Zschäpe-Anwältin hält NSU nicht für terroristische Vereinigung

München - Beate Zschäpes Anwältin Anja Sturm zweifelt an, dass der NSU im rechtlichen Sinn eine terroristische Vereinigung gewesen sei.

Beate Zschäpe am Mittwoch im Oberlandesgericht in München.
Beate Zschäpe am Mittwoch im Oberlandesgericht in München.  © DPA

Dafür seien mindestens drei Mitglieder nötig, sagte sie am Mittwoch in ihrem Plädoyer im NSU-Prozess vor dem Oberlandesgericht München. Es kämen dafür aber nur die beiden Terroristen Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt infrage, nicht aber die Hauptangeklagte Beate Zschäpe.

"Beate Zschäpe war Mitglied einer Wohngemeinschaft. Sie war nicht Mitglied einer terroristischen Vereinigung", sagte Sturm. Zschäpe, Mundlos und Böhnhardt seien im Januar 1998 nicht "strategisch untergetaucht", sondern wegen drohender Festnahme der beiden Männer "vielmehr überstürzt und ungeplant" geflüchtet.

Ihren ersten Überfall hätten Mundlos und Böhnhardt dann nur deshalb verübt, weil das Geld knapp gewesen sei und die drei vorübergehend in nur einem Zimmer lebten. Mit sarkastischem Unterton meinte Sturm: "Dem Verständnis des Generalbundesanwalts zufolge gründeten Uwe Böhnhardt, Uwe Mundlos und Beate Zschäpe eine terroristische Vereinigung aus Geldknappheit".

Die Bundesanwaltschaft sieht Zschäpe dagegen als gleichrangiges Mitglied des NSU und hat lebenslange Haft und Sicherungsverwahrung für sie gefordert. Zschäpes zwei Verteidiger-Teams verlangen dagegen Freispruch von allen Terror-Anklagepunkten.

Titelfoto: DPA


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