Terrorprozess gegen Jennifer W.: Deshalb wollen ihre Anwälte nicht mehr verteidigen

München – Das Verfahren gegen die mutmaßliche IS-Terroristin Jennifer W. wird fortgesetzt - trotz Einwänden der Verteidiger.

 Die Angeklagte hält sich vor Verhandlungsbeginn im Gerichtssaals einen roten Aktendeckel vors Gesicht. Neben ihr sind ihre Anwälte Sera Basay-Yildiz (l) und Ali Aydin (r).
Die Angeklagte hält sich vor Verhandlungsbeginn im Gerichtssaals einen roten Aktendeckel vors Gesicht. Neben ihr sind ihre Anwälte Sera Basay-Yildiz (l) und Ali Aydin (r).  © Peter Kneffel/dpa

Die Richter am Münchner Oberlandesgericht lehnten am Freitag einen Antrag der Anwälte von Jennifer W. auf Entbindung vom Mandat ab. Das hätte den Prozess platzen lassen können.

Die Verteidiger kündigten umgehend einen weiteren Antrag an. Sie hatten in der Vorwoche ihre Entpflichtung beantragt, weil sie sich wegen Ermittlungen gegen sie selbst nicht mehr zu einer vernünftigen Verteidigung in der Lage sähen.

Wäre dem Antrag stattgegeben worden, hätte das Verfahren neu aufgerollt werden müssen.

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Hintergrund ist ein Ermittlungsverfahren gegen Rechtsanwalt Ali Aydin und seine Kollegin Seda Basay-Yildiz. Ihnen wird vorgeworfen, im Rahmen des Prozesses illegalerweise aus einem Islamismusverfahren vor dem Oberlandesgericht Düsseldorf zitiert zu haben.

Wegen des laufenden Prozesses müssten sie nun eigentlich schweigen und könnten keine weiteren Beweisanträge mehr zugunsten ihrer Mandantin stellen, hatte Basay-Yildiz mitgeteilt.

Der Vorsitzende Richter Reinhold Baier lehnte den Antrag nun ab, da die Voraussetzungen für eine Entpflichtung nicht vorlägen. Die Verteidiger hätten sich keiner schweren Pflichtverstöße schuldig gemacht und das Vertrauen zu ihrer Mandantin sei nicht erschüttert.

Oberstaatsanwältin Claudia Gorf hielt den Anwälten zudem vor, sie hätten auf legale Weise aus dem Düsseldorfer Verfahren zitieren können, indem sie im Münchner Prozess zuvor einen Ausschluss der Öffentlichkeit beantragt hätten.

Jennifer W. aus Lohne in Niedersachsen ist wegen Mordes an einem fünfjährigen, jesidischen Mädchen angeklagt (TAG24 berichtete), das als Sklavin gehalten worden war. Die Angeklagte soll sich im Irak der Terrororganisation Islamischer Staat (IS) angeschlossen und tatenlos dabei zugesehen haben, wie das Kind verdurstete.

Anwalt Ali Aydin spricht mit der Angeklagten Jennifer W.
Anwalt Ali Aydin spricht mit der Angeklagten Jennifer W.  © Peter Kneffel/dpa

Titelfoto: Peter Kneffel/dpa

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