Schon wieder Parteitag: Zerfleischt sich die bayerische AfD nun selbst?

München - Schon der vergangene AfD-Landesparteitag hatte es in sich. "Eklatante Verfehlungen und Unzulänglichkeiten" wurden dem Vorstand im Juli in einem Antrag vorgeworfen, "Organisationsversagen und Inkompetenz, öffentliche Streitigkeiten und Peinlichkeiten".

Martin Sichert (AfD), bayerischer Landesvorsitzender der Partei "Alternative für Deutschland", nimmt an einem Sonder-Landesparteitag teil.
Martin Sichert (AfD), bayerischer Landesvorsitzender der Partei "Alternative für Deutschland", nimmt an einem Sonder-Landesparteitag teil.  © Lino Mirgeler/dpa

Landeschef Martin Sichert warnte im Gegenzug: "Es gibt nur einen, der uns aufhalten kann, und das sind wir selbst." Vergeblich. Sichert musste miterleben, wie heftiger Streit den Parteitag beherrschte.

An diesem Wochenende könnte es nun endgültig zum Showdown kommen: Am Samstag und Sonntag trifft sich die AfD wieder zum Parteitag, wieder im mittelfränkischen Greding. Diesmal wird womöglich abgerechnet: Der komplette Landesvorstand muss neu gewählt werden - Ausgang ungewiss.

Sichert tritt wieder an - und gibt sich optimistisch. "Ich gehe sehr entspannt in den Parteitag", sagt er.

Nicht wieder als Vize kandidieren will, so hat sie es jedenfalls schon vor einigen Monaten angekündigt, Katrin Ebner-Steiner, die als Fraktionschefin im Landtag hoch umstritten ist und schon alle Hände voll zu tun hat, den Laden dort zusammenzuhalten. Seinen Stellvertreter-Posten behalten will dagegen Gerd Mannes - "weil ich der Partei helfen will, dass sie sich organisatorisch weiterentwickelt", erklärt er. Ebenfalls als Vize im Amt bleiben will der Bundestagsabgeordnete Gerold Otten.

Wie die Wahlen ausgehen, kann keiner vorhersagen. Schon deshalb, weil völlig offen ist, wie viele Kandidaten für welche Posten kandidieren.

AfD-Parteitage sind Mitgliederparteitage - und wer sich für ein bestimmtes Amt bewerben will, kann dies spontan am Wochenende tun.

Seit langem tief zerstritten: Kann ein neuer AfD-Landesvorstand die Partei kitten?

Parteimitglieder der Alternative für Deutschland stimmen während eines Sonder-Landesparteitags der AfD Bayern mit Stimmzetteln ab.
Parteimitglieder der Alternative für Deutschland stimmen während eines Sonder-Landesparteitags der AfD Bayern mit Stimmzetteln ab.  © Lino Mirgeler/dpa

Noch ist auch unklar, ob und welche Gegenkandidaten Sichert bekommt. Allgemein wird erwartet, dass sich potenziell chancenreiche Bewerber erst kurzfristig aus der Deckung wagen. Seine Kandidatur angekündigt hat dagegen bereits ein gewisser Andre Lihl aus Würzburg. "Nach außen müssen wir vereint wieder auftreten", fordert Lihl in einem Bewerbungsvideo im Internet.

Tatsächlich aber ist die bayerische AfD - und zwar sowohl die Partei als auch die Landtagsfraktion - tief zerstritten, und das schon seit langem. In der Fraktion gipfelte der monatelange Krach darin, dass mehrere Abgeordnete Anzeige gegen ihre Fraktionschefin Ebner-Steiner erstatteten, wegen der gezielten Veröffentlichung privater E-Mails.

Inhaltlich-politisch klaffen tiefe Gräben zwischen den Anhängern des rechtsnationalen "Flügels" um den Thüringer Landeschef Björn Höcke und eher gemäßigten Kräften. Natürlich gehe es dabei knallhart um die künftige Ausrichtung der AfD, heißt es innerhalb der Partei. Der "Flügel" versuche auf aggressive Weise, die AfD zu übernehmen, sagen "Flügel"-Kritiker. Für Aufruhr sorgte in den vergangenen Monaten die vom Landesvorstand betriebene Amtsenthebung des Vorstandsmitglieds Benjamin Nolte. Dieser soll bei einem "Flügel"-Treffen unter anderem gefordert haben, die sogenannte Unvereinbarkeitsliste abzuschaffen, mit der sich die AfD von rechtsextremen Gruppen abzugrenzen versucht.

Weitere Zutaten des Dauer-Zwists in Bayerns AfD sind der Streit um die Parteifinanzen und organisatorische Probleme, beispielsweise in den zurückliegenden Wahlkämpfen. Da liege noch vieles im Argen, heißt es.

Wer die AfD in die Zukunft führt und wie geeint oder zerstritten die Partei in den Kommunalwahlkampf geht, wird sich am Wochenende zeigen.

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