Streit um angeblichen Da Vinci geht weiter

München - Als Sprinter schrieb Armin Hary Sportgeschichte - vor Gericht absolviert er dagegen einen Marathon. Seit Jahren streitet er mit einem Galeristen um ein angebliches Werk von Leonardo da Vinci. Der Fall ist kompliziert - und ein Ende nicht in Sicht.

Der Anwalt der Familie von Ex-Olympiasieger Armin Hary hält eine Abbildung der Verkündigungsmadonna in die Kamera. Um das Gemälde, das von Leonardo da Vinci stammen soll, gibt es einen jahrelangen Rechtsstreit zwischen der Familie und einem Galeristen.
Der Anwalt der Familie von Ex-Olympiasieger Armin Hary hält eine Abbildung der Verkündigungsmadonna in die Kamera. Um das Gemälde, das von Leonardo da Vinci stammen soll, gibt es einen jahrelangen Rechtsstreit zwischen der Familie und einem Galeristen.  © DPA

Zwei ältere Herren und ein jahrzehntelanger Kampf um eine junge Dame: Vor dem Oberlandesgericht (OLG) München geht am Montag (9.45 Uhr) der Streit um die sogenannte Verkündigungsmadonna weiter, die von niemand geringerem als Leonardo da Vinci gemalt worden sein soll.

Ex-Olympiasieger Armin Hary (82) und seine Familie streiten seit Jahren mit einem Galeristen um das Gemälde, das derzeit im Depot der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen aufbewahrt wird (TAG24 berichtete). "Seit 30 Jahren geht das schon", sagte Hary, der 1960 mit seinem 100-Meter-Weltrekord Sportgeschichte schrieb, beim Prozessauftakt im Oktober 2018. "Ich bin Geschäftsmann, aber so etwas habe ich noch nie erlebt."

Ähnlich sieht das allerdings auch sein Gegenpart, der Galerist. Er bestreitet vehement, dass Hary einen berechtigten Anspruch auf das Bild hat. Denn während Hary angibt, sein Kontrahent habe mehr als 300.000 D-Mark Schulden aus einem Auftragsverkauf seiner Bilder bei ihm gehabt und ihm zur Begleichung der Schulden die Madonna zugesichert, sagt der Galerist, Hary habe gar nicht alle Bilder, die er für ihn verkaufen sollte, geliefert.

"Die nicht gelieferten Bilder sind die wertvollen. Der Wert der gelieferten Bilder ist relativ gering", sagt Josef Franz Neidlinger, der Anwalt des Galeristen. "Es liegt kein Kommissionsgeschäft vor, sondern ein von Seiten Hary nicht erfüllter Kaufvertrag über ein Paket von Bildern.

Wegen Nichterfüllung ist der Kaufpreis nicht fällig geworden."

Vermeintlich Millionen wert: Wurde das Gemälde wirklich von Da Vinci gemalt?

Der Olympiasieger von 1960 und ehemalige Weltrekordhalter über 100 Meter, Armin Hary.
Der Olympiasieger von 1960 und ehemalige Weltrekordhalter über 100 Meter, Armin Hary.  © DPA

Die Madonna, auf die der ehemalige Sportstar nun Anspruch erhebt, ist nach Einschätzung des Galeristen bis zu 450 Millionen Euro wert. Er ist sich absolut sicher, dass es sich tatsächlich um einen echten Leonardo handelt und hat umfangreiche Recherchen angestellt, um das zu untermauern. Unter Kunstexperten ist diese Ansicht nicht unumstritten. Das Gemälde könnte beispielsweise auch von einem Schüler des Meisters stammen.

Das Landgericht Ingolstadt hatte Hary in dieser unendlichen Geschichte in erster Instanz weitgehend recht gegeben und seinen Anspruch bestätigt, dagegen ging der Galerist in Berufung. Das Oberlandesgericht München versuchte zunächst, die Chronologie der Ereignisse zu ordnen. Es geht dabei auch um alte Mahn- und Pfändungsbescheide, eine einstweilige Verfügung und im Grunde die alles entscheidende Frage, wem die Madonna denn nun gehört.

"Die Beurteilung des Falles wird auch dadurch erschwert, dass wir teils überlagernde Geschehnisse haben", sagte die Vorsitzende Richterin zum Prozessauftakt.

Auch weil das alles so kompliziert ist, appellierte das Gericht in den bislang zwei mündlichen Verhandlungen an die Streithähne, sich auf einen Vergleich zu einigen. Das Gericht machte Ende Januar einen entsprechenden Vorschlag: Der Galerist zahlt 150.000 Euro an die Familie Hary - und beteiligt sie mit 10 Prozent am Erlös, sobald das Gemälde verkauft wird.

"Es ist für mich nicht nachvollziehbar, warum es nicht möglich ist, dieses Bild zu verscherbeln", sagte die Vorsitzende Richterin. "Aber vielleicht ist es ja gut und wie bei Immobilien», sagte sie. «Je länger man sich streitet, desto mehr werden sie wert - zumindest hier in München."

Doch die Fronten blieben verhärtet. Zu einer Einigung kam es nicht. Denn an diesem Montag wird weiter verhandelt. Nach Angaben einer Gerichtssprecherin ist auch dann eher nicht mit einem Ende in dem Dauerstreit zu rechnen.

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