Willy Brandt ist jetzt Mitglied bei der Linken

München - Der SPD bleibt nichts erspart. Nun hat auch Willy Brandt der Partei den Rücken gekehrt - und ist zur Linken übergelaufen. Ausgerechnet.

Linksparteichef Bernd Riexinger (62) will eigens nach Nürnberg reisen, um das Neumitglied an diesem Donnerstag zu treffen.
Linksparteichef Bernd Riexinger (62) will eigens nach Nürnberg reisen, um das Neumitglied an diesem Donnerstag zu treffen.  © Ralf Hirschberger/dpa

Die Linke hatte Brandt, den früheren SPD-Chef und Kanzler, schon 2011 quasi zu einem der ihren erklärt. Auf einem Parteitag in Erfurt hatte der damalige Linksfraktionschef Gregor Gysi da gerufen, Brandt sei Friedensnobelpreisträger, die SPD aber sehe Krieg als letztes Mittel der Politik. Daher gehöre Willy Brandt nicht mehr den Sozialdemokraten. "Ab heute gehört er uns."

Ein paar Jahre später ist es nun tatsächlich so weit: Willy Brandt ist nun Mitglied der Linkspartei. Auch wenn es sich nicht um den SPD-Kanzler handelt, sondern um einen 24-Jährigen aus Bayern mit eben jenem prominenten Namen - die Linke begrüßt den Überläufer überschwänglich.

Der junge Mann war im vergangenen September öffentlichkeitswirksam in die SPD eingetreten.

Auch die Sozialdemokraten hatten ihr neues Mitglied damals stolz in Nürnberg präsentiert. Der bayerische Willy Brandt sagte kurz nach seinem Eintritt noch, es habe ihn schon immer zur SPD hingezogen.

Doch besonders lange wirkte die Anziehungskraft nicht. Im März verließ Brandt die Partei wieder - wie viele andere aus Frust über das SPD-Mitgliedervotum für den Eintritt in eine weitere große Koalition. Kurz darauf wechselte er zur Linken. Bei dem Termin in Nürnberg will Riexinger Brandt nun mit etwas Verspätung feierlich begrüßen.

Warum genau der Wechsel von Rot zu Dunkelrot? "Ich bin komplett enttäuscht von der SPD", sagte der junge Brandt der Deutschen Presse-Agentur. "Viele sozialdemokratische Werte sind da nicht drin gewesen."

Er habe den Koalitionsvertrag von A bis Z durchgelesen, erzählte der Erzieher und junge Vater. Doch er fand nicht, was er suchte. "Die SPD hat ihre linken Werte komplett verloren. Die Linke ist da die einzige Alternative für mich."

Die Linke wiederum deutet den Wechsel des Mannes mit dem großen Namen als Beleg für ihre eigene Anziehungskraft. "Unsere Partei wächst langsam, aber nachhaltig", sagte Riexinger der dpa.

Alleine im vergangenen Jahr seien 8.500 neue Mitglieder eingetreten. Über dieses Mitglied dürfte sich auch Gysi besonders freuen.


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