Nach Mega-Prozess: Welches Urteil erwartet Beate Zschäpe?

München - An diesem Mittwoch werden sich im NSU-Prozess ein letztes Mal alle Augen auf Beate Zschäpe richten - und auf den Vorsitzenden Richter Manfred Götzl.

Beate Zschäpe steht seit mehr als fünf Jahren in München vor Gericht.
Beate Zschäpe steht seit mehr als fünf Jahren in München vor Gericht.  © DPA

Nach mehr als fünf Jahren, nach mehr als 430 Prozesstagen, Hunderten Zeugen, endlosem juristischen Hickhack, nach Tagen mit Tränen im Gerichtssaal und mit bewegenden Opfer-Aussagen wird das Münchner Oberlandesgericht das Urteil verkünden.

Zschäpe ist die Hauptangeklagte in diesem Mammutverfahren. Ihre beiden Freunde sind tot. Sie nahmen sich am 4. November 2011 nach einem gescheiterten Banküberfall das Leben.

Die Frage aller Fragen ist nun: Wird Zschäpe als Mittäterin an allen zehn Morden und den Anschlägen verurteilt? Die Strafe dafür wäre dann wohl lebenslange Haft.

Oder wird Zschäpe vom Vorwurf der Mittäterschaft freigesprochen? Dann könnte sie lediglich wegen der Taten verurteilt werden, die sie zugegeben hat: Von den Banküberfällen ihrer Freunde hat sie gewusst und diese gutgeheißen. Und: Sie steckte am 4. November 2011 die letzte Fluchtwohnung des NSU in Brand.

Ihre beiden Vertrauensanwälte fordern deshalb eine Haftstrafe von unter zehn Jahren. Ihre ursprünglichen Verteidiger wollen die sofortige Freilassung. Tatsächlich hat der Bundesgerichtshof die Hürden für eine Verurteilung wegen Mittäterschaft mit vorherigen Urteilen hoch gelegt.

Und gibt es bis heute keinen Beweis, dass Zschäpe an einem der Tatorte war. Wie aber sollte sie dann als Mörderin verurteilt werden können? Bundesanwalt Herbert Diemer begründete das so: "Sie hat alles gewusst, alles mitgetragen und auf ihre eigene Art mitgesteuert und mitbewirkt." Zschäpes Altverteidiger Wolfgang Heer dagegen betonte: "Frau Zschäpe ist keine Terroristin, sie ist keine Mörderin und keine Attentäterin." Und Zschäpe selbst sagte zum Schluss: "Bitte verurteilen Sie mich nicht stellvertretend für etwas, was ich weder gewollt noch getan habe."

Die erstinstanzliche juristische Aufarbeitung der NSU-Taten endet nun. Aber wie? Sogar in Kreisen der Bundesanwaltschaft ist zu hören: Wir wissen nicht, ob unsere Anklage durchkommt. Und wenn: Dann dürfte das Urteil ziemlich sicher zur Revision beim Bundesgerichtshof in Karlsruhe landen.

Titelfoto: DPA


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