Wie ein Obdachloser den Winter überlebt: "Du musst lachen können"

München - Nico ist gelernter Koch - seit mittlerweile vier Jahren ist er obdachlos. Um auch bei eisigen Temperaturen auf den Straßen von München überleben zu können, muss man seiner Ansicht nach vor allem eines: positiv denken.

Nico ist seit vier Jahren obdachlos.
Nico ist seit vier Jahren obdachlos.  © NEWS5 / Pieknik

"Du musst Humor haben, lachen können und einigermaßen gesund sein, dann überlebst du auch den Winter auf der Straße", erklärt der 42-Jährige gegenüber NEWS5.

Um der Kälte wenigstens ein wenig zu entfliehen, muss man kreativ werden. Nico zeigt auf das Häuschen einer Bushaltestelle: "Die letzten Tage war es immer sehr windig, dann setze ich mich da einfach rein, dort ist es windstill und wenn es beginnt zu schneien, dann bleibt es da trotzdem trocken."

Die Zahl der Obdachlosen in deutschen Großstädten wächst seit Jahren - auch in der bayerischen Landeshauptstadt. "Laut offiziellen Zahlen leben in München 550 Menschen auf der Straße, wir glauben es sind bis zu 1000", erläutert Ludwig Mittermeier gegenüber dem Online-Portal.

Mittermeier ist Vorstand des Katholischen Männerfürsogevereins, der eine Wohnungslosenunterkunft in München betreibt.

"Auch nach der Kälteperiode ist es kein Spaß in einer Großstadt wie München auf der Straße zu leben", erläutert er.

Wie ein Obdachloser den Winter in München überlebt

In einem Häuschen einer Bushaltestelle kann sich Nico wenigstens vor dem eisigen Wind schützen.
In einem Häuschen einer Bushaltestelle kann sich Nico wenigstens vor dem eisigen Wind schützen.  © NEWS5 / Pieknik

Nico braucht Geld, um zu überleben. Seine Haupteinnahmequelle ist Pfandflaschen sammeln. Außerdem kümmern sich Ehrenamtliche des Münchner Kältebusses im Winter um Menschen, die auf der Straße leben. Sie bringen heißen Tee und eine warme Mahlzeit.

Am Isartor wartet der Lebenskünstler zusammen mit weiteren Obdachlosen sehnsüchtig auf die Helfer. "Ich hoffe jeden Abend, dass die wirklich kommen, jeder Mensch braucht ein warmes Essen am Tag", so der 42-Jährige.

Seinen Schlafplatz hat Nico ebenfalls am Isartor. In einem Karton hat er eine Luftmatratze, ein paar Kissen und eine Decke gebunkert. Mehr braucht er nicht: "Die Leute beschweren sich immer. Im Winter ist es ihnen zu kalt, im Sommer zu warm. Ich kuschele mich im Winter in meine Decke ein und im Sommer tue ich sie weg, da brauch ich mich nicht beschweren."

Um einschlafen zu können, macht sich Nico warme Gedanken: "Ich lege mich dann hin, mach die Augen zu und in meinem Kopf läuft dann ein Film ab. Ein Film, der schon einmal im Fernseher kam, dadurch schlaf ich ein."

Titelfoto: NEWS5 / Pieknik

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