kilometer langen Weg vom Chlodwigplatz in der Südstadt bis zur Mohrenstraße. Wer nicht zum Zug kann: Der WDR überträgt den Kölner Rosenmontagszug live im Fernsehen und im Stream im Internet.

Update, 10.09 Uhr: Guido Cantz lobt Kölner Karneval

Die Moderatoren Sabine Heinrich (l) und Guido Cantz bereiten sich auf die Übertragung des Rosenmontagszuges vor
Die Moderatoren Sabine Heinrich (l) und Guido Cantz bereiten sich auf die Übertragung des Rosenmontagszuges vor  © dpa/Roberto Pfeil

Fernsehmoderator und Komiker Guido Cantz (48) hat die schnellen und klaren Reaktionen der Karnevalisten auf den mutmaßlich rechtsextremistischen Anschlag von Hanau gelobt.

"Ich finde das absolut richtig, Stellung zu beziehen", sagte Cantz am Montag in Köln der Deutschen Presse-Agentur.

"Karneval wird ja gerne so'n bisschen als weichgespült hingestellt. Wir Karnevalisten haben alle eine Meinung, gerade zu sowas. Und deshalb ist es toll, dass die Kölner so schnell reagiert haben. Es ist das richtige Zeichen zu Beginn des Rosenmontagszuges."

Ein Motivwagen in Köln zeigt den Kölner Dom, der Tränen vergießt und ein großes rotes Herz in den Händen hält. Darauf steht: "Uns Hätz schleiht för Hanau" - unser Herz schlägt für Hanau.

Der Kölner Rosenmontagszug sei deutlich politischer geworden, sagte Cantz. "Düsseldorf wird immer als der viel politischere Zug bezeichnet, was wohl auch stimmt. Ich glaube, wir Kölner sind auf einem sehr guten Wege, und das steht uns gut zu Gesicht."

Update, 9.35 Uhr: Rosenmontagszug in Köln findet wie geplant statt

Nach Absage der "Schull- un Veedelszöch" wegen des Sturms am Sonntag findet der Kölner Rosenmontagszug an diesem Montag wie geplant statt. Das bestätigte die Stadt Köln am Montagvormittag.

Düsseldorfer Rosenmontagszug zeigt Rassismus als Pistolen-Motivwagen

In Düsseldorf zeigt der Zug einen "Rassismus-Wagen"
In Düsseldorf zeigt der Zug einen "Rassismus-Wagen"  © Federico Gambarini/dpa

Der Düsseldorfer Rosenmontagszug stellt nach dem mutmaßlich rechtsextremistischen Anschlag von Hanau den Rassismus als Waffe dar.

Der WDR fotografierte den bislang eigentlich geheim gehaltenen Wagen am frühen Montagmorgen an der Wagenhalle.

Zu sehen darauf: Eine Pistole mit der Aufschrift "Rassismus", die aus dem Mund eines Mannes mit hochrotem Kopf ragt.

Auf seiner Wange steht: "Aus Worten werden Taten!" An der Seite stellen die Jecken um Wagenbauer Jacques Tilly den Kontext zu rechtsextremen Taten her: "NSU, W. Lübcke, Halle, Hanau". Die Düsseldorfer Jecken wollten ihre Mottowagen in diesem Jahr eigentlich bis zum letzten Moment geheim halten.

Mehr zum Thema Köln:


WhatsApp Wir bei WhatsApp: 0160 - 24 24 24 0