Illegaler Welpenhandel: Das sind die kriminellen Machenschaften der Händler

München - Rund 500.000 Hundewelpen werden jedes Jahr illegal nach Deutschland gebracht. Vielen kommen aus Osteuropa und müssen die lange Fahrt in winzigen Boxen überstehen. Manche Welpen sind so geschwächt, dass sie die Fahrt nicht überleben.

Rassehunde, die gerade besonders gefragt sind, werden häufig Opfer von skrupellosen Händlern.
Rassehunde, die gerade besonders gefragt sind, werden häufig Opfer von skrupellosen Händlern.  © Tierheim München

Die Hunde werden von den Händlern in Zeitungsanzeigen, online auf Ebay und Facebook oder direkt aus dem Auto heraus verkauft. Gutgläubige Käufer haben Mitleid oder werden von den Dumpingpreisen angelockt.

Meist sind die Hundebabys weniger als 15 Wochen alt. Sie wurden viel zu früh von ihrer Mutter getrennt, sind nicht geimpft oder immunisiert. Viele der Tiere sind deshalb extrem krankheitsanfällig und schwach.

Das Schlimmste an dem kriminellen Geschäft: Dem Tierschutz sind die Hände gebunden.

Denn werden die Tiere sichergestellt und ins Tierheim gebracht, müssen sie erst monatelang in Quarantäne und dort aufgepäppelt werden. In dieser Zeit werden sie zwar medizinisch versorgt, trotzdem müssen sie auf soziale Kontakte und vielfältige Lernerlebnisse verzichten.

Die traurige Wahrheit: Sind die Tiere auf dem gesetzlich vorgeschriebene Impfstatus, müssen sie sogar an die Händler zurückgegeben werden.

Kleinanzeigen auf Ebay und Facebook: So kannst du illegale Hunde-Händler erkennen

Diese beschlagnahmten Welpen müssen prägende Monate in der isolierten Quarantäne verbringen.
Diese beschlagnahmten Welpen müssen prägende Monate in der isolierten Quarantäne verbringen.  © Tierheim München

Kristina Berchtold von Tierschutzverein München verrät im TAG24 Interview, wie gegen die Händler vorgegangen wird:

Um den Kriminellen auf die Schliche zu kommen, ist der Tierschutz auf ehrenamtliche Helfer angewiesen. Diese geben sich zum Beispiel online als Kaufinteressenten aus, wenn ihnen eine Anzeige komisch vorkommt.

Der Verkauf von Tieren ist nicht verboten, erklärt Kristina, allerdings gibt es einige Bestimmungen, die erfüllt sein müssen, damit ein Tier nach Deutschland einreisen darf.

Hundewelpen müssen einen Impfpass haben. Das heißt, sich müssen älter als 12 bis 15 Wochen sein, erst dann können sie gegen Tollwut geimpft werden, weiß Kristina.

Natürlich können Impfpässe leicht gefälscht werden. "Augen auf", mahnt Kristina, "ein 15 Wochen alter Welpe sieht anders aus, als ein acht Wochen alter Welpe." Beim Verdacht auf illegalen Handel sollte man sich folgende Fragen stellen, erklärt die Tierschützerin.

Verdacht auf illegalen Welpenhandel: Worauf musst Du bei Anzeigen achten?

  • Formulierung in der Anzeige: Ist es eine lieblose Beschreibung mit vielen Fehlern?
  • Impfpass: Hat das Tier einen Impfpass und auch die nötigen Impfungen?
  • Alter: Welpen dürfen nicht zu früh von der Mutter getrennt werden.
  • Mutter: Kann man die Eltern der Welpen sehen?

Schockierende Wahrheit: Nach einem Bußgeld gehen die Welpen an die Kriminellen zurück

Ein Welpe schläft erschöpft in einem Körbchen. Viele Tiere sind von den Strapazen völlig geschwächt.
Ein Welpe schläft erschöpft in einem Körbchen. Viele Tiere sind von den Strapazen völlig geschwächt.  © Tierheim München

Oft werden wilde Geschichten erfunden, warum die Elterntiere nicht da sind und sich um die Welpen kümmern, berichtet Kristina Berchtold. Hier sollte man hellhörig werden!

Verdichtet sich der Verdacht auf kriminelle Machenschaften, vereinbart der verdeckte Helfer einen Termin mit dem Händler und verständigt gleichzeitig das Veterinäramt. Denn nur die Behörde darf Tiere beschlagnahmen.

Die Hunde kommen dann die Quarantäne eines Tierheims. Hier werden sie aufgepäppelt und medizinisch versorgt. Der schockierende Fakt: Wenn die Quarantäne abgeschlossen ist, müssen die Welpen den Händlern zurückgegeben werden.

Bis auf ein Bußgeld droht den skrupellosen Händlern keine Strafe. Nur wenn die Händler die Tiere freiwillig an den Tierschutz abtreten, um Kosten zu sparen, können die Hunde gerettet werden.

Die Tierheime bleiben dann zwar auf den Kosten sitzen, können aber ein gutes Zuhause für die Welpen suchen. Den Händlern macht das gar nichts, denn sie besorgen sich einfach neue Welpen und ziehen die ganze Tour erneut durch.

Der Tierschutz kann da gar nichts machen, denn das Gesetz steht nicht auf ihrer Seite. "Die Strafen sind die zu niedrig", erklärt Kristina, die sich härtere Gesetze gegen den Tierhandel wünscht.

Stoppt den illegalen Welpenhandel: Das kannst Du tun

Der Tierschutz München informiert Dich >>hier weiter zur Problematik und mahnt:

  • Kauf keine Tiere über dubiose Kleinanzeigen oder Internetangebote.
  • Kauf keine Tiere bei Straßenhändlern oder Bettlern, auch nicht aus Mitleid.
  • Kauf nur bei seriösen Züchter oder noch besser: Adoptiere ein Tier aus dem Tierheim.

Du willst noch mehr tun? >> Hier kannst Du eine Unterschriftenliste gegen den illegalen Handel mit Welpen herunterladen.

Titelfoto: Tierheim München

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