Nach mehr als fünf Jahren: Heute fällt endlich das Urteil im NSU-Prozess

München - Seit mehr als fünf Jahren wird im Münchner Oberlandesgericht der Mammut-Prozess im NSU-Verfahren abgehalten. Am Mittwoch soll nun das Urteil gegen Beate Zschäpe und vier weitere Angeklagte fallen.

Beate Zschäpe am ersten NSU-Prozesstag im Mai 2013.
Beate Zschäpe am ersten NSU-Prozesstag im Mai 2013.  © DPA

Nach mehr als 430 Prozesstagen, Hunderten Zeugen, endlosem juristischen Hickhack, nach Tagen mit Tränen im Gerichtssaal und mit bewegenden Opfer-Aussagen wird das Münchner Oberlandesgericht das Urteil verkünden - und das wird mit Spannung erwartet.

Denn wie der vorsitzende Richter Manfred Götzl am Ende urteilt, ist noch völlig offen. Während die Anklage eine lebenslange Haft für die Hauptangeklagte Beate Zschäpe fordert, wollen deren Verteidigerteams eine Strafe von höchsten zehn Jahren oder sogar einen Freispruch.

Was am Ende entschieden wird, darüber wagen selbst Experten keine genaue Aussage. Denn: Zschäpe konnte nie nachgewiesen werden, dass sie an einem der Tatorte war, an denen ihre Freunde Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos rassistisch motivierte Morde ausübten. Zugegeben hat sie, von den Bankrauben gewusst zu haben und die letzte Wohnung des Trios nach dem Tod ihrer Freunde angezündet zu haben.

Der letzte Prozesstag startet um 9.30 Uhr, erwartet wird das endgültige Urteil gegen Beate Zschäpe und die vier Mitangeklagten dann auch sehr schnell. Sollten Zschäpes Verteidiger sich am Ende aber entschließen gegen das Urteil in Revision zu gehen, wird der Prozess vor dem Bundesgerichtshof in Karlsruhe wieder aufgerollt.

Update 9.52 Uhr: Während Beate Zschäpe nun mit mehr als zehn Minuten Verspätung den Gerichtssaal betreten hat, hat der Zentralrat der Muslime in Deutschland die Aufklärung des NSU-Terrors als unzureichend kritisiert und weitere Gerichtsverfahren gefordert.

Update 9.49 Uhr: Auch Angela Merkel wird im Rahmen des NSU-Prozess kritisiert: "Das Traurige ist, dass die Kanzlerin sich zumindest für mich nicht deutlich erkennbar wirklich eingesetzt hat für das Versprechen an die Opfer, nämlich volle Aufklärung einzuhalten", sagte Anton Hofreiter, Fraktionschef der Grünen.

Update 9.06 Uhr: Zwei Anwälte der Nebenklage im NSU-Prozess sehen wichtige Fragen zum NSU weiter offen. "Ich habe eine gemischte Gefühlslage zwischen Erleichterung, dass wir endlich durch sind, und Enttäuschung, weil eben die wichtigen zentralen Fragen hier nicht beantwortet wurden", sagte der Nebenklage-Vertreter Mehmet Daimagüler.

Update 8.30 Uhr: Mehrere Stunden vor der Urteilsverkündung hat sich vor dem Oberlandesgericht eine lange Zuschauer-Schlange gebildet. Gegen sieben Uhr am Mittwochmorgen warteten bereits rund 150 Menschen auf dem Vorplatz des Gerichts, einige waren bereits seit dem späten Dienstagabend dort.

Von den vielen Besuchern vor dem Gericht dürfen nur 50 in den Saal.
Von den vielen Besuchern vor dem Gericht dürfen nur 50 in den Saal.  © Marcus Scheidel

Titelfoto: DPA


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