Graffiti als moderne Kunst? Enormer Schaden für Betreiber

München - Zugesprühte Fenster, beschmierte Haltestellen: Graffiti an Zügen und Bahnhöfen kosten die bayerischen Bahnanbieter viel Geld für Reinigungsarbeiten. Die Polizei ermittelt gegen zahlreiche Sprayer.

Graffiti an Zügen kostet die bayerischen Bahnanbieter sehr viel Geld. (Archivbild)
Graffiti an Zügen kostet die bayerischen Bahnanbieter sehr viel Geld. (Archivbild)  © DPA

Für die Sprayer ist es Kunst, für die Bahnbetreiber ist es ein Ärgernis und finanzieller Aufwand: Durch Graffiti an Zügen und Bahnhöfen ist im Freistaat im vergangenen Jahr ein Schaden von mindestens 1,5 Millionen Euro entstanden.

Dies teilte die Bundespolizei nun mit. Die Summe war damit sogar höher als in den Vorjahren. Die Ermittler zählten knapp 2200 Graffiti. Das waren 500 Fälle mehr als noch 2016. Gegen 67 tatverdächtige Sprayer wurden im vergangenen Jahr Ermittlungen wegen Sachbeschädigung eingeleitet.

Wie viele ihrer Regional- und S-Bahn-Züge in den vergangenen Jahren im Freistaat Bayern beschmiert wurden, konnte die Deutsche Bahn allerdings nicht mitteilen. Eine Statistik nur für die Fälle in Bayern gebe es nicht, sagte ein DB-Sprecher.

Bei Alex, Oberpfalzbahn und Waldbahn gab es nach Angaben des privaten Betreibers in diesem Jahr bislang vier Fälle. Im vergangenen Jahr waren es acht und im Vorjahr sechs. Der Schaden durch die Schmierereien an den Zügen lag 2017 bei 20.000 Euro. Im Jahr zuvor lag die Schadenshöhe bei knapp 10.000 Euro.

"Jeder einzelne Fall ist ärgerlich und wird zur Anzeige gebracht", sagte ein Sprecher der Länderbahn. Im Kampf gegen Sprayer verwende das Unternehmen bei beklebten Loks eine Anti-Graffiti-Folie. Weitere Maßnahmen gebe es nicht.

Die Entfernung kostet und für die Dauer sind die Züge nicht nutzbar. (Symbolbild)
Die Entfernung kostet und für die Dauer sind die Züge nicht nutzbar. (Symbolbild)  © DPA

Bei der Bayerischen Oberlandbahn (BOB) "ist das kein großes Thema", erklärte ein Sprecher. Zahlen für die BOB und die Marken Bayerische Regiobahn und Meridian lagen keine vor. Die Agilis- Verkehrsgesellschaft wollte keine Zahlen zu Graffiti an ihren Zügen nennen, "um die Gefahr von Nachahmern so gering wie möglich zu halten."

Im Vergleich zu den privaten Bahnunternehmen wurden die U-Bahnzüge in München und Nürnberg deutlich öfter das Ziel von etwaigen Sprayern.

In der fränkischen Stadt waren es im vergangenen Jahr 28 Fälle, wie die städtischen Verkehrsbetriebe mitteilten. Im Jahr 2016 waren es 21 festgestellte Graffiti.

Der Schaden lag in den Jahren jeweils bei mehr als 35.000 Euro. Dazu kamen einer Sprecherin zufolge Schäden an Anlagen und U-Bahnhöfen in Höhe von 22.000 Euro.

Auch in der bayerischen Landeshauptstadt besprühten Sprayer zahlreiche U-Bahn-Wägen. Im vergangenen Jahr waren es 25 Fälle, im Vorjahr zählte die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) 20 Züge.

"Ein Zug, der beschmiert wurde, geht gar nicht erst in den Fahrgasteinsatz, um keine Nachahmer auf den Plan zu rufen und den Tätern nicht die Genugtuung zu verschaffen, dass ihr "Kunstwerk" öffentlich präsentiert wird", erklärte ein MVG-Sprecher.

Im Kampf gegen die Sprayer werde die Videoüberwachung ausgebaut und auch verdeckte Ermittler seien im Einsatz.

Titelfoto: DPA


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