Neuer Landtag in Bayern: Sogar Tote können bei Wahl mitentscheiden

München - Die Briefwahl wird immer beliebter. Auch aus Bequemlichkeit ziehen viele Menschen das Wählen am eigenen Küchentisch vor. Vor allem in Bayern ist diese Form der Stimmabgabe ein wahrer Renner bei den Wählern.

Die Briefwahl wird auch in Bayern ein immer beliebteres Mittel der Wähler. (Symbolbild)
Die Briefwahl wird auch in Bayern ein immer beliebteres Mittel der Wähler. (Symbolbild)  © DPA

Man sitzt am Küchentisch, der frisch gebrühte Kaffee auf der einen, der Laptop zur Recherche auf der anderen Seite und in der Mitte die Wahlzettel. So lässt es sich doch in aller Ruhe wählen.

Immer mehr Deutsche nutzen diese Gelegenheit - auch ganz ohne triftigen Grund. Einfach nur, weil es so herrlich bequem ist. Das ist nicht unumstritten.

Denn Briefwahl soll dem Gesetzgeber zufolge eigentlich die Ausnahme sein. Der Grund dafür: Nur im Wahllokal können die Wahlrechtsgrundsätze eingehalten werden, allen voran das Wahlgeheimnis.

Bei einer Briefwahl könne nicht kontrolliert werden, ob ein Wähler seinen Stimmzettel selbst ausfüllt oder dies - gegebenenfalls unter Druck - einem Dritten überlässt, heißt es dazu vom Büro der Landeswahlleitung.

Vielen Deutschen scheint der Komfort indes aber wichtiger als das strenge Einhalten der Wahlrechtsgrundsätze. Die Zahl der Briefwähler steigt seit Jahren an. Der Hauptgrund für die Entscheidung zur Wahl daheim statt im Wahllokal: Urlaub.

Fast 22 Prozent der Befragten nannten einer infratest-dimap-Umfrage von 2015 zufolge diesen Grund. Gleich danach folgten Bequemlichkeit (19,3 Prozent), mögliche Abwesenheit am Wahltag (17,6 Prozent) und Termin am Wahltag (17,6 Prozent). 13,4 Prozent wollten ungestört zu Hause wählen. Krankheit gaben indes nur 5 Prozent der Befragten an.

Den Gang in die Wahllokale treten immer weniger Wähler an. (Symbolbild)
Den Gang in die Wahllokale treten immer weniger Wähler an. (Symbolbild)  © DPA

Die meisten Briefwähler gibt es in Bayern. Etwa 37 Prozent aller Wähler im Freistaat haben dem Landesamt für Statistik zufolge bei der Bundestagswahl 2017 und der Landtagswahl 2013 ihre Kreuze lieber daheim als im Wahllokal gemacht. Und die Tendenz ist auch hier steigend.

Bis 2012 musste in Bayern gut begründet werden, warum man nicht persönlich im Wahllokal erscheinen kann. Für die Bundestagswahl wurde das bereits 2008 abgeschafft. Darauf wurde zum einen verzichtet, weil ohnehin kaum kontrolliert wurde, ob die Begründungen auch stimmten.

Zum anderen habe der Gesetzgeber erkannt, dass "immer weniger Menschen bereit und in der Lage sein dürften, ihre individuelle Lebensgestaltung einzuschränken, um im "eigenen" Wahllokal wählen zu können", heißt es vom Büro der Landeswahlleitung.

Entsprechend wird wohl von den fast 9,5 Millionen wahlberechtigten Bayern jeder vierte, vielleicht sogar jeder dritte tatsächlich seine Kreuze am Küchentisch statt im Wahllokal machen. Ausgezählt werden diese Stimmen - wie alle anderen auch - am Wahlabend ab 18 Uhr.

Dann werden übrigens auch die gültigen Stimmen von Briefwählern mitgezählt, die noch vor der Landtagswahl am 14. Oktober gestorben oder weggezogen sind. Dem Büro der Landeswahlleitung zufolge werden sie dadurch nicht ungültig. Das regelt das Landeswahlgesetz. Wie viele Tote deshalb mitwählen, ist statistisch allerdings nicht erfasst.

In Bayern wird am 14. Oktober 2018 ein neuer Landtag gewählt. (Symbolbild)
In Bayern wird am 14. Oktober 2018 ein neuer Landtag gewählt. (Symbolbild)  © DPA

Titelfoto: DPA


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