Tod von Mädchen im Irak: Deutsche steht vor Gericht, Verfassungsschützer macht Aussage

München - Es ist ein Verfahren, das deutschlandweit für Aufsehen sorgt: Ein Beamter des Bundesamtes für Verfassungsschutz kommt am Donnerstag im Prozess um den Tod eines jesidischen Mädchens zu Wort.

Die 28 Jahre alte Jennifer W. muss sich vor dem Oberlandesgericht verantworten.
Die 28 Jahre alte Jennifer W. muss sich vor dem Oberlandesgericht verantworten.

Er soll vor dem Oberlandesgericht (OLG) München als Zeuge vernommen werden.

Angeklagt in Bayern ist eine 28 Jahre alte Deutsche aus Niedersachsen, die sich der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) angeschlossen haben soll.

In einem Anwesen im irakischen Falludscha soll sie 2015 tatenlos dabei zugesehen haben, wie ein fünf Jahre altes Mädchen stundenlang ohne Wasser in er Sonne ausharren musste und schließlich starb.

Die Bundesanwaltschaft wirft ihr deshalb Mord durch Unterlassen und Kriegsverbrechen vor.

Laut Anklage war die 28-Jährige mit einem Iraker verheiratet, der das Mädchen und dessen mutmaßliche Mutter zum Zeitpunkt der grausamen Tat als Sklaven gehalten haben soll.

Die 47-Jährige ist auch Nebenklägerin und soll am Donnerstag zum wiederholten Male als Zeugin vernommen werden.

Update 15.30 Uhr: Verfassungsschützer bestätigt Bezug zum Islamischen Staat

Die im Prozess um ein verdurstetes Jesidenmädchen angeklagte Deutsche hat laut Verfassungsschützern in sozialen Medien mit der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) sympathisiert.

Die 28-Jährige sei im Internet mit einem Namen aufgetreten, den man mit fremde oder westliche Märtyrerin übersetzen könne, sagte ein Beamter des Bundesamtes für Verfassungsschutz am Donnerstag als Zeuge vor dem Oberlandesgericht (OLG) München.

Die aus Niedersachsen stammende Frau soll laut Anklage tatenlos zugesehen haben, wie das Sklavenmädchen ohne Wasser in der prallen Sonne ausharren musste. Vorgeworfen werden ihr deshalb Mord durch Unterlassen und Kriegsverbrechen.

Jennifer W. habe die Errichtung des Kalifats gelobt und andere Menschen zur Reise in das IS-Gebiet aufgefordert, sagte der Verfassungsschützer. Auf einer Plattform soll sie geschrieben haben: "Get married and migrate to Sham", heiratet und wandert nach Syrien aus.

Auch einen Mordaufruf wollen die Ermittler entdeckt haben, soll sie doch unter dem Foto eines Mannes geschrieben haben: "Dieses halbe Hemd" treibe immer noch sein Unwesen. Ein Haufen Brüder mache sich auf, ihn zu killen.

Die Vorwürfe gegen die 28 Jahre alte Frau aus Niedersachsen wiegen äußerst schwer.
Die Vorwürfe gegen die 28 Jahre alte Frau aus Niedersachsen wiegen äußerst schwer.  © Peter Kneffel/dpa

Titelfoto: Peter Kneffel/dpa

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