Antisemitismus? Verdacht schockt Polizei, Mitglieder von Spezialeinheit suspendiert

München - Lange galt die Polizei in Bayern als Vorzeigeinstitution, als kompetent und vor allem skandalfrei. Inzwischen kratzen etliche Vorkommnisse an diesem Bild. Jetzt wirft auch noch ein Antisemitismus-Verdacht dunkle Schatten.

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann hat eine klare Meinung zum Vorfall.
Bayerns Innenminister Joachim Herrmann hat eine klare Meinung zum Vorfall.  © DPA

Schwere Vorwürfe stehen gegen bayerische Polizisten im Raum. Sie sollen in einem überwiegend privaten Chat etwa Videos geteilt haben, die antisemitisch sein könnten.

Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft und auch interne Untersuchungen müssen jetzt zeigen, was davon tatsächlich strafrechtlich relevant ist und welche Konsequenzen den Beteiligten dann drohen.

Münchens Polizeipräsident Hubertus Andrä (63) sagte, im Visier sei nur ein einziger Chat, in dem aktive und ehemalige Beamte eines Zugs des Unterstützungskommandos (USK) Mitglieder seien. Das USK ist eine Spezialeinheit der Polizei.

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (62, CSU) und Münchens Polizeiführung zeigen sich schon jetzt geschockt. "Das widerspricht allen Werten, für die die bayerische Polizei steht", erklärte Herrmann hinsichtlich der laufenden Ermittlungen.

Unter anderem geht es um Bilder von Hakenkreuzschmierereien und geteilte Videos auf dem privaten Handy eines Polizisten, die antisemitisch sein könnten. Herrmann sagte: "Wer sich derart verhält, hat in den Reihen der Polizei nichts zu suchen."

Andrä sagte, er sei wirklich erschüttert über das Verhalten von manchen Kolleginnen und Kollegen. Er betonte: "Dieses Verhalten kann ich und werde ich nicht akzeptieren, denn es schädigt das Ansehen der Münchner Polizei."

Mehrere Polizisten als Folge vom Dienst suspendiert

Münchens Polizeipräsident Hubertus Andrä ist aufgrund des Verdachts erschüttert.
Münchens Polizeipräsident Hubertus Andrä ist aufgrund des Verdachts erschüttert.  © DPA

Neben der Staatsanwaltschaft wird auch intern gegen die Verdächtigen ermittelt. Sechs Polizisten wurden vom Dienst suspendiert. Dem Vernehmen nach handelt es sich um eine Chatgruppe mit mehreren Dutzend Beamten.

Der Fall in Bayern erinnert an den Polizeiskandal von Frankfurt. Dort sollen sich Polizisten über einen Messengerdienst beleidigende und fremdenfeindliche Bilder, Videos und Texte zugeschickt haben.

Im Münchner Fall wurde im Fotoarchiv des Handys eines Polizisten ein Foto von einer Hakenkreuzschmiererei in einem Münchner Park gefunden. Eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft erklärte, dass alles auf strafrechtlich Relevanz überprüft werde.

Unter den Beamten sind vier Mitglieder des Unterstützungskommandos (USK), ein Beamter des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd und ein Beamter des Bayerischen Landeskriminalamts, auf dessen Handy die Inhalte gefunden worden waren.

Weitere acht Beamte des Einsatzzugs und ein Beamter des Spezialeinsatzkommandos (SEK) wurden nach Angaben der Münchner Polizei wegen ihrer Äußerungen in dem Chat aus ihren Einheiten genommen.

Strafbar seien diese Äußerungen allerdings jedoch nicht, hieß es weiter.

Im Visier der Ermittler sind aktive und frühere Beamte eines Unterstützungskommandos. (Symbolbild)
Im Visier der Ermittler sind aktive und frühere Beamte eines Unterstützungskommandos. (Symbolbild)  © DPA

Titelfoto: DPA

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