Mensch gegen Maschine: Wie schlau kann künstliche Intelligenz werden?

München - Es ist längst keine Zukunftsmusik mehr: Maschinen sprechen mit uns, arbeiten schneller als jeder Mensch und treffen präzise Entscheidungen. In welche Richtung wird sich ihre künstliche Intelligenz (KI) entwickeln? Wissenschaftler der Ludwig-Maximilians Universität (LMU) erklären, wie schlau KI werden kann.

Kann eine künstlich geschaffene Intelligenz den Menschen in Zukunft übertreffen? (Symbolbild)
Kann eine künstlich geschaffene Intelligenz den Menschen in Zukunft übertreffen? (Symbolbild)  © 123RF

Zu Beginn muss man sich fragen: Wie kann eine Maschine überhaupt "intelligent" sein?

"Im Kern besteht künstliche Intelligenz in der Nachahmung von Verhalten, das als intelligent angesehen wird", erklärt Thomas Seidl, Inhaber des Lehrstuhls für Datenbanksysteme und Data Mining der LMU.

"Formal lässt sich KI als mathematische Funktion verstehen", sagt Seidl. Dabei werden Situationen und Beobachtungen aus der realen Welt auf geeignete Entscheidungen abgebildet und als Regel formuliert.

Systeme zur Spracherkennung lernen so zum Beispiel aus Zeitungen, Büchern und Redemanuskripten.

Dabei lernen Maschinen wie wir Menschen nach dem Konzept des selbstverstärkenden Lernens. Das heißt, die Maschine erhält Rückmeldungen über Erfolg und Misserfolg und passt das künftige Verhalten daran an.

Auch der Mensch lernt nach diesem "Trial and Error" Prinzip. Hat uns die Maschine dabei etwas voraus?

Sind Roboter die "besseren" Menschen?

Die Servicekraft von morgen: Roboter Pepper schüttelt auf der MWC in Barcelona Hände. (Archivbild)
Die Servicekraft von morgen: Roboter Pepper schüttelt auf der MWC in Barcelona Hände. (Archivbild)  © Andrea Warnecke/dpa-tmn

Markus Paulus, Inhaber des Lehrstuhls für Entwicklungspsychologie der LMU erklärt den grundlegenden Unterschied: "Menschliche Intelligenz ist in unsere Kultur eingebettet."

Unsere Vorstellungen und Konzepte sind mit der Geschichte gewachsen und damit Teil einer sozialen Lebensform: "Nur ein Wesen, das in dieser Kultur aufwächst, kann sie wirklich verstehen", sagt Paulus.

Um vieles zu erfassen, braucht man einen Körper, der Sinne hat. "Man muss Schmerz fühlen können, um zu wissen, was ihn ausmacht."

Die Intelligenz eines Roboters wird deshalb nie an die eines Menschen heranreiche, meint Paulus. In manchen Fähigkeiten sind Roboter vielleicht besser, "aber in der Bandbreite dessen, was der Mensch kann, in der Flexibilität, in der Grundsätzlichkeit, wird KI nicht an den Menschen herankommen", so Paulus.

Trotzdem: Künstliche Intelligenz wählt präzise und rational aus. Sollte sie deshalb unsere Entscheidungen übernehmen?

Rational und präzise: Kann künstliche Intelligenz besser entscheiden?

Die Künstliche Intelligenz "Alexa" in Amazons Echo löst kleine Alltagsaufgaben. Künftig soll mit solchen Technologien aber noch viel mehr möglich sein. (Archivbild)
Die Künstliche Intelligenz "Alexa" in Amazons Echo löst kleine Alltagsaufgaben. Künftig soll mit solchen Technologien aber noch viel mehr möglich sein. (Archivbild)  © DPA

"Künstliche Intelligenz produziert mit Hilfe von Daten 'Einschätzungen'", erklärt Professor Monika Schnitzer, Seminar für Komparative Wirtschaftsforschung.

"Zum Beispiel kann eine Kreditkartenunternehmung künstliche Intelligenz verwenden, um auf der Basis von Erfahrungswerten die Wahrscheinlichkeit zu berechnen, ob eine Kreditkarte, die gerade zum Kauf eingesetzt werden soll, gestohlen ist."

Zahlungen können auf Basis dieser Einschätzungen dann verweigert werden, wenn die Wahrscheinlichkeit hoch ist, dass die Karte gestohlen wurde.

Viele Geschäftsmodelle arbeiten mit solchen Einschätzungen. KI kann hier kostengünstiger als Menschen arbeiten, indem sie große Datenmengen auswertet.

Doch auch hier hat der Mensch einen entscheidenden Vorteil, denn KI kann die Folgen von Handlungen nicht selbstständig bewerten. "Maschinen führen nur aus, was Menschen ihnen vorgeben", sagt Schnitzer.

"Intelligente" Maschinen werden in unserem Alltag immer mehr zunehmen und vieles vermeintlich erleichtern oder besser bewerkstelligen als wir Menschen. Trotzdem können sie uns nicht ersetzten, denn der Mensch hat der Maschine eines voraus: Die Fähigkeit emotional zu handeln.

Titelfoto: 123RF


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