Skrupellose Masche der Callcenter-Betrüger: Würdest Du darauf reinfallen?

München - Sie geben sich als Enkel oder Polizisten aus, dabei sind es organisierte Netzwerke von Trickbetrügern. Opfer verlieren durch sie Tausende von Euro, manchmal ganze Lebensersparnisse. Doch warum sind diese Maschen so erfolgreich?

Die Täter geben sich am Telefon zum Beispiel als Verwandte oder Polizisten aus und wollen dadurch an Geld kommen. (Symbolbild)
Die Täter geben sich am Telefon zum Beispiel als Verwandte oder Polizisten aus und wollen dadurch an Geld kommen. (Symbolbild)  © DPA

Im vergangenen Jahr gab es laut bayerischem Innenministerium 14.498 Anzeigen wegen Callcenterbetrugs.

Im ersten Quartal 2019 gab es in Süddeutschland eine regelrechte Welle von Anrufen. Die Münchner Polizei registrierte allein an nur drei Tagen im Februar rund 400 solcher Anrufe. Gold, Schmuck, Bargeld - 410.000 Euro erbeuteten die Gauner. Erst am Montag startete ein Prozess um Callcenterbetrug am Nürnberger Landgericht.

Viele der Anrufe bleiben zwar Versuche, gelingt jedoch einer, sind die Summen beträchtlich: Bundesweit wird der Gesamtschaden von falschen Bediensteten im Jahr 2018 auf etwa 100 Millionen Euro geschätzt, Dunkelziffer unbekannt.

Und die Zahl der Anrufe steigt: Im vergangenen Jahr sind allein beim Polizeipräsidium Schwaben Süd/West 1340 Anrufe von falschen Beamten gemeldet worden. 2015 waren es zwei.

Scham, Vertrauensverlust, seelische Schäden- Manche Betroffenen stehen nach dem Vorfall vor dem Nichts, da sie gesamte Schmucksammlung und Lebensersparnisse an Kriminelle übergeben haben. Umso schmerzhafter sei es, wenn Familienmitglieder sie mit Vorwürfen und Unverständnis konfrontieren, weiß Dominic Schreiner vom Opferhilfeverein Weissen Ring. Vielmehr sollte man "zuhören, ermutigen, nicht vorwurfsvoll agieren".

Polizei, Weisser Ring, Sparkassen und andere Organisationen versuchen durch >>Präventionsarbeit aufzuklären. In Schulungen sensibilisieren sie Bankangestellte und Pflegepersonal, halten in Seniorenheimen Vorträge, verteilen Flyer.

Verwandet, falsche Polizisten, Notare: So läuft der Betrug am Telefon ab

Hinter dem Anrufer steht ein Netzwerk aus Trickbetrügern, die die Schwächen ihrer Opfer schamlos ausnutzen. (Symbolbild)
Hinter dem Anrufer steht ein Netzwerk aus Trickbetrügern, die die Schwächen ihrer Opfer schamlos ausnutzen. (Symbolbild)  © DPA

Es gibt zahlreiche Varianten der Masche: Neben Verwandten oder falschen Polizisten schlüpfen die Betrüger in die Rollen von Gerichtsvollziehern, Finanzbeamten, Handwerkern, Notaren oder Mitarbeitern von Stadtwerken.

"Ältere Generationen haben großen Respekt vor Autoritäten - das nutzen die Täter aus", sagt Johannes Luff vom bayerischen Landeskriminalamt. "In vielen Fällen werden die Opfer mit einem Redeschwall konfrontiert. Da sofort gehandelt werden muss, wird die Möglichkeit genommen, kurz nachzudenken", erklärt Luff. Die Betrüger erzeugten Druck - und ein schlechtes Gewissen.

Die Täter sind oft professionell, sprechen akzentfrei Deutsch und manipulieren durch psychologische Tricks. Zunächst seien sie charmant - und wenn Vertrauen aufgebaut ist, würden sie bestimmend und fordernd, sagt Kriminalpolizist Jürgen Salzmann, der den Fall Mayer betreute. "Der von den Callcentern ausgeübte Druck auf die Opfer und die perfide Vorgehensweise machen selbst erfahrene Ermittler sprachlos."

Manchmal werde am Telefondisplay die 110 angezeigt. Doch Polizisten würden niemals mit dieser Nummer anrufen, warnt er. Bei einem unguten Gefühl sollte der vermeintliche Verwandte oder Polizist zurückgerufen werden - aber von einem anderen Telefon. "Die Betrüger haben die Möglichkeit, die Leitung zu halten und sind dann wieder am Apparat."

In >>dieser nachgestellten Aufnahme der Polizei kannst Du Dir anhören, wie skrupellos die Täter vorgehen.

Betrug am Telefon: Mit diesen Tipps kannst Du Dich schützen

Um sich vor Callcenterbetrug zu wappnen, geben Polizei und der Opferhilfeverein Weisser Ring diese Tipps:

  • Misstrauisch sein! - Gesundes Misstrauen ist nicht unhöflich.
  • Dringende Ermittlungen, Einbruch in der Nachbarschaft, Anklage aus dem Ausland? - Lassen Sie sich nicht unter Druck setzen.
  • Nichts übergeben! Die Polizei fordert nie zur Übergabe von Geld oder Wertgegenständen auf, um Sie zu schützen oder Ermittlungen durchzuführen.
  • Vermeintliche Verwandte oder Polizei anrufen und vergewissern, ob diese wirklich Geld benötigen. Aber: Keine Wahlwiederholung drücken und Telefon wechseln, denn die Betrüger haben die Möglichkeit, die Leitung zu halten. Empfehlung: vom Nachbarn oder Handy aus anrufen.
  • Eintrag im Telefonbuch ändern, zum Beispiel den Vornamen abkürzen, denn die Betrüger suchen oft nach altmodisch klingenden Namen.
  • Handwerker nur nach Ankündigung durch die Firma oder der Hausverwaltung in die Wohnung lassen.
  • Tür stets mit vorgelegter Türsperre öffnen.
  • Nicht raten, wer am Apparat ist.
  • Bei einem unguten Gefühl: auflegen!

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