Dieses Paar rettet uralte Obstsorten vorm Aussterben

Hannelore und Volker Umbreit haben ein Händchen für seltene Gehölze. Aus manchen Früchten zaubern sie sogar leckere Brotaufstriche.
Hannelore und Volker Umbreit haben ein Händchen für seltene Gehölze. Aus manchen Früchten zaubern sie sogar leckere Brotaufstriche.

Von Thomas Gillmeister

Mügeln - Aus Liebe zum Wildobst legten sich Hannelore (64) und Volker (63) Umbreit aus Sornzig ihren eigenen botanischen Garten an. Vor ihrer Haustür wachsen - fast wie in einem Schlosspark - längst vergessene Sorten, die das Ehepaar aus aller Welt zusammenträgt.

Die Früchte lassen die Umbreits in Manufakturen zu leckeren Aufstrichen verarbeiten.

Gurken, Tomaten und Zwiebeln sucht man im „Garten Eden“ von Familie Umbreit vergebens. Auch ganz normale Hauspflaumen, Süßkirschen oder Boskoop-Äpfel findet man nicht.

Dafür reihen sich verschiedene Vogelbeerbäume aneinander. Kirschen sind in Form von ovalförmigen Kornelen vertreten. An einem alten knorrigen Baum wachsen Hunderte braune Mispeln.

Unter dem Markennamen „Sornziger Wilde“ lässt das Ehepaar Wildfrüchte zu Marmelade verarbeiten.
Unter dem Markennamen „Sornziger Wilde“ lässt das Ehepaar Wildfrüchte zu Marmelade verarbeiten.

Gelb leuchten nordische Zitronen. Und an Sträuchern hängen Tausende kleine grüne Kiwais, eine Verwandte der Kiwi.

Exotischer geht es kaum.

Ob Haferpflaumen, Süßschlehen oder Maibeeren - die Diplomübersetzerin und der Diplomingenieur brachten sich von ihren Reisen im sonnigen Süden gern Samen und Ableger mit.

„Als wir merkten, wie schön sich Feigen aus Bulgarien vermehren lassen, probierten wir immer neue Obstarten aus“, denkt Hannelore Umbreit an die Anfänge zurück. „Weil der Garten in Leipzig nach einiger Zeit viel zu klein wurde, wanderten wir mit unseren Gewächsen aufs Dorf und ließen uns in Sornzig nieder“, erklärt die Hobby- Züchterin die neue Lust aufs Landleben.

Acht Jahre lang baute das Ehepaar ein blitzgeschädigtes Bauernhaus aus.

Hier lässt sich’s aushalten. Wann immer möglich, zieht es die Umbreits in ihr grünes Reich.
Hier lässt sich’s aushalten. Wann immer möglich, zieht es die Umbreits in ihr grünes Reich.

Die mit umgezogenen Gehölze machte es im Tausende Quadratmeter großen Garten mit seinen fruchtbaren Böden heimisch. „Wild“ ist dort allerdings nur das Wildobst.

Denn die Naturfreunde haben ein Händchen für Gartenarchitektur. Nichts wächst „zufällig“ in der Landschaft. Alle Bäume und Sträucher stehen in Beziehung zueinander, die Wege sind durchdacht angelegt, Chemie ist tabu, gedüngt wird natürlich, zum Beispiel mit selbst angesetzter Brennnesseljauche.

Nach Feierabend und an den Wochenenden pflanzen, schneiden, ernten Hannelore und Volker Umbreit in ihrem Garten und im benachbarten Kloster Marienthal, dem sie rund 100 Wildobstkulturen spendeten. Und weil die Früchte von Oregon-Beeren, Felsenbirnen und Weißdorn schon bald den eigenen Verbrauch überstiegen, begannen die Sachsen, edle Fruchtaufstriche zu kreieren.

Diese lassen sie inzwischen unter der eigenen Marke „Sornziger Wilde“ herstellen - in aufwendiger Handarbeit in kleinen Manufakturen.

Der Quittenbaum gehört noch zu den bekannteren Arten im gepflegten Exotik- Garten.
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Weniger stachelig als ihre bekanntere Schwester - dafür schmackhafter - ist die Esskastanie.
Weniger stachelig als ihre bekanntere Schwester - dafür schmackhafter - ist die Esskastanie.
Die Kornelkirsche ist etwas säuerlich, aber durchaus essbar. In Südeuropa ist sie bekannter als bei uns.
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Sehen aus wie Äpfel und sind es auch irgendwie - die Zieräpfel aus dem Garten der Umbreits.
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Die Mispel war bis ins Mittelalter hinein auch in Europa ein beliebter Obstbaum. Heute ist sie eher selten.
Die Mispel war bis ins Mittelalter hinein auch in Europa ein beliebter Obstbaum. Heute ist sie eher selten.

Fotos: Picture Point/Kerstin Kummer


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