Diese Stadt wird ab Freitag von 27 Bürgermeistern regiert

Wilfried Zweng (65) ist der älteste ehrenamtliche Bürgermeister in Mühlhausen.
Wilfried Zweng (65) ist der älteste ehrenamtliche Bürgermeister in Mühlhausen.  © DPA

Mühlhausen - Eine Theke im Freien, ein blauweißes Zelt und viele bunte Wimpel - Wilfried Zeng fiebert der Mühlhäuser Stadtkirmes entgegen. Der 65-Jährige ist ehrenamtlicher Bürgermeister "Am Kruchenplan", einer von 27 Kirmesgemeinden der Stadt, die aus früheren Kirchengemeinden entstanden sind.

Von Freitag an findet in Mühlhausen zum 140. Mal eine deutschlandweit außergewöhnliche Stadtkirmes statt und Zeng ist zum 37. Mal dabei. Damit ist er der Dienstälteste seiner Zunft. Neun Tage lang wird an 27 dezentralen Orten gefeiert. Auf dem Programm stehen neben einer Musikschau und einem Festumzug rund 200 Veranstaltungen in Zelten und Festbauten.

Zum Jubiläum treffen sich alle Gemeinden zur Fahnenweihe auf dem Kornmarkt. Nach einem Jahr im Schrank holt Zeng dann wieder Frack und Amtskette hervor. Er hat seiner Kirmesgemeinde "Am Kruchenplan" zu neuem Leben verholfen, als sie 1979 zu zerbrechen drohte. Vermutlich war ein von ihm gespendetes Fass Bier die Initialzündung für eine Wiederbelebung der Gemeinde am Stadtrand.

Bereits seit 140 Jahren gibt es die Kirmes in Mühlhausen.
Bereits seit 140 Jahren gibt es die Kirmes in Mühlhausen.  © DPA

Der damals 28-jährige Zeng wurde damals zugleich Bürgermeister. Gefeiert wird am Kruchenplan bereits seit 1949. "Zwei Große Bänke, eine Schaukel dazwischen und Holzbierkästen", erinnert sich der 77-jährige Rolf Ilfland an seine Kindheit.

Fast 70 Jahre später gibt es die Kirmes am Mühlhäuser Stadtrand immer noch. 43 aktive Mitglieder feiern mit Kochkäse, selbst gebackenem Kuchen und heißer Kesselsuppe. "Wir sind eine große Familie", sagt Zeng. Auch übers Jahr wird gemeinsam gewandert und gefeiert. Aus seiner Familie sind die Ehefrau, die Tochter und beide Enkel dabei. "Nachwuchssorgen wie einige andere Kirmesgemeinden haben wir nicht", stellt der Rentner erfreut fest. Die Gemeinschaft sei vielen sehr wichtig.

Dabei herrscht am Kruchenplan längst nicht so ein Andrang wie in den großen Zelten der Mühlhäuser Altstadt. Doch zum Schlachte-Essen am Dienstag kommen fast mehr als 500 Leute und nehmen bis zu einer Stunde Wartezeit an der Theke in Kauf.

Wie vor Jahrzehnten gibt es noch immer den traditionellen Zwetschenkuchen zum Kaffee und Topfschlagen für die Kinder; dazu Kirmeskreise und traditionelle Lieder. Höhepunkte waren einst das Fußballspiel "Damen gegen Herren" und der legendäre Boxkampf zwischen zwei Gemeindemitgliedern, wobei der Ringrichter am Ende des Kampfes K.o. ging und aus dem Ring getragen werden musste.

Bis heute profitiert die kleine Kirmesgemeinde vom Organisationstalent und vom "Dickkopf" ihres Bürgermeisters. Bei der 140. Stadtkirmes darf Zeng beim Festzug am Sonntag ganz vorn laufen. Seine Gemeinde ist zufällig die Nummer eins und führt damit die rund 1500 Mitwirkenden an. Dann wird auch wieder Enkel Konrad auf seinem Einrad Kreise im ersten von 49 Bildern drehen.

Titelfoto: DPA


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