Alois Glück: Kommunen und Kirchen haben Pflicht für mehr Artenschutz

München - Nach den Landwirten sieht Alt-Landtagspräsident Alois Glück (79) nun den Freistaat, die Kommunen, die Kirchen und alle anderen großen Bodenbesitzer in der Pflicht für mehr Artenschutz.

Alt-Landtagspräsident Alois Glück spricht beim Artenschutz Klartext.
Alt-Landtagspräsident Alois Glück spricht beim Artenschutz Klartext.  © Oliver Berg/dpa

"Es gibt im Freistaat ein riesiges Flächenpotenzial, welches für die Gemeinschaftsaufgabe Artenschutz und Naturschönheit genutzt werden muss", sagte Glück der Deutschen Presse-Agentur.

Am Montagnachmittag wird der 79-Jährige erneut die Moderation beim Runden Tisch für mehr Natur- und Artenschutz in der Staatskanzlei übernehmen. Dann wollen Verbände, Vereine, Kommunen und Kirchen über Formen des Tierschutzes sprechen.

"Wir wollen ja ein Volksbegehren plus umsetzen, neben den landwirtschaftlichen Aspekten gibt es daher noch viele Themen, die nun umgesetzt werden müssen", sagte Glück. Er denke dabei etwa an die Parks und Wegränder in Städten und Gemeinden. Alle, die einen Flächenbesitz haben, müssten ihren Anteil zum Gelingen beitragen.

Dies hätten ja auch die Gespräche im Frühjahr mit den Landwirten gezeigt. "Artenschutz ist nicht nur eine Aufgabe für unsere Bauern."

Wichtige Themen seien in dem Kontext auch der Umgang mit dem Wald als Speicher für Kohlendioxid und die Gewässerökologie.

Vor knapp acht Monaten hatte der Runde Tisch zuletzt getagt. Damals saßen neben den nun wieder geladenen Vereinen und Verbänden auch noch die Initiatoren des Volksbegehrens Artenschutz, "Rettet die Bienen" mit am Tisch.

Diese hat Ministerpräsident Markus Söder (52, CSU) nun nicht mehr eingeladen. Dies hatte schon im Vorfeld der Veranstaltung für Kritik gesorgt. Zu Unrecht, wie Glück findet: "Jetzt geht es doch um die weitere Umsetzung unserer bisherigen Beratungsergebnisse, dafür braucht es keine Politiker am Tisch", sagte er.

AfD reicht Verfassungsklage ein

Alois Glück sieht beim Artenschutz mehrere Parteien in der Pflicht.
Alois Glück sieht beim Artenschutz mehrere Parteien in der Pflicht.  © Matthias Balk/dpa

Einer der ausgeladenen Initiatoren, Ludwig Hartmann (41) von den Grünen, sieht das völlig anders, sieht allerdings die Position der Tierschützer am Tisch nicht wirklich geschwächt: "Unser großes Bündnis für die Bewahrung der Tier- und Pflanzenvielfalt in Bayern steht und spricht weiter mit einer Stimme. Egal wer und wie viele von uns am Runden Tisch sitzen: Die Haltung und die Durchschlagskraft bleiben gleich", sagte er.

Für Glück geht es nach eigenen Angaben nun darum, praktische Lösungen für alle Beteiligten bei der Pflege der Flächen zu erarbeiten. "Wir wollen keinen Aktionismus entfalten, es braucht weiter viel Fachbetreuung", sagte er. Bildungsarbeit sei ein Schlüssel zu Erfolg.

Erstmals hatte Söder den Runden Tisch im Frühjahr nach dem Rekord-Erfolg des Volksbegehrens ins Leben gerufen, um zwischen Landwirten und Initiatoren des Volksbegehrens zu vermitteln.

Vor allem der Bauernverband hatte heftig gegen die Initiative protestiert. Indirekt nutzte Söder den Tisch aber auch, um die entsprechende Kritik am Artenschutz in seiner Regierung und in der CSU zu moderieren.

In der Folge übernahm die Regierung die Forderungen des Volksbegehrens. Im Landtag wurde im Sommer zeitgleich ein sogenanntes Versöhnungsgesetz verabschiedet, welches finanzielle Kompensationen für die Landwirte regelt.

Die AfD-Fraktion im Landtag hat inzwischen Verfassungsklage gegen beide Gesetze eingereicht.

Für Glück ist der bisherige Verlauf - nicht nur der Beratungen am Runden Tisch - dagegen ein voller Erfolg. "Bald müssen wir eine Bilanz ziehen, was in diesem Jahr alles für den Artenschutz in Bayern passiert ist."

Titelfoto: Matthias Balk/dpa

Mehr zum Thema München Politik:


WhatsApp Wir bei WhatsApp: 0160 - 24 24 24 0