Terror-Prozess: Ließ deutsche IS-Anhängerin kleines Mädchen verdursten?

München - Sie soll zugesehen haben, als ein fünfjähriges Mädchen verdurstete: Vor dem Oberlandesgericht (OLG) München beginnt der Prozess gegen eine Deutsche, die sich dem Islamischen Staat im Irak angeschlossen haben soll.

Vor dem Münchner Oberlandesgericht muss sich eine 27-Jährige wegen Mord durch Unterlassen verantworten.
Vor dem Münchner Oberlandesgericht muss sich eine 27-Jährige wegen Mord durch Unterlassen verantworten.  © DPA

Die Bundesanwaltschaft wirft der 27-Jährigen aus Niedersachsen Mord vor, Kriegsverbrechen und Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung (TAG24 berichtete).

Sie soll im Sommer 2015 gemeinsam mit ihrem Mann ein kleines Mädchen aus einer Gruppe jesidischer Kriegsgefangener als Sklavin gekauft haben. Weil das Kind ins Bett gemacht hatte, soll der Mann es zur Strafe in sengender Sonne angekettet haben, wo es qualvoll verdurstete.

Die Angeklagte soll nichts dagegen unternommen haben. Der Vorwurf: Mord durch Unterlassen.

Die Mutter des Mädchens tritt als Nebenklägerin in dem aufsehenerregenden Verfahren auf; die bekannte Menschenrechtlerin Amal Clooney ist eine ihrer Anwältinnen.

"Jesidische Opfer warten schon viel zu lange auf ihre Gelegenheit, vor Gericht auszusagen", sagte Clooney laut einer gemeinsamen Mitteilung der Nebenklage und der jesidischen Organisation Yazda. Sie dankte den deutschen Anklägern für ihren Einsatz.

Nach Angaben von Yazda handelt es sich um die erste Anklage wegen Straftaten von IS-Mitgliedern gegen die religiöse Minderheit der Jesiden. Die Friedensnobelpreisträgerin Nadia Murad nannte den Prozess einen großen Moment.

Update 12 Uhr: Prozess auf den 29. April vertagt

Nach der Verlesung der Anklage wurde der Prozess bis zum 29. April unterbrochen. Hintergrund ist nach Angaben der Bundesanwaltschaft, dass die Mutter des Mädchens ausfindig gemacht wurde und als Zeugin zur Verfügung steht.

Sie ist als Nebenklägerin zu dem Verfahren zugelassen und wird unter anderem von der bekannten Menschenrechtsanwältin Clooney vertreten. Sie kam allerdings nicht zum Prozessauftakt.

Amal Clooney ist die Anwältin der Nebenklägerin, der Mutter des toten Mädchens.
Amal Clooney ist die Anwältin der Nebenklägerin, der Mutter des toten Mädchens.  © DPA

Titelfoto: DPA

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