Medikamente billig aus dem Netz: Apotheker fordern ein Ende

München - Die Deutschen nehmen immer mehr Medikamente - doch viele Apotheker sind eher trüb gestimmt. Denn besonders einträglich ist das Geschäft nicht mehr. Die Billigkonkurrenz im Internet macht vielen zu schaffen.

Die deutschen Apotheker wollen den Online-Handel einschränken. (Symbolbild)
Die deutschen Apotheker wollen den Online-Handel einschränken. (Symbolbild)  © DPA

Die deutschen Apotheker fordern deshalb das von der Großen Koalition versprochene Verbot des Versandhandels mit verschreibungspflichtigen Medikamenten.

Die von Online-Apothekern im europäischen Ausland gewährten hohen Rabatte gefährden nach Angaben der Apothekerverbände die Wirtschaftlichkeit vieler deutscher Apotheken.

Notwendig sei eine juristisch wasserdichte Lösung, die die "Gleichpreisigkeit" bei Medikamenten wiederherstelle, sagte Friedemann Schmidt, Präsident der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (Abda), am Dienstag in München. Das Verbot sei die einzige Lösung, die diese Aspekte berücksichtige.

Am Mittwoch beginnt in München der diesjährige Apothekertag, die Verbandsvertreter erhoffen sich ein klares Wort von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (38, CDU). Im Koalitionsvertrag von Union und SPD heißt es: "Um die Apotheken vor Ort zu stärken, setzen wir uns für ein Verbot des Versandhandels mit verschreibungspflichtigen Arzneimitteln ein." Bisher ist das aber nicht umgesetzt.

Druck macht auch die Staatsregierung: "Jetzt ist eine zügige Umsetzung dieser Vereinbarung wichtig, denn nur so kann die wirtschaftliche Benachteiligung deutscher Apotheken gegenüber ausländischen Versandapotheken beendet und Schaden von unserer hochwertigen und bewährten Arzneimittelversorgung durch öffentliche Apotheken abgewendet werden", sagte Gesundheitsministerin Melanie Huml (43, CSU).

Seit einem Urteil des Europäischen Gerichtshofs aus dem Jahr 2016 sind Online-Versandapotheken in der EU nicht mehr an die deutsche Preisbindung bei Medikamenten gebunden. "Die typische Apotheke bringt einen Ertrag von 70.000 bis 80.000 Euro im Jahr", sagte Schmidt und erklärte weiter: "Ein Ertragsverlust von 20.000 bis 30.000 Euro ist der K.o."

Laut einer vom Verband in Auftrag gegebenen Umfrage unter 500 Apothekern ist die aktuelle wirtschaftliche Lage der Branche nach wie vor gut, doch die Stimmung wird schlechter. Abgesehen von Online-Konkurrenz und wirtschaftlicher Lage beginnen auch Nachwuchssorgen die Apotheker zu plagen.

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