Ein selbstständig fahrendes Wohnzimmer: So sieht der neue BMW aus

München - BMW hat das Geheimnis um sein 2021 startendes Zukunftsauto iNext gelüftet: Es wird ein vollelektrisch und hochautonom fahrendes Luxus-SUV mit neuem Design. Hauptmarkt sollen die USA und China werden. Ab 2021 soll das Fahrzeug im bayerischen Dingolfing vom Band rollen.

Der neue BMW iNext soll 2021 in Serie gehen.
Der neue BMW iNext soll 2021 in Serie gehen.  © BMW/dpa-tmn

Mercedes und Audi wollen ihre ersten vollelektrischen SUVs Ende 2018 und Mitte 2019 auf die Straße bringen. BMW hat neben dem Elektro-Pionier i3 inzwischen eine Flotte von Plug-in-Hybriden im Angebot, will 2020 den iX3 als zweiten vollelektrischen Wagen auf den Markt bringen und mit dem auch lange Strecken selbstfahrenden iNext dann einen technischen Sprung machen.

"Die Hersteller beäugen sich sehr stark", sagt der Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen. "Mercedes hat seinen EQC vorgestellt, sofort hat Audi den Produktionsstart für seinen e-tron angekündigt." Die beiden Rivalen seien hier einen Tick schneller als BMW: "Sie zeigen richtige Autos, da läuft die Produktion jetzt schon an, die kommen 2019 auf den Markt."

Allerdings versteht BMW den iNext als großen Sprung - als "Zukunftsbaukasten" des Konzerns. So soll der Fahrer das Lenkrad auch lange Zeit völlig dem Auto überlassen können: "Wir garantieren Level 3. Technik für Level 4 ist aber schon im Auto", sagte Entwicklungsvorstand Klaus Fröhlich in München. Das erkläre auch, warum der Wagen erst 2021 in Serie geht:

"Die Herausforderungen beim autonomen Fahren sind enorm", betonte er auch mit Blick auf Unfälle anderer Hersteller. Zudem seien im Jahr 2021 Batterien für 750 Kilometer Reichweite verfügbar.

Der Automobilexperte Prof. Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen.
Der Automobilexperte Prof. Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen.

Die Insassen des über weite Strecken selbstfahrenden Autos sollen sich wie in einem Wohnzimmer fühlen - mit Parkettboden, versenkten Pedalen und dreibeinigen Sesseln vorne, einem asymmetrischen Sofa und Teppichfußboden hinten sowie einem Kaffeetisch mitten im Auto. Die Frontscheibe geht in ein Panoramadach über, der Verzicht auf die Mittelsäule zwischen den Türen eröffnet einen großen Ausblick.

"Wir wollten einen neuen Lieblingsplatz schaffen", sagte Designer Matthias Junghanns. Das Auto ist voll mit Technik. Aber sie ist fast unsichtbar, das meiste wird mit Sprache und einfachen Gesten gesteuert. Wie die Konkurrenz sieht auch BMW den Hauptmarkt für solche fünf Meter langen E-SUVs in den USA und China. In München, New York, San Francisco und Peking wurde der iNext Journalisten vorgestellt - an Bord eines Frachtflugzeugs, in dem dafür eine 30 Tonnen schwere Showbühne installiert wurde.

Ob die Infrastruktur reicht, ob die Kunden zögern oder zugreifen - die Politik macht Druck auf die Autohersteller. In China müssen schon im nächsten Jahr 10 Prozent der neu verkauften Autos elektrifiziert sein. "Und 2021 wird es ernst, dann kommen die neuen CO2-Ziele in der EU", sagt Dudenhöffer. "BMW braucht in Europa dann 100.000 vollelektrische Autos, um Strafzahlungen zu vermeiden, ebenso wie Daimler."


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