Sachse protestiert gegen Rassismus und verliert seinen Job bei BMW

München - Nachdem er sich gegen rassistische Äußerungen eines festangestellten Kollegen bei BMW gewehrt hatte, verlor ein sächsischer Leiharbeiter seinen Job. Zu Unrecht, sagte die erste Instanz. Jetzt muss das Berufungsgericht entscheiden.

Laut BMW konnten die rassistischen Äußerungen nicht bestätigt werden.
Laut BMW konnten die rassistischen Äußerungen nicht bestätigt werden.  © Sina Schuldt/dpa

Der Mann - so befand es die erste Instanz - hatte seinen Job bei der Leiharbeitsfirma Brunel verloren, nachdem er rassistische Äußerungen eines festangestellten Kollegen bei BMW kritisiert hatte.

Die Kündigung wurde für unwirksam befunden: "Ein von rassistischen Beleidigungen geprägtes Arbeitsumfeld muss ein Arbeitnehmer nicht - auch nicht im Entleiherbetrieb - hinnehmen, auch wenn sich die rassistischen Äußerungen nicht direkt gegen ihn selbst richten", teilte das Gericht damals mit.

Doch auch wenn das Urteil eindeutig ausfiel: Dazu, was bei BMW genau passierte, gibt es verschiedene Varianten. Gewerkschaftssekretärin Hedwig Krimmer von Verdi, die den Leiharbeiter im Rahmen des Rechtsbeistands unterstützt, beschreibt die Vorgänge etwa so: Der Mann sei in eine Abteilung gekommen, in der es heftige rassistische Äußerungen eines Kollegen gegeben habe. Zuerst habe er noch "die Klappe gehalten", sagt sie. "Aber nach zwei Wochen ist ihm der Kragen geplatzt."

Krimmer betont, dass der Leiharbeiter sich nicht über, sondern beim Kollegen selbst beschwert habe. In der Folge habe sich dann aber der BMW-Mitarbeiter über den Leiharbeiter beschwert und die Sache sei eskaliert.

BMW leugnet den Rassismus und sieht keinen Zusammenhang zwischen den Vorwürfen und der Kündigung

DAs Landgericht in München beschäftigt sich nun erneut mit dem Fall des Leiharbeiters.
DAs Landgericht in München beschäftigt sich nun erneut mit dem Fall des Leiharbeiters.  © Sven Hoppe/dpa

Auch das Arbeitsgericht München geht in seiner Mitteilung davon aus, dass "zumindest von einem Kollegen" rassistische Äußerungen gefallen seien, gegen die sich der Leiharbeiter gewandt habe.

BMW teilt dagegen mit, eine interne Untersuchung habe die rassistischen Äußerungen nicht bestätigen können und betont, für Vielfalt zu stehen: "Mehr als 120 Nationalitäten arbeiten bei uns allein in Deutschland zusammen. (...) Wir tolerieren keinesfalls Diskriminierung."

Die Leiharbeitsfirma Brunel äußerte sich auf Anfrage nicht zum Verfahren. Im Umfeld der ersten Entscheidung im März hatte das Unternehmen betont: "Nach unseren Erkenntnissen gab es weder eine rassistische noch rechtsradikale Grundstimmung in der Abteilung."

Der zweite zentrale Punkt, in dem die Darstellungen auseinandergehen, ist die Frage, ob die Kritik des Leiharbeiters an den rassistischen Äußerungen letztlich zur Kündigung führte. In der ersten Instanz hatte die Zeitarbeitsfirma dies bestritten und betont, dass es "keinen kausalen Zusammenhang zwischen der Kündigung und den Rassismusvorwürfen" gegeben habe. "Die Kündigung ist ausschließlich anderweitig begründet", hieß es damals von Brunel.

Das Gericht kam allerdings zum gegenteiligen Schluss: Die Kündigung sei "unmittelbar im zeitlichen Zusammenhang" mit dem zulässigen Verhalten des Leiharbeiters erfolgt. Dies sei eine unerlaubte Maßregelung.

Ob das Landesarbeitsgericht am Dienstag bereits zu einer Entscheidung kommen wird, ist offen.

Update 12.40 Uhr: Kündigung nach Protest gegen Rassismus: Gericht will Zeugen hören

Im Berufungsprozess um die Kündigung eines sächsischen Leiharbeiters, der sich bei BMW gegen angebliche rassistische Äußerungen gewehrt hat, werden die Karten neu gemischt.

Das bayerische Landesarbeitsgericht hat in der ersten mündlichen Verhandlung am Dienstag in München angekündigt, dass es Zeugen vernehmen wolle, um die Abläufe im Vorfeld der Kündigung zu klären. In erster Instanz habe die Leiharbeitsfirma Brunel nicht bestritten, dass rassistische Äußerungen gefallen seien, erklärte der Vorsitzende Richter, Wolfgang Karrasch. Nach einem Anwaltswechsel bestreite Brunel diese nun aber.

Damit ist der Prozess weitgehend auf Null gesetzt, nachdem die erste Instanz die Kündigung noch für unwirksam erklärt hatte.

Die Darstellungen der beiden Parteien sind nach Einschätzung des Vorsitzenden Richters ungewöhnlich konträr: "Die eine Seite sagt schwarz, die andere weiß."

Titelfoto: Sina Schuldt/dpa

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