Kultur auf Müllberg? Das will der Besitzer jetzt mit Berlins Teufelsberg anstellen

Neue Ideen für den Teufelsberg: Der Besitzer hat mit den Ruinen viel vor.
Neue Ideen für den Teufelsberg: Der Besitzer hat mit den Ruinen viel vor.  © DPA

Berlin - Der Berliner Teufelsberg ist mit dem Datum des Kriegsendes am 8. Mai besonders verbunden. Er besteht aus den Trümmern, die Hitlers Größenwahn in der Hauptstadt hinterlassen hat. Jetzt soll hier ein Ort für Kunst entstehen.

Es gibt wohl kaum einen Ort in Berlin, an dem der Untergang der Nazizeit und der Wahnsinn des Kalten Krieges so nah beieinanderliegen wie auf dem Teufelsberg. Der 120 Meter hohe Hügel im Westen der Stadt besteht aus Schutt und Trümmern des Hitler-Kriegs. Und ausgerechnet dort installierten die siegreichen West-Alliierten in den 50er Jahren eine gigantische Abhöranlage, mit der sie den Funkverkehr der Warschauer-Pakt-Staaten abfingen.

Unter den Ruinen der vier riesigen Antennenkuppeln soll jetzt ein ungewöhnliches Projekt entstehen: ein "natürlicher Kulturort".

Bald ein Ort für Kunst und Kultur?
Bald ein Ort für Kunst und Kultur?  © DPA

Der 37-jährige Immobilienkaufmann Marvin Schütte plant auf dem 4,8 Hektar großen Gelände ein Museum zur Geschichte des Teufelsbergs, Rückzugsorte für ruhebedürftige Städter und Freiräume für Künstler.

"Wir wollen keine Partys, kein Highlife. Es soll ein Ort der Entschleunigung werden", sagt der Projektentwickler, der die heruntergekommene Spionagestation vor zwei Jahren gepachtet hat. Im Herbst will er beim Bezirk Charlottenburg einen ersten Antrag für sein Vorhaben stellen. "Dann liegt es an Berlin, wie sie es aufnehmen."

Schütte schwebt eine Art Künstlerkolonie vor, die das wüst-verwunschene Areal nachhaltig entwickeln und gestalten soll. Schon jetzt gibt es einen Skulpturen-Garten, eine Praxis für "Wahrnehmungschirurgie" und - vom früheren Pächter initiiert - die wohl größte Graffiti-Galerie Europas.

Fünf bis sechs Leute gehören vorerst zum festen Team. Im Sommer kommen jeweils noch etwa ein Dutzend handverlesene Rucksacktouristen hinzu, die gegen Kost und Logis bei den Aufräum- und Sanierungsarbeiten helfen. "Wir wollen alles erhalten. Wir bauen nichts Neues, wir reißen nichts ab", versichert Schütte.

Das Aktionsbündnis Teufelsberg, ein Zusammenschluss aus Naturschutzverbänden, Forstleuten und Anwohnern, misstraut den Eigentümern trotz des neuen Pächters.

"Wir haben den Verdacht, dass es denen letztlich immer ums Geld geht. Und das ist nicht im Interesse Berlins", sagt der Sprecher, Prof. Hartmut Kenneweg von der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald.

Abgerissen werden soll dort aber nichts.
Abgerissen werden soll dort aber nichts.  © DPA

Titelfoto: DPA


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