Wieder Ausfälle bei der S-Bahn: Jetzt schaltete sich die Staatsregierung ein

München - Erneute Probleme bei der Münchner S-Bahn mit monatelangen Ausfällen werden zu einem Fall für die bayerische Staatsregierung.

Nach der Ankündigung der Deutschen Bahn, dass über Monate S-Bahnen auch im Münchner Umland ausfallen, wendet sich der Landkreis München an den Konzern und die Staatsregierung.
Nach der Ankündigung der Deutschen Bahn, dass über Monate S-Bahnen auch im Münchner Umland ausfallen, wendet sich der Landkreis München an den Konzern und die Staatsregierung.  © Frank Leonhardt/dpa

"Die Bahn muss rasch ein Ersatzkonzept vorlegen. Wir erwarten eine zeitnahe Lösung für die Pendler im Großraum München", sagte der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU) dem "Münchner Merkur". "Zudem werden wir ernsthaft Vertragsstrafen gegenüber der Bahn prüfen."

Die Bahn hatte mitgeteilt, dass bis Dezember bei der S3 und der S8 die "Taktverstärker" aus dem Fahrplan genommen werden, die in der Hauptverkehrszeit den Fahrplan auf einen 10-Minuten-Takt verdichten statt der üblichen 20 Minuten oder mehr.

Die S8 ist eine der beiden Linien zum Münchner Flughafen. Zusätzlich sollen bei der S2 und der S20 einzelne Züge entfallen.

Als Gründe nannte die Bahn unter anderem fehlende Fahrzeuge und Bauarbeiten auf einem Werkstattgelände. Bayerns Verkehrsminister Hans Reichhart (CSU) mahnte am Donnerstag: "Die Situation ist so nicht hinnehmbar. Wir dringen darauf, dass seitens der Bahn die vertraglich vereinbarten Takte eingehalten werden."

Er sprach von einer "unhaltbaren" Situation. Bei der Suche nach kreativen Lösungen dürften Finanzen keine Rolle spielen.

Ausfälle bei der Münchner S-Bahn, das lässt auch die Politiker nicht kalt

Die Ausfälle bei der Münchner S-Bahn rufen nun die Politiker auf den Platz.
Die Ausfälle bei der Münchner S-Bahn rufen nun die Politiker auf den Platz.  © Matthias Balk/dpa

Die Nachricht sei ein "Schlag ins Gesicht", so der Münchner Landrat Christoph Göbel (CSU). "Statt der versprochenen Taktverdichtung werden jetzt sogar Züge gestrichen. Das wird den Verkehrskollaps noch weiter verstärken - und zwar auf Schiene und Straße."

In der Mitteilung heißt es: "Wer kann, wird über kurz oder lang aufs Auto umsteigen - und in einem noch längeren Stau als gewöhnlich stehen."

Rund 840.000 Menschen nutzen die S-Bahn pro Werktag. Alle Linien werden in der Münchner Innenstadt über die sogenannte Stammstrecke geleitet.

Zur Entlastung des für Störungen anfälligen S-Bahn-Netzes wird eine zweite Stammstrecke gebaut. Sie soll 2028 in Betrieb gehen und überwiegend durch einen neuen Tunnel verlaufen.

Probleme bei der Bahn beschäftigen nicht zum ersten Mal die Politik. Nach dem Chaos im schneereichen Winter 2018/19 hatte der Landtag im Mai Konzern-Vertreter auch der Deutschen Bahn zu einer Anhörung zitiert.

Im vergangenen Jahr hatte der damalige Verkehrsminister Joachim Herrmann (CSU) im Wirtschaftsausschuss des Landtags Stellung zu Problemen konkret bei der Münchner S-Bahn genommen.

Titelfoto: Frank Leonhardt/dpa

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