Brüder retten 13 Menschen aus Flammenhölle

Mohammed (l.,58) und sein Bruder Boudjamaa Fouathia retteten die Menschen aus dem Inferno.
Mohammed (l.,58) und sein Bruder Boudjamaa Fouathia retteten die Menschen aus dem Inferno.

Mühlhausen - Beinahe wäre es in Mühlhausen, im Norden Thüringens, zu einer schweren Brandkatastrophe gekommen. Nur dem Einsatz zweier Männer verdanken 13 Menschen ihr Leben.

Noch immer liegt ein stechender Brandgeruch über der Innenstadt von Mühlhausen. Viele Anwohner der kleinen Stadt kommen an diesem Sonntag zum Lindenbühl. Eine Brandruine, aus der es zum Teil immer noch qualmt, zeugt von dem Drama, das sich in der Nacht zum Samstag hier abgespielt haben muss. Unter den Schaulustigen sind auch zwei Männer. Sie schauen ernst drein, aber auch erleichtert. Ihnen verdanken 13 Menschen ihr Leben.

Es ist der Freitagabend, kurz nach 21.30 Uhr, der 58 Jahre alte Mohammed Fouathia und sein ein Jahr älterer Bruder Boudjamaa schließen den Dönerimbiss, der sich ebenfalls in dem Eckgebäude am Lindenbühl befindet. Gemeinsam wollen sie nach Hause fahren. Sie sind schon fast weg, als Boudjamaa etwas ungewöhnliches wahrnimmt. "Ich habe meinem Bruder gesagt, er solle stoppen", erklärt er dann später. Denn aus dem großen Wohn- und Geschäftshaus schlagen Flammen.

Sofort eilen die Brüder zurück, denn sie wissen, das sich in dem Haus noch Menschen befinden. "Ich habe erst gerufen und dann einen Stein gegen ein Fenster geworfen, damit die Leute uns bemerken", erinnert sich Mohammed. Doch an ein Rauskommen durchs Treppenhaus ist mittlerweile nicht mehr zu denken. Der ältere Bruder treibt irgendwo eine Leiter auf. Ein Nachbar kommt mit einer zweiten Leiter. Gemeinsam retten sie die Bewohner aus dem Haus.

In letzter Sekunde. Wenige Augenblicke steht ein Großteil des Gebäudes in Flammen. Kurz darauf trifft auch die Feuerwehr ein. Mohammed erinnert sich: "Es waren dramatische Szenen."

Staatsschutz ermittelt nach Großbrand

Brandermittler suchen in der Ruine nach Spuren. Nur mühsam kommen sie dabei voran.
Brandermittler suchen in der Ruine nach Spuren. Nur mühsam kommen sie dabei voran.  © Tom Wunderlich

Mittlerweile hat die Kriminalpolizei die Spurensuche aufgenommen. Den ganzen Sonntag durchforsten die Brandermittler akribisch Meter um Meter im Gebäude. Sie sollen klären, warum das Feuer ausbrach. Auch Spürhunde kommen zum Einsatz.

Die Polizei hat bereits am Samstag einen speziellen Arbeitskreis gebildet, der den Brand aufklären soll. Auch der Staatsschutz ist involviert, weil sich im Erdgeschoss die Räume des islamischen Vereins befinden. Dessen Vorsitzender Djamel Benaissi (55) ist am Sonntag auch an der Brandruine vor Ort. Mit Helfern räumt er die Zimmer leer.

"Glücklicherweise waren unsere Vereinszimmer nur teilweise betroffen", sagt er erleichtert. Auch dass die Bewohner nicht ernsthaft zu Schaden gekommen sind, macht ihn glücklich.

Ob es sich um Brandstiftung handelt oder ob es doch ein technischer Defekt war, kann die Polizei noch nicht sagen. Fest steht jedoch, dass Mohammed und sein Bruder Boudjamaa eine tödliche Brandkatastrophe verhindert und 13 Menschen das Leben gerettet haben.

Das Haus wurde bei dem Brand vollständig zerstört.
Das Haus wurde bei dem Brand vollständig zerstört.
Djamel Benaissi (55) trägt aus den Räumen der islamischen Gemeinde Bücher.
Djamel Benaissi (55) trägt aus den Räumen der islamischen Gemeinde Bücher.  © Marcus Scheidel

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