Junge Frauen zu lebensgefährlichen Stromexperimenten bewegt: Falscher Arzt vor Gericht

München - Es war ein lebensgefährlicher Nebenjob, auf den sich Frauen über das Internet einließen. Ein Mann gab sich in Bayern als Arzt an einer Universität aus - zu Forschungszwecken sollten sie sich Stromschlägen aussetzen.

Vor dem Landgericht München II muss sich der Mann nun verantworten.
Vor dem Landgericht München II muss sich der Mann nun verantworten.

Der Vorwurf wiegt schwer: Der Mann soll über Jahre hinweg als falscher Arzt immer wieder junge Frauen zu lebensgefährlichen Stromexperimenten in Bayern überredet und diese durchgeführt haben.

Medienberichten zufolge hat er sich bundesweit gegenüber den Opfern als Mediziner an einer Universität ausgegeben und sie über das Internet auf diese Art und Weise letztlich dazu gebracht, an vermeintlichen Forschungen teilzunehmen.

Von Dienstag (9.30 Uhr) an muss der Angeklagte sich am Landgericht München II verantworten.

Es geht um Dutzende Fälle, in denen die Frauen sich nach Anweisung des falschen Arztes Stromstöße selbst zufügten. Der Mann soll die angeblichen Versuche live über das Internet verfolgt haben.

Den Berichten zufolge hat der Mann, der IT-Fachmann sein soll, auch Videos von den Taten angefertigt. Eine 16-Jährige soll ihn angezeigt haben, die selbst Opfer von lebensbedrohlichen Stromschlägen wurde.

Der Mann wurde schließlich an seinem Wohnsitz von der Polizei festgenommen.

Frauen reagieren auf Anzeige des Angeklagten im Internet

Die jungen Frauen hatten im Internet nach Jobs gesucht - daraufhin meldete sich der Mann und bot die vermeintliche Mitarbeit an der Forschung an. Dafür sollten sie auch entsprechend bezahlt werden.

Nun muss sich der 30-Jährige von Dienstag an wegen versuchten Mordes, gefährlicher Körperverletzung, Missbrauch von Berufsbezeichnungen und anderen Delikten vorm Landgericht München II verantworten.

Für den Prozess gegen den gebürtigen Würzburger sind zunächst 15 Verhandlungstage bis zum Januar angesetzt, wie das zuständige Gericht am Freitagmittag offiziell mitteilte.

Update 12.30 Uhr: Öffentlichkeit teilweise ausgeschlossen

Im Prozess um 88-fachen versuchten Mord mit lebensgefährlichen Stromschlägen hat das Landgericht München II die Öffentlichkeit am Dienstag für weite Teile der Verhandlung ausgeschlossen. Es folgte damit einem Antrag der Verteidigung.

Der Anwalt des 30 Jahre alten Angeklagten hatte den Ausschluss gefordert, weil es "um das Sexualleben" des Mannes gehe und er inzwischen in einem psychiatrischen Krankenhaus behandelt werde. Die Öffentlichkeit wurde für die Einlassungen des Angeklagten, Aussagen der zum Tatzeitpunkt minderjährigen Zeuginnen und die Schlussplädoyers ausgeschlossen.

Der Vorsitzende Richter begründete das damit, dass es um das "Sexualleben" des Angeklagten und "intime Wünsche" gehe. Die Anklage gehe von der "Befriedigung des Geschlechtstriebes" als Mordmerkmal aus und von einer "fetischistischen Komponente" im Tatmotiv.

Die Vorwürfe gegen den Angeklagten wiegen äußerst schwer. (Symbolbild)
Die Vorwürfe gegen den Angeklagten wiegen äußerst schwer. (Symbolbild)  © Matthias Merz/dpa

Titelfoto: Matthias Merz/dpa

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