NSU-Prozess: Gericht will sich Kritik an Zschäpe-Gutachten anhören

Die Gutachter sind sich noch uneins, ob Beate Zschäpe schuldfähig ist oder nicht.
Die Gutachter sind sich noch uneins, ob Beate Zschäpe schuldfähig ist oder nicht.  © DPA

München - Nach zwei Wochen Osterpause geht der NSU-Prozess mit voraussichtlich neuem Streit um die psychiatrische Beurteilung von Beate Zschäpe weiter.

Das Gericht will am Mittwoch und Donnerstag den Bochumer Hirnforscher und Psychiater Pedro Faustmann vernehmen.

Faustmann soll im Auftrag der drei Zschäpe-Pflichtverteidiger Wolfgang Heer, Wolfgang Stahl und Anja Sturm das Gutachten des Sachverständigen Henning Saß "methodenkritisch" bewerten.

Saß hatte Zschäpe volle Schuldfähigkeit bescheinigt und eine andauernde Gefährlichkeit der Angeklagten für möglich erklärt. Zur Vernehmung Faustmanns ist an beiden Tagen auch Saß geladen.

Zschäpe hatte fast 14 Jahre gemeinsam mit den NSU-Terroristen Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt im Untergrund gelebt. Während dieser Zeit sollen die beiden Männer zehn Menschen in ganz Deutschland erschossen haben. Neun der Opfer waren türkisch- oder griechischstämmige Gewerbetreibende. Das Motiv dafür war nach Überzeugung der Bundesanwaltschaft Fremdenhass. Zschäpe ist wegen Mittäterschaft angeklagt.

In der Woche danach soll dann auch der Freiburger Psychiater Joachim Bauer vor Gericht aussagen. Bauer war von Zschäpe und ihren beiden Wunschverteidigern Mathias Grasel und Hermann Borchert engagiert worden. Grasel sagte der Deutschen Presse-Agentur, er habe Bauer für den 3. und 4. Mai geladen.

Bauer soll Zschäpe - anders als Saß - Schuldunfähigkeit attestiert haben. Auch das Gericht hatte ihn schon einmal geladen, allerdings nur als Zeugen, nicht als Sachverständigen. Dafür hatte ihn Zschäpe allerdings nicht von der Schweigepflicht entbunden.

Titelfoto: DPA


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