Kohleabbau in Australien: Siemens von allen Seiten unter Beschuss

München/Berlin - Der Industriekonzern hält trotz Protesten von Klimaschützern an einer wichtigen Zulieferung für ein umstrittenes Kohlebergwerk in Australien fest (TAG24 berichtete). Das teilte Siemens-Vorstandschef Kaeser am Sonntag auf Twitter nach einer außerordentlichen Vorstandssitzung mit. Seitdem zeigen sich viele enttäuscht über die Entscheidung.

Der Industriekonzern Siemens hält trotz Protesten von Klimaschützern an einer wichtigen Zulieferung für ein umstrittenes Kohlebergwerk in Australien fest.
Der Industriekonzern Siemens hält trotz Protesten von Klimaschützern an einer wichtigen Zulieferung für ein umstrittenes Kohlebergwerk in Australien fest.  © Ralf Hirschberger/dpa-Zentralbild/dpa

Die Grünen haben sich enttäuscht darüber gezeigt, dass Siemens trotz der Proteste an der Zulieferung für ein riesiges Kohlebergwerk in Australien festhält.

Sie habe sich ein anderes Signal erhofft, sagte Grünen-Chefin Annalena Baerbock am Montag in Berlin - auch, weil das Auftragsvolumen für Siemens relativ gering sei.

Der Konzern hätte sich "rausverhandeln" können oder Vertragsstrafen in Kauf nehmen können, "weil der Rufschaden, der jetzt mit dieser Entscheidung einhergeht, wesentlich größer ausfallen dürfte".

Der Fall mache deutlich, dass es im Aktienrecht und den Bilanzierungsregelungen für Unternehmen nicht mehr nur um Gewinnmaximierung geben dürfe, sondern auch Nachhaltigkeitsziele verankert werden müssten. Die Politik müsse dafür die Leitplanken setzen, sagte Baerbock.

Das Bundesumweltministerium wollte den konkreten Fall nicht kommentieren. Die Unternehmenswelt könne und müsse aber daraus lernen, dass es ein Frühwarnsystem brauche, sagte ein Sprecher auf Anfrage der dpa.

"Wer mit dem Wissen von heute in fossile Infrastruktur investiert, riskiert, morgen zu den Verlierern zu gehören."

Gesellschaft für bedrohte Völker kritisiert Siemens

Bei bundesweiten Protesten hatte die Klimabewegung Fridays for Future gegen Siemens demonstriert.
Bei bundesweiten Protesten hatte die Klimabewegung Fridays for Future gegen Siemens demonstriert.  © Tobias Hase/dpa

Auch die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) kritisiert Siemens für seine Entscheidung.

Vor allem widersprach die GfbV am Montag der Darstellung von Siemens-Chef Joe Kaeser, dass die indigenen Völker Wangan und Jagalingou, deren Land vom Projekt betroffen ist, zugestimmt hätten.

"Da scheint Herr Kaeser schlecht informiert worden zu sein", sagte Yvonne Bangert, GfbV-Referentin für indigene Völker.

"Die Wangan und Jagalingou haben sich bis zur finanziellen Erschöpfung juristisch gegen diese Kohlemine gewehrt", betonte Bangert.

"Eine Zustimmung, die der UN-Deklaration über die Rechte indigener Völker genügt, liegt unseres Wissens nicht vor." Die Deklaration fordere von ihren Unterzeichnerstaaten, zu denen auch Australien gehöre, freie, vorherige und informierte Zustimmung zu allen Projekten, die indigene Interessen betreffen.

"Im Internet und in öffentlichen Statements hat der Wangan- und Jagalingou-Familienrat immer und ausschließlich vollständige Ablehnung kommuniziert", sagte Bangert.

Kaeser hatte in seiner Stellungnahme am Sonntagabend geschrieben, dass die Wangan und Jagalingou dem Projekt zustimmten, was Siemens "sehr wichtig" sei.


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